Gastbeitrag: Ein paar Details zum Haarlemer Modell

Unser Leser Antonio Peri hat sich mal die Mühe gemacht, die Richtlinien zum neuen Haarlemer Modell zu übersetzen und zu kommentieren. Er ist noch nicht ganz durch (es sind immerhin 16 Seiten), aber den Anfang hat er schonmal bearbeitet.

Vielen Dank, dass Du Dir die Mühe gemacht hast!

Haarlemer Coffeeshop-Gütesiegel Konzept

Zunächst wird in der Einleitung die Situation in Haarlem dargestellt, was die zweitgrößte Stadt in Nordholland nach Amsterdam ist, wo es 16 Coffeeshops und 151.000 Einwohner gibt. Haarlem war 1992 eine der ersten Gemeinden, die eine Coffeeshopverordnung eingeführt haben. Damals wurde abgestimmt, wie viele Coffeshops es geben solle. Man ging damals von einem Coffeeshop für 10.000 Personen aus.

Dann wird betont, daß die Haarlemer Coffeshops Kleinunternehmen mit eine festen, lokalen Kundestamm sind. Großcoffeeshops mit touristischem Publikum gäbe es in Haarlem nicht.

Zudem haben die umliegenden Gemeinden (immerhin ein Gebiet mit 400.000 Einwohnern) keine guten Coffeeshopverordnungen, so das es dort nur 4 Shops gibt und daher das Umland auch auf die Shops in Haarlem angewiesen sind.

Durch die repressiven Regelungen im Rest der Niederlande könne aber nun eine touristische Anziehungskraft in Haarlem entstehen. Die Gemeinde solle das beobachten und im Falle von Belästigungen mit entsprechenden Regelungen dagegen vorgehen.

In der Diskussion um Cannabis, spielen die Themen Belästigung und Volksgesundheit eine große Rollen. Gemeinsam mit dem Bürgermeister ist dann der Wunsch nach einem Gütesiegel entstanden. Alle Haarlemer Coffeeshopbetreiber sind sich darüber im Klaren, dass sie ein geduldetes Produkt verkaufen. Sie wollen mit dem Gütesiegel betonen, dass sie ihr Unternehmen sicher und verantwortungsvoll führen und zwar im Hinblick auf die Kunden, die Mitarbeiter und die Umgebung.

Dann wird die THC-Vereinigung dargestellt – das Ziel ist es zusammen mit der Gemeinde Überlegungen anzustellen um die Qualität der Coffeeshops sicherzustellen und den Coffeeshop als sozialen Entspannungsort zu erhalten.

Mitglieder sind die Betreiber der Haarlemer Coffeeshops – aber auch Coffeeshopbetreiber aus Zandvoort, Ijmuiden und Haarlemmermeer können sich anschließen. Das Gütesiegel soll aber den Coffeeshops aus Haarlem vorbehalten bleiben.

Nach der Auflistung der Mitglieder wird dann genauer über das Gütesiegel berichtet.

Das Gütesiegel soll sicherstellen, dass die Coffeeshopunternehmer die Verordnung zur Handhabung der Coffeeshops ernst nehmen und man zusammen mit der Gemeinde zu einer sicheren und verantwortungsvollen Verordnung über weiche Drogen kommt. Daher arbeitet das THC zusammen mit der Gemeinde Haarlem, der Polizei Kenmerland, dem GDD Kenmerland (einer regionalen Gesundheitsorganisation) und WeSmoke – der Cannabiskonsumentenvereinigung der Niederlande.

Das Gütesiegel besteht zur Hälfte aus den bekannten AHOJG-Kriterien, es beinhaltet die Tür-Verordnung, die Hausregeln, Risikoanalyse für die Umgebung und Informationsverbreitung. Zum anderen soll es auch die Produktqualität und Sicherheit sicherstellen, die vor allem für Patienten die medizinisches Cannabis nutzen wichtig ist.

So – das waren nun die ersten 4 von 18 Seiten. Alles in allem liest sich das nett – aber eben für uns Ausländische Touristen sehe ich nach diesem Anfang auch in Haarlem kein Licht am Horizont. Mal sehen, ob die nächsten Seiten konkreter werden – das ist ja nur die Einleitung.

 

UPDATE: Und ein Statement zum Rest:

Also ich habe natürlich in der kurzen Zeit nun nicht alles übersetzen können. Habe aber das komplette Papier jetzt überflogen und möchte es mal kurz wie folgt zusammenfassen:

Im Grunde setzt sich dieses Gütesiegel aus einer Konkretisierung und freiwilligen Verschärfung/Erweiterung der jetzt schon gültigen Verordnungen an die sich die Coffeeshops halten müssen, und einer Qualitätssicherung/Verbesserung im Bezug auf die Produkte und die Produktkenntnis zusammen. Die Coffeeshopunternehmer in Haarlem stellen sich da als besonders seriös und gesetzestreu dar. Auch wird betont, daß sie eben keine riesigen Touri-Läden sind, sondern eben (auch Stichwort medizinisches Cannabis) eine wichtige Rolle für die lokale und regionale Bevölkerung spielen.

