Gastbeitrag: Folgen des Wietpas

Gastbeiträge sind immer toll für mich: Der Content wächst und ich muss dabei nicht viel machen. Wir Kiffer sind doch alle faul ;-) Mein Dank geht an unseren Leser Nimrod

Im Internet stieß ich auf einen interessanten englischsprachigen Artikel, der meiner Ansicht nach ziemlich klar aufzeigt, dass die durch die Einführung des Wietpasses entstandenen Probleme von den ursprünglichen Mitinitiatoren und Befürwortern entweder nicht erkannt oder einfach verharmlost werden sollen.
Eingeleitet wird der Artikel damit, dass Onno Hoes, Bürgermeister von Maastricht und starker Befürworter des Wietpasses, die Polizeipräsenz in Maastricht im Kampf gegen den Straßenhandel verdoppeln will. Zudem wird erwähnt, dass mittlerweile auch Herr Hoes von der strikten Registrierungspflicht in Coffeeshops abgerückt sei, was schon ziemlich bezeichnend ist.
Soweit so gut. Im Folgenden wird es dann Interessant:
Grund für die steigenden Probleme mit dem Straßenhandel und der Aufstockung der Polizei sei nach Gertjan Bos, Pressesprecher von Onno Hoes, nicht ein Anstieg in der Anzahl der Straßendealer und damit Ausweitung des Schwarzmarktes! Durch das Ausbleiben der Drogentouristen sei vielmehr der Schwarzmarkt einfach nur kleiner und damit die Straßendealer aggressiver geworden.
Eine Aussage, die einfach nur unlogisch und leicht zu widerlegen ist. Zum Einen widerspricht diese Aussage eindeutig dem, was man in vielen anderen Artikeln zu diesem Thema liest. Denn inzwischen haben viele Bürgermeister anderer Gemeinden in Holland seit Einführung des Wietpasses mit Besorgnis eine starke Zunahme des illegalen Drogenhandels bekundet. Dies wird auch in dem hier zitierten Artikel unter Bezug auf eine lokale Zeitung aus Limburg bestätigt.
Zum Anderen haben sich von den nunmehr ausbleibenden Drogentouristen meiner Ansicht nach vor Einführung des Wietpasses nur sehr wenige auf dem Schwarzmarkt eingedeckt sondern haben hierzu eben die Coffeshops besucht. Deren Ausbleiben ist ja auch einer der Gründe, warum viele Coffeshops im Grenzland seit Einführung des Wietpasses nunmehr kurz vor der Schließung stehen. Durch deren Ausbleiben fand somit wohl kaum eine Verkleinerung des Schwarzmarktes statt. Vielmehr kommt hinzu, dass sich ja auch viele Holländer weigern, sich in den Coffeeshops registrieren zu lassen. Dies gibt auch Herr Bos zu. Den offensichtlichen Schluss, dass diese Leute ja nicht einfach mit dem Cannabiskonsum aufhören sondern sich halt auf der Straße eindecken und so den illegalen Drogenhandel fördern und ausweiten, will er erstaunlicherweise jedoch nicht ziehen.
Durch die Einführung des Wietpasses soll es zudem nach Aussage des Herrn Bos nicht zu Umsatzeinbußen der Geschäfte in Maastricht gekommen sein. Durch die Einführung des Wietpasses sollen jährlich 1,5 Millionen Drogentouristen fern gehalten werden. Zwar habe es zu Beginn der Einführung des Wietpasses insbesondere bei Imbissbuden im Bereich des „Alten Marktes“ in Maastricht Umsatzeinbußen von bis zu 15 % gegeben. Mittlerweile sei der Umsatz hier jedoch wieder gestiegen. Von den Umsatzeinbußen der Coffeeshops wird natürlich nichts erwähnt.

Bei Ausbleiben von 1,5 Millionen Besuchern kann ich mir nicht vorstellen, dass es nicht auch zu Umsatzeinbußen bei den ansässigen Geschäften kommt. Klar, die meisten der verteufelten Drogentouristen werden halt nur wegen den Coffeeshops nach Maastricht kommen. Dennoch wird es auch genug geben, die ihren Besuch auch zum Shoppen nutzen. Zudem bleibt ja auch die Frage offen, woher diese angebliche Umsatzsteigerung bei den Imbissbuden nun kommen soll. Haben die Maastrichter neuerdings ein gesteigertes Bedürfnis nach Fastfood entwickelt oder sind einfach die unzähligen Straßendealer als Neukunden hinzugekommen? Beides natürlich reine Spekulation.
Im Folgenden wird in dem Artikel noch Marc Josemans zitiert, der gerade die von Herrn Bos bestrittenen Probleme noch einmal hervorhebt. Zum Schluss wird noch erwähnt, dass mittlerweile aufgrund der bislang aufgetretenen Probleme seit Einführung des Wietpasses auch bei den Politikern und insbesondere bei den Gemeinden, wo der Wietpass erst noch eingeführt werden soll, immer mehr eine Abkehr von dieser Idee zu verzeichnen ist. Insgesamt ein sehr lesenswerter Artikel.
Zum Schluss möchte ich noch eine Frage aufwerfen, die ich in der bisherigen Diskussion stark vermisse:
Wie bekannt, stehen viele Coffeeshops mangels Kunden vor dem Aus. Und diese Anzahl wird noch steigen, wenn der Wietpass kommenden Jahres in den ganzen Niederlanden eingeführt wird. Hierdurch gehen dem Staat meiner Ansicht nach nicht unerhebliche Steuereinnahmen, die ja bei dem Verkauf in den Coffeshops auf Cannabis entfallen, verloren. Diese fehlen dann im Staatshaushalt. Hinzu kommen natürlich die gesteigerten Kosten für den Kampf gegen die Drogenkriminalität, die ja auch bezahlt werden wollen.

Diese Tatsachen, so wie eine dann doch notwendige Rückfinanzierung des Staatshaushaltes, werden jedoch, soweit ich das überblicken kann, nie von den Politikern öffentlich angesprochen. Gerade dies dürfte aber doch gerade für die holländischen Bürgerinnen und Bürger von großem Interesse sein, denn entweder führt der Verlust dieser Steuereinnahmen zu einer Verringerung von Staatsausgaben, meist im sozialen Bereich, oder zu einer Anhebung anderer Steuersätze bzw. der Einführung neuer Steuern. Beides trifft in erster Linie den normalen Steuerzahler, also den kleinen Mann (siehe die aktuelle Diskussion zur Anhebung der Ökosteuer auf Strom zur Finanzierung des Energiewandels hier in Deutschland). Dies ist natürlich für Politiker ein unangenehmes Thema, da man mit der Ankündigung steigender Abgaben keine Wählerstimmen gewinnt. Oder man macht natürlich einfach nur mehr schulden, was bei der momentanen Situation in Europa natürlich auch nicht gern kundgetan wird. Dies ist natürlich nur eine Wertung meinerseits, die ich nicht durch Fakten belegen kann.

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de

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  • Was mich immer so traurig macht: die niederländischen Politiker, ganz gleich welcher Partei, scheinen echt vergessen zu haben, weshalb die Coffeeshops seinerzeit überhaupt eingeführt worden sind.

  • Marcel

    Soweit ich mich erinnere war die „Kostendiskussion“ schon ein Thema – allerdings letztes Jahr bevor dieses Ungetüm Wietpass überhaupt erfunden wurde. Angeblich würden die Kosten zwar Anfangs intensiviert werden – jedoch sollte sich das Mittelfristig auf ein „normales“ Niveau einpendeln. Venlo hat jedenfalls über massive Umsatzeinbrüche (bis zu 25%) in der Einkaufszone berichtet. Ich kann mir nicht vorstellen das dies gerade in Maastricht anders sein sollte. Ich denke jeder von uns hat sicher mal den ein oder anderen Euro im Albert Heijn gelassen, Klamotten hab ich auch immer gern in Venlo gekauft (gerade die Anzüge bei Meyer&Meyer für 199,- sind sehr zu empfehlen ;-)) – die Dieselfahrer werden auch ihren Anteil dort gelassen haben, geschweige denn unsere Kaffeejunkies. All das fällt nun aus meiner Sicht flach, oder fährt jemand von Euch etwa für Kaffee nach NL!?! Soviel Kaffee kann und darf ich nicht kaufen das sich das lohnt.

