Der Ruf der Niederlande

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In einem Beitrag für den Hanfverband habe ich geschrieben: „Wenn man vor einigen Jahren an die Drogenpolitik der Niederlande gedacht hat, fiel einem vor allem das Wort „liberal“ ein. Heute dürfte es wohl eher „Chaos“ sein.“

Ich frage mich, was die Regierenden der Niederlande glauben, was der Richtungswandel der Drogenpolitik bewirken wird. Schon oft haben wir gelesen, dass die Konservativen des Landes weg von ihrem Ruf wollen, dass sie die Drogenversorger Europas sind. Die Verknüpfung von „Niederlande“ und „Cannabis“ soll aus den Köpfen der Leute gelöscht werden. Doch sie denken nicht darüber nach, durch welches Bild dies ersetzt wird.

Der Großteil der Deutschen versucht stets zu vermitteln, dass wir gastfreundlich sind. Diskriminierung ist bei uns zu einer Todsünde geworden. Dies sind wir unserer Vergangenheit schuldig! Wenn ich Menschen in unserem Land sehe, die offen gegen Diskriminierung und Fremdenhass kämpfen, macht mich das stolz! Wir brauchen auf diesen Planeten keine Abgrenzung, wir brauchen Integration. Nur so kann man die wirklichen Probleme lösen.

Ein Ausschluss von Ausländern in den Coffeeshops setzt ein deutliches Zeichen der Ausgrenzung. Und das ist eine Schande für alle die Niederländer, die stolz auf ihre Liberalität und Weltoffenheit sind. Der Ruf, eine liberale Nation zu sein, wird ersetzt durch Diskriminierung, national geprägte Politik und Europafeindlichkeit.

Dazu kommen dann noch Meldungen über ansteigende Strassenkriminalität, an der schon Minderjärige beteiligt sind. Werden alle Coffeeshops geschlossen, wird die Niederlande nicht nur die Drogentouristen vergrault haben.

Dazu darf es nicht kommen. Dazu ist mir das Land zu sympathisch.

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de

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  • Mary

    Danke an Mobo für diesen brillianten Beitrag. Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen.
    Spitzenmäßig. Jetzt werden viele Deutsche vielleicht erstmals erleben wie es ist, als Ausländer diskriminiert zu werden.

  • anon

    die flagge sollte auf halb haengen denn dies ist eine traurige zeit fuer die nl

  • Reblogged this on Simon Sundaraj-Keun.

  • Muensterlaender

    stimme soweit zu, allerdings würde ich ‚….deutliches Zeichen der Abgrenzung‘ durch ‚Ausgrenzung‘ ersetzen.
    In den NL bin ich immer sehr freundlich behandelt worden, privat und beruflich, noch nie hatte ich dort Probleme. Ebenso habe ich dort niemals eine rechts gesinnte Einstellