Gastbeitrag: Gerüchteküche

Unser geschätzter Investigativreporter „Hanfgleichstellen“ hat sich nach der Aufregung um den NOS-Artikel gestern die Mühe gemacht, und hat eine große Anzahl an Coffeeshops kontaktiert, um die Meldung zu verifizieren. Durch die zahlreichen Kommentare hier im Blog hat sich ja bereits herausgestellt, dass die Situation vor Ort doch ein wenig anders ist, als die niederländische Presse es geschrieben hat. Zeit für Klärung! Vielen Dank für den Artikel und die grandiose Arbeit, die dahinter steckt!

Die Gerüchteküche brodelt und so manch einer geht dieser auf den Leim. Ein Kommentator auf „Kein Wietpas!“ hat das Gerücht in die Welt gesetzt, dass Venray für Deutsche offen sei. Einen Tag später wird dieser Beitrag auf nos.nl veröffentlicht, welcher den Eindruck erwecken könnte, in Heerlen sei die Welt wieder in Ordnung.
Diverse Menschen brechen auf nach Heerlen und Venray in der Hoffnung, lecker und relaxt einen drehen zu können. Auch ich habe Samstag Morgen einen Plan geschmiedet, wie ich alle CS südlich von Roermond anfahren könnte, um vor Ort klare Aussagen zu bekommen – zum „lecker einen drehen“ wäre das für mich nicht nötig gewesen – mir ging es wirklich darum, verlässliche Informationen zu haben. Kommentare von Anonymen sind für mich alles andere als eine zuverlässige Quelle.
Leider zerschlug sich der Plan und mir blieb nichts anderes übrig, als mal die Runde durch zu telefonieren. Meine Frau erklärte sich bereit zu Telefonieren (die kann wesentlich besser NL wie ich).
Den ersten erfolgreichen Anruf landeten wir im Genesis/Geleen – (geiler Laden – top günstiges und gutes Buitenwiet).
Meine Frau kann zwar top NL sprechen, aber trotz einer gewissen Vorbereitung fehlte ihr das Hintergrundwissen um, auf mein Zurufen hin, beim Gegenüber zu „bohren“. Also habe ich ihr das Handy entrissen und doch selbst die Initiative/das Wort ergriffen… Die Frau im Genesis wusste einzig, das sie weder jetzt noch ab 01.01.2013 Ausländer rein lassen dürfe. Von dem NOS-Artikel wusste sie noch nichts.
Der zweite CS in Geleen, der Club88, hofft auf das Urteil im „Marc-Prozess“ und die weitere allgemeine Entwicklung klang aber nicht besonders optimistisch.
In Sittard (ist eine Gemeinde mit Geleen zusammen) konnte ich nur das Relax erreichen. Dort war man auch einigermaßen schlecht informiert oder sehr bekifft ;-) Man verwechselte Marcs Prozess mit einer Entscheidung der 2de Kamer. Also auch dort ist momentan, bzw. ab 01.01.2013 kein Zugang möglich und man hofft auf Marc bzw. ein Wunder.

Das Quiam in Eygelshoven (Gemeinde Kerkrade) war interessant. Man kannte den NOS-Artikel und wusste um Marcs Prozess Bescheid. Bezüglich des 0.01.2013 warte man sehr zeitnah auf eine Aussage des Bürgermeisters – eine konkrete Anfrage ihrerseits sei gestellt. Ich könne ab dem 02.01.2013 wieder nachfragen.
Das DownUnder in Kerkrade hofft mehr auf die Absurdität der Insellösungen und die Unrechtsmäßigkeit des I-Kriteriums und glaubt, dass darüber der Shop im Laufe der nächsten Monate wieder für alle geöffnet werden dürfe.
Die beiden Läden direkt in Heerlen (Capricorn & Brothers) habe ich leider nicht erreichen können, obwohl ich bis 23:00 im Stundentakt da angerufen habe.
Das HappyDays in Hoensbroek gehört aber auch zur Gemeinde Heerlen und dort freute man sich sehr über den NOS-Artikel. Von der vermeintlichen Haltung der eigenen Gemeinde hatte man aber auch erst durch eben diesen Artikel erfahren. Ausländer lassen sie erst wieder herein wenn von der Stadt / Polizei das OK kommt.

Ich bin ziemlich sicher, dass ich heute in einen oder zwei der neun angerufenen Läden rein gekommen wäre. Ähnlich wie derjenige, der fälschlicherweise Entwarnung für Venray gab. Ich bin 45, mein NL ist mittlerweile selbst fürs Telefonieren zu gebrauchen – bestimmt ne ganz andere Ausgangslage als für einen nur Deutsch sprechenden 18jährigen.

Definitiv ist es also so, das in Südlimburg NICHTS geht. GARNIX! Alles blos Gerüchte – leider.

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de
  • Krautcontrol

    Vielen Dank für deinen Einsatz, hanf!