    UND DER KÄSE IST AUCH TEURER ALS HIER !!!

  • Anonymous

    Die Coffeeshops zahlen nur Einkommenssteuer. Für die Produkte wie Grass oder Hash wird keine Steuer erhoben. Die Staatskasse hat also vom Handel gar nichts. Sehr unbedacht wie ich finde 21% Steuer auf jedem Gramm wäre Klug angesichts von Geldnot. Aber das würde die 100%tige Legalisierung genau wie Alkohol oder Tabak, von daher ist es besser das Böse zu entfernen was niemandem was bringt ;)

    • Revil O

      Soweit ich weiss bzw. mal gehört habe wird der Verkauf sehr wohl versteuert und zwar als nicht verköstigter Kaffee!!!
      Was dran ist kann ich hier beim besten Willen nicht sagen, würde aber offenbaren wie scheinheilig doch die Politik die ganzen Jahre mit dem Thema umgeht.

    • doctordude

      Coffeeshopnieuws sagt, dass Cannabis nicht der Umsatzsteuer unterliegt und bestätigt die Einkommenssteuer, Zitat „Coffeeshops don’t pay any value added taxes or taxes on sales turnover because cannabis is not a legal product. But coffeeshop owners do pay income taxes; – in the highest category, in fact!“.

      Die geben das Steueraufkommen mit 400 Millionen an. Ist ein bischen mehr als „gar nichts“ ;) Quelle http://www.coffeeshopnieuws.nl/index.php/blog/3-articles/31-a-little-coffeeshop-economy

      Eine andere Quelle gibt das Steueraufkommen der Coffeeshops mit 503 Millionen an, Zital „Holland’s pot-selling cannabis cafes do $2.6 billion in business a year, generating $503 million in tax revenue“, Quelle http://theweek.com/article/index/227358/will-banning-marijuana-sales-to-foreigners-hurt-hollands-economy

      Dazu kommen dann ja noch die Einsparungen bei der Strafverfolgung. NL proftiert also nicht unerheblich von der bisherigen Regelung. Allerdings wird ein Teil des Umsatzes ja auch weiterhin von den registrierten niederländischen Kunden erzeugt.

  • Marcel

    Na allerdings berechnet sich die Einkommenssteuer nach dem erzielten Erlös – der in den meisten Fällen sogar geschätzt wird. Der „Steueranteil“ des in Shops zu erwerbenden Weeds beträgt also über 50%. Ich müsste jetzt NL´s Höchststeuersatz googeln – hab ich aber keine Lust zu ;-). Natürlich können von der ESt noch die die Aufwendungen abgesetzt werden (Miete für den Shop, Kosten der Mitarbeiter – allerdings nicht der Einkauf). Wie das buchhalterisch funktioniert ist für mich allerdings auch ein Rätsel (und ich bin Bilanzbuchhalter!). Denn das Geld welches für den Einkauf der „Ware“ benötigt wird kann eigentlich nur „entnommener Gewinn“ sein – und somit voll Einkommensteuerpflichtig. Nun frag ich mich ob das Eintreffen der Ware als Privateinlage gebucht wird – oder einfach „übergangen“ wird – und man somit aus „nichts“ Geld macht. Fragen über Fragen am frühen morgen….

    • Jenz

      Ich könnte mir vorstellen das es da eine art doppele Buchführung gibt.
      Der gesamte Grasumsatz geht vermutlich an den Büchern vorbei. Wie sollte man auch von einem illegalen Lieferanten ein Quittung bekommen? Also kein Wareneingang. Somit auch keine Notwendigkeit beim Verkauf einen Warenausgang zu deklarieren. Offiziell zahlen die Shops vermutlich bloß für die verkauften Speisen und Getränke Steuern. Ist aber bloß eine Vermutung.