Alles in allem ist das ein sehr begrüßenswertes Papier – Wichtig ist, denke ich auch der Punkt mit dem Umland – das wird natürlich nicht umsonst erwähnt, denn da wird sehr klar, daß es in Haarlem eine Beschränkung auf 2000 Mitglieder (wie ja beim Wietpas vorgesehen) nicht geben kann. Für die bisherigen lokalen/regionalen Kunden in Haarlem wäre das Gütesiegel-Konzept sicher ein Segen. Für uns Ausländer sehe ich da aber ehrlich gesagt kaum nutzen.

Im Gegenteil wird ja schon zu Anfang auf die Gefahr hingewiesen, daß es durch dieses Konzept zu einer großen touristischen Anziehungskraft kommen könne – und falls diese zu „Overlast“ (das ist immer das Zauberwort) – also Belästigung der Nachbarschaft und zu viel Verkehr etc. führt, sollen Regelungen ergriffen werden um das zu unterbinden – nach einem neuen Paradies hört sich das nicht an.

Fazit: Die wollen einfach ihre Shops behalten und sind scheinbar mit dem Spatz in der Hand zufrieden bei guter Qualität – eigentlich ja sehr sympathisch und löblich. Aber ein Touristenmekka soll es eben keinesfalls werden.

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de
  • Anonymous

    der kampf wird in amsterdam gewonnen oder verloren.

  • Anonymous

    Adam ist die Front…

  • Anonymous

    Es fällt auf, dass alle Lösungen das Thema Drogentouristen (Ausländer-Raus) gern aufgreifen. Haben sie wirklich so viel Angst vor der VVD? Ich lebe seit 7 Jahren in Deventer und ich hatte immer wieder Probleme mit Einheimischen aber ein Drogentourist oder echte Ausländer wie ich sie gerne nenne niemals gestört, daher habe ich die Aufregung um Drogentouristen nie verstanden, wohl aber den rassistischen Hintergedanken.

  • Marcel

    Unsere Nachbarn zur Rechten haben diesen Platz genau richtig gewählt. RECHTS…. oder zumindest Ausländerfeindlich. Was die Niederlande in den letzten 20 Jahren an politischer VERSCHLECHTERUNG hinter sich herzieht ist Wahnsinn! Wir regen uns ja „nur“ über den WP auf. Ich habe lange Zeit versucht in die Niederlande auszuwandern, bzw. da ich ja schon in der Grenzregion gelebt hab, wollte ich nur die „Seite“ wechseln. Wenn man sich ein wenig mit dem holländischen Wohnungsmarkt beschäftigt hat, ist man dem Wahnsinn nah. Punkte sammeln, Einschreiben (scheint ein Volkssport zu sein), Wartelisten von Jahren, kein privater Wohnungsmarkt (kaum) etc. Dazu fällt mir ein das es niederländische Wohnungsgesellschaften gibt, die einem Mieter eine Miete schenken wenn er seinen Nachbarn verpfeifft weil er Gras anbaut (Flyer gabs bei der Wooningsstichting Tegelen – für alle Motzer ;-)).

    Ich hab mir das ganz schnell anders überlegt. Unsere Nachbarn sind nämlich noch bürokratischer als wir. Auch wenn sich das auf niederländisch alles immer drollig anhört (der Sprache wegen). Das Land verliert immer mehr seiner viel gelobten loyalität. Der WP wird kommen – aber zu 100%. Und es wird noch „schlimmer“ werden, selbst für die Einwohner.

    Das neue „Holland“ ist jetzt schon weiter östlich zu finden. Tschechschien! Freigrenze 25g und keinen Menschen kümmert der Verkauf. Ich hab noch nichts von Coffeeshops gehört – aber ich vermute das diese im „Untergrund“ schon existieren. So wie in NL Anfang der 90iger. Warum sollten die Bayern nicht auch mal Glück haben ;-)

    Vielleicht kann ja mal jemand aus dieser Region berichten wie es da untern „funktioniert“…..

    • Ich will jetzt nicht klugscheissen, aber wenn man unbedingt die Richtungen auf einer Landkarte mit Rechts und Linls bezeichnet (anstatt Ost und West) dann sind die Niederlande aber Links von uns…

      • Marcel

        öhm (wie komm ich da jetzt wieder raus….) o.O aber wenn ich nach München schau sind die RECHTS :-D

  • Purple Haze

    Was passieren würde wenn Haarlem, und auch einige andere Städte und Gemeinden, eine „Anti Wietpas Oase“ werden, kann man sich gut vorstellen.

    Millionen Drogentouristen aus aller Welt würden diese Orte stürmen: Sorry Leute, ich kann mir nicht vorstellen dass der betroffene Bürgermeister das will. Ich denke es wird leider auf eine Light Version rauslaufen. Wietpas mit Registrierung nein, Zugang zu den Coffeeshops jedoch nur für Anwohner.

    Die einzige Hoffnung für uns ist die komplette Abschaffung des Wietpases durch die neue Regierung. Ich bin jedoch Realist, daher glaube ich daran nicht wirklich.

    Aber wir werden sehen …..