  • Die Niederländischen Medien selbst steigen aber auch aufs allerheftigste auf den „NOS – Zug“ auf und verbreiten munter die frohe aber völlig unbestätigte Botschaft:
    http://www.dichtbij.nl/roermond/regionaal-nieuws/artikel/2577490/buitenlandse-coffeeshopbezoeker-kan-roermond-mijden-en-doorrijden-naar-heerlen.aspx
    http://www.destentor.nl/regio/deventer/buitenlanders-welkom-in-coffeeshop-1.3584257
    http://www.rtl.nl/%28/actueel/editienl/cookieless/%29/components/actueel/editienl/nieuws/2012/w52/blowen-voor-buitelanders-geen-probleem.xml
    http://www.binnenlandsbestuur.nl/bestuur-en-organisatie/nieuws/gemeenten-gaan-coffeeshopbeleid-niet-actief.8612332.lynkx
    Und immer so weiter – GRAUSAM! Denn nirgends gibt es von den interessanten Gemeinden entsprechende Bestätigungen. Das ganze ist Brandgefährlich! Das I-Kriterium STEHT. Das ist GESETZ – wie auch immer sich die Gemeinden darum versuchen herum zu winden. Wie Marc es völlig richtig erkannt hat (erster Link) kann jetzt von einem Tag auf den anderen eine Gemeinde festlegen wozu sie Lust und Laune hat.
    Jeder CS der Ausländer bedient ist jetzt Freiwild – nur eine Kontrolle und weg ist der Laden – wer garantiert denn das die „guten“ Gemeinden nicht doch mal das I-Kriterium kontrollieren gehen? Nicht der Hauch einer gesetzlichen Grundlage existiert derzeit der die CS vor einer solchen Willkür schützen könnte.
    Das wird alles noch ziemlich aufreibend weitergehen… ich trau dem Braten kein Stück!

  • Elli

    Jo, jetzt wissen wir es definitiv! Konnte mir das mit Heerlen auch nicht vorstellen. Nach meiner Meinung bleibt der Zustand in Süd-Holland jetzt erst mal so, leider!

  • Daniel

    Guten Morgen,
    das alles nützt mir nichts, da ich einfach zu weit weg von der Grenze wohne um mal eben nen CS zu besuchen:-(
    Dennoch finde ich es toll wie viel Zeit einige hier in das Thema und in das Bloggen investieren.
    Es ist schön dass es diese Initiative gibt.
    “ Doppel Daumen hoch“ für eure Arbeit.

  • Anonymous

    Kann mich meinen Vorkommentatoren nur anschließen. Danke für die Arbeit und Deine Initiative. Daumen hoch!

    MFG,
    Nimrod

  • Muensterlaender

    Moin,
    zunächst vielen Dank an alle die Tüchtigen die Infos aus den CS erfragen und hier her tragen.

    Ich darf mal zusammenfassen:

    1. Die Shops, die bisher dicht sind für Ausländer*, bleiben es vorraussichtlich auch im nächsten Jahr.
    2. Viele Gemeinden führen das I-Kriterium ein, kein kauf mehr möglich.
    3. Einige Gemeinden verzichten auf die Kontrolle des I-Kriteriums, hier wird der Kauf vorraussichtlich bis auf weiteres möglich sein. (ob das tatsächlich der Fall ist wird sich zeigen)

    Meldungen das im Süden der NL es bald wieder was zu kaufen gibt sind sehr spekulativ – die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt!

    * mit Ausländer sind hier Personen gemeint die nicht in dem Land wohnen, ungeachtet der Nationalität

  • Echt toll @ hanfgleichstellen – ist ja eine richtige direkte Reportage. Bestätigt aber leider meine Annahmen. In Euphorie aufgrund solcher Meldungen verfalle ich sicher nicht.

    Ich halte die momentane Situation für nicht weniger „gefährlich“ als die klare Ansage zuvor. Meiner Ansicht nach, ist das alles bloß ein Strategiewechsel der Regierung. So kann man still, leise und langsam Gemeinde für Gemeinde ins I-Kriterium zwingen, das laut Ivo ja PHASENWEISE letztlich überall eingeführt werden soll.

    Währenddessen kann man sich, sehr elegant und auch stückchenweise, so manches Coffeeshops entledigen – auch ein erklärtes Ziel von Opstelten (Im Zweifel besser schließen), da das Risiko gegen Regeln zu verstoßen nun überproportional groß geworden ist (die 15% Regel gilt, ebenso wie das I-Kriterium nämlich offiziell auch schon). Die Unsicherheit für die Betreiber ist ins Unermessliche gewachsen. Da hat Marc Josemans Recht.

    Das sich trotzdem und offensichtlich (wie die Aussagen bei den Anrufen zeigen), so viele Betreiber als un- oder fehlinformiert erweisen oder lethargisch reagieren, wirft kein gutes Bild auf die Branche. Wenn ich Coffeeshopbetreiber wäre, wäre ich aber Top-Informiert – kann ich nicht verstehen – sind evtl. zu gute Kunden bei sich selbst.

    • Vergleicht man einmal die Situation mit dem Rauchverbot in Kneipen bei uns, ist es gar nicht mal so unnormal, dass Geschäftsinhaber nicht sonderlich informiert sind.