  • Anonymous

    Lol ich mag euch, also sind wir uns einig, keine Besteuerung von Hanf ;) Das werden sich auch viele Hüten, weil es wie schon gesagt die totale Legalisierung bedeuten würde!

  • Wie es hier viele Kommentatoren schon erfasst haben, ist die Backdoorproblematik und generell das „halblegale“ der niederländischen Duldungspolitik (ich hab mich schon immer über alle aufgeregt die meinten Weed sei ja in NL legal – war es nie!) der Grund dafür, daß die Coffeeshops trotz des enormen Umsatzes nie ein großer Faktor bzgl. Steuereinnahmen waren. Dazu kommen noch zig Faktoren, die ich gern bald in einem eigenen Beitrag darstellen möchte (wegen eines engen familiären Trauerfalls bin ich momentan leider nur sporadisch hier). Meine Auffassungen bzgl. der Steuerproblematik werden auch von den Ausführungen des anonymen Gastbeitrags: http://keinwietpas.wordpress.com/2012/07/06/gastbeitrag-insiderinformationen/#comments unterstrichen. Bzw. ich ziehe daraus auch meine Schlüsse.

    Ebenfalls damit und zudem mit den Aussagen des Gastbeitrags, auf den wir uns hier beziehen, decken sich meine Erfahrungen in Maastricht. Noch 2003/2004 war es rund um die Boote und auch um den Kosbor-Coffeeshop herum Gang und Gäbe, das man von „finsteren Eckenstehern“ angezischt wurde: „Psst Wit of Bruin?“ – Weiß oder Braun = Kokain oder Heroin?

    Das hatte sich seit 2006/2007 bis auf Null reduziert. Irgendwie (ich vermute das „wie“ kann man aus dem anonymen Gastbeitrag entnehmen) hatten die Cofeeshopbetreiber (und sicher nicht die Polizei) es geschafft, die Dealer von hard-drugs aus der Nähe Ihrer Shops zu vertreiben und so für mehr Sicherheit auf den Straßen gesorgt – und für weniger „Overlast“.

    Nun sind diese Leute wieder da – und haben eben jetzt auch Weed im Angebot. Als es noch die Coffeeshops (für Touristen) gab, haben die Drugsrunners nach Weed erst gar nicht gefragt, sondern eben nur als „Zugabe“ zum Coffeeshopbesuch den Leuten die aus den Shops kamen noch ihr Hauptprodukt (klassische harte Drogen) feilgeboten. Das war aber schon längst vorbei als die Lage in Südlimburg anfing ungemütlich zu werden und sich der heutige Weg schon abzeichnete.

    Hat ja alles nicht genützt – im Gegenteil.

  • Anonymous

    Das tut mir leid Anton Peri, ich hoffe dir geht es gut. Ja das hast du recht und ist wirklch das Schlimmste am Wietpas, es wird wieder illegal zu 100% ein echter Verlust für die niederländische Gesellschaft.

  • P.S. @ doctordude – bzgl. Einsparungen bei der Strafverfolgung mal ein Beispiel von gestern aus meiner direkten Nachbarschaft:http://www.aachener-nachrichten.de/lokales/aachen-detail-an/2807620?_link=&skip=&_g=Hasch-Pflanzen-im-Wert-von-einer-Million-Euro-entdeckt.html – diese üble Denunzierungs-Nummer „meld misdaad anoniem – melde Straftaten anonym“ gibt es übrigens in NL auch erst seit Beginn der „Weed-Wars“. Und zudem gehen die dort weitaus schlimmer gegen Anbau vor als bei uns in Deutschland – weshalb mittlerweile auch viele Plantagen mit dem Verkaufsziel NL in Belgien und Deutschland nah an der Grenze sind und eben gar nicht mehr in Holland.

    • doctordude

      Schade um die schönen Pflanzen :(

  • Marcel

    Hier mal was zu den Steuereinnahmen aus den Coffeeshops:

    http://www.forbes.com/sites/ceciliarodriguez/2012/10/12/weed-for-all-again-dutch-politicians-say-maybe/

    wohl doch ein sehr hoher Anteil der verloren geht….

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