    • Marcel

      mein denken. Es wird auf die „light“ Version in ganz NL raus laufen. Man muss Einwohner der Niederlande sein, fertig. Damit sind die Nachbarstaaten zufrieden gestellt, und die Drogentouristengegner ebenfalls. Ich denke einzig in Amsterdam wird es eine seeeehr weiche Regelung geben damit der tourismus nicht ganz wegbricht.

      • Ich kann mir irgendwie keine Insellösung vorstellen. Dann wird es doch genauso sein wie „damals“ als die Idee auch von Amsterdam in die restlichen Niederlande getragen wurde.

  • Marcel

    die Insellösung ist ja glaub ich auch nur Wunschdenken von mir – leider

    • Der Prophet

      die sollen ruhig mal den wietpas ab 01.01.2013 in amsterdam einführen. jeder der die stadt nur ein bisschen kennt kann sich die konsequenzen vorstellen. das wird ein schwarzmarkt und strassenverkauf wie ihn die welt noch nicht gesehen hat, inklusive aller nebenwirkungen wie extremer anstieg der kriminalität, belästigung der „normalen“ touristen, einheimischen usw.
      soviel neue polities können die gar nicht einstellen um das halbwegs in den griff zu bekommen.
      der ruf von amsterdam wird leiden ohne enden.
      allerspätetens DANN wird panisch zurückgerudert werden und eine insellösung WIRD kommen.
      dafür leg ich meine hand ins feuer!
      ist halt schade das das kind immer erst in den brunnen fallen muss bevor man was tut.

  • Antonio Peri

    Um eines noch mal ein wenig ins rechte (oder sollte ich hier doch ieber „richtige“ sagen) Licht zu rücken:

    Das Haarlemer Modell ist schon interessant. Ausländische Touristen sollen nach bisheriger lesart (eher zwischen den Zeilen erkennbar) ja nicht von vornherein ausgeschlossen werden. Das steht so nicht in dem Papier zum Gütesiegel.

    Allerdings werden sie auch mit keinem Wort direkt erwähnt. Außer eben, daß im Falle von „Overlast“ Maßnahmen dagegen ergriffen werden sollen.

    Wie man das nun auffasst, ist wirklich Interpretationssache. Den Coffeeshopunternehmern wären einige zusätzlich Ausländer sicher recht, aber das schreiben sie nicht so. Ich denke auch Sie müssen abwägen – zwischen dem Spatz in der Hand (der Ihnen mit der strengen Variante des Wietpas auch noch genommen wird) und der Taube auf dem Dach (eben vielen Touristen zusätzlich zum unbeschränktem Zugang für Einheimische.

    Da die zweite Variante eher unwahrscheinlich geworden ist, kämpfen einige (z.B. die THC-Vereinigung in Haarlem) wenigstens gegen die Regelung mit der Registrierung und den 2000 Mitgliedern – weil ja dann auch kaum noch Einheimische kommen und sie gleich schließen können.

    Wie gesagt ist das aber Interpretation. Im Grunde steht nämlich zu unseren drängenden Fragen wie weniger im Gütesiegel-Konzept, als wir uns wünschen würden. Aber das ist halt auch vor allem Lobbyarbeit – und mit Drogentouristen kann man halt in NL zur Zeit keinen Blumentopf gewinnen.

  • Marcel

    und ich frag mich immer noch wer von Euch hat sich denn da drüben nicht benommen :-P

    Um vielleicht nochmal darüber zu schimpfen: In meinen 5 Jahren täglichen Coffeeshopsitzen hab ich vielleicht 3-4 x Stress erlebt. Da war die Nationalität auch erstmal egal. Soweit ich mich erinnere waren nämlich mind. 2 niederländische Kollegen. Das andere waren Dauergäste die meinten ihre privaten Probleme im Coffeeshop austragen zu müssen. Das haben sie auch nur 2 Minuten lang gemeint und schon kamen die Rausschmeisser-Jungens. Also ich für meinen Teil: Husch Husch über die Strasse und blos rein in den Shop. Und erst recht Husch Husch nach Hause (am besten ohne das mich IRGENDWER sieht)……. Für Stress sorgen doch eher die Anhänger von harten Sachen ;-) – und sowas kannst nicht im Coffeeshop kaufen!

    Für mich ist immernoch der Hauptgrund: Druck von den Nachbarländern und der EU

    Abgesehen davon, habt ihr Euch mal gefragt wie das Ansehen eines „Kiffers“ in den Niederlanden ist!?! Ich weiß von Kollegen, das der Bekanntenkreis nicht wissen darf das sie kiffen, das der Arbeitgeber Drogentests anordnet (DHL u.a.) usw. Die Reputation eines Kiffers in den Niederlanden ist meines erachtens nach noch schlechter als die in Deutschland. Womit sich die Drogenpolitik von den Niederlanden wiedermal bestätigt. Im Durchschnitt kiffen in den Niederlanden weniger Menschen als überall anders. Wie kommt das nur!?! Aufklärung ist das A und O. Zudem ist Kiff überall verfügbar und somit für Kiddies schon wieder uninteressant (weil nicht verboten). Und das Ansehen im direkten Umfeld sinkt mächtig.

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