      Coffeeshopbetreiber wollen Gras verkaufen und nicht politisch aktiv sein. Irgendwo auch verständlich…

      • Aber wenn meine Branche vor dem Abgrund steht – die ganzen geschlossenen Shops in Maastricht sollten Warnung genug sein, und das aufgrund der politischen Situation geschieht, werde ich schon aus purem Eigennutz/Überlebenswillen politisch aktiv. Immerhin geht es um die Existenz – das sollte wohl niemandem egal sein – ob er nun ein politischer Mensch ist, oder nicht.

        Und einen Coffeeshop zu führen (in der Duldungssituation mitsamt der Backdoorproblematik) setzt eine bessere Kenntnis der (zumindest juristischen) Situation voraus, als das Betreiben einer Kneipe. Sollte man zumindest meinen.

        • Na gut, ist ein Argument

    • jdg

      die 15%-Grenze gilt ab 2014 nicht 2013:http://www.coffeeshopnieuws.nl/index.php/blog/3-articles/173-wiet-boven-15-thc-naar-de-straathandel-coffeeshops-failliet-opzet-opstelten-geslaagd

      warum denn bitte strategiewechsel, es ist doch gar nicht mehr dieselbe regierung,dann kann die auch schlecht ihre strategie wechseln, das was jetzt kommt an flickenteppich ist einfach der kompromiss zwischen wietpas-vvd und legalisierung-pvda bis zu den nächsten wahlen, wo dann entweder weiter links oder weiter rechts gewählt wird.

      • jdg

        ivo will das so nur einfach nicht zugeben, da er sonst sein „wietpas werkt“-gesicht verlieren würde.

      • Das stand so im November auf Coffeeshopniews. Bei der Befragung in der tweede Kamer hat Opstelten aber gesagt: Es gilt ab sofort (also seit der Veröffentlichung der Regierungserklärung) und die Umsetzung soll „zeitnah“ erfolgen. Schwammig wie immer – nichts mit 2014 oder so. Klar kann es so lange dauern – oder bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag, aufgrund undurchführbarer Umsetzung.

        Es kann aber auch einfach zum Instrument werden, um Coffeeshops zu schließen.

      • Zitat: „warum denn bitte strategiewechsel, es ist doch gar nicht mehr dieselbe regierung,dann kann die auch schlecht ihre strategie wechseln…“

        Der Hauptakteur ist der selbe. Ivo Opstelten war Justizminister in der alten und in der neuen Regierung – ganz klar ist das ein Strategiewechsel – was sonst?

        Zitat: „ivo will das so nur einfach nicht zugeben, da er sonst sein “wietpas werkt”-gesicht verlieren würde.“

        Und eben das zu glauben halte ich für blauäugig und gefährlich. Ich glaube nicht, das dort einfach aufgegeben wird.

      • jdg

        und du hältst es für normal, dass ein justizminister einfach mal was sagt und das ist dann so?eine regierungserklärung ist noch lange kein gesetz oder verordnung sondern nur eine absichtserklärung, was dann konkret passiert muss immer noch durch gesetze oder verordnungen passieren, beides ist nicht geschehen. auch im neuen „aanwijzing opiumwet“ wo die neuen regeln(i-kriterium,abstand zu schulen)drinstehen steht nichts von 15%-regel.http://www.voc-nederland.org/2012/12/staatscourant-nieuwe-aanwijzing-opiumwet-per-1-1-2013/

        ich glaube auch nicht,dass opstelten locker lassen wird aber die pvda, die schließlich gern legalisieren würde auch nicht. sie sagen wenn opstelten das lokaal maatwerk dichttimmert grijpt de pvda in.http://www.metronieuws.nl/nieuws/toeristen-blijven-welkom-in-amsterdamse-coffeeshop/IWIllm!zG9iTvNiCOEiMdvc5Jb73A/

  • Phil

    Also ich war gestern noch in Doetinchem und dort werden ab 01.01.2013 definitiv keine Ausländer mehr eingelassen. War dort seit Jahren Stammkunde.
    Ich könnte heulen, das war dann wohl die letzte Fahrt mit dem Fahrrad nach Holland in den Coffeeshop :-(

    • Schau mal den neusten Blogpost an…

  • HHHascher

    Moin Moin, habe heute mal 4 Shops in Groningen abtelefoniert – aktuell alle der Meinung, dass wir ab 2013 noch reindürfen. Wobei man sagte, dass man nichts gehört hätte und einfach davon ausgeht. Guten Rutsch euch, spliff on

    • Sebastian

      Ich wollte schon länger mal nach Groningen, soll eine sehr schöne Stadt sein, und mehr Bikes als in Amsterdam und Münster.

    • Testuser

      Wo hast du denn angerufen? Wie waren sie allgemein zum Thema Wietpas informiert?

  • bongraucher

    einer in Heerlen (Capricorn & Brothers) einen mal erreicht tel.ich nicht habe mal angerufen!

  • anon

    gestern durch heerlen gefahren wurde diskret auf nem parkplatz bedient fast wie im mc drive musste nichtmal was sagen der kam sofort angelaufen netter kerl riecht gut schmeckt gut tut gut guten rutsch wuensch ich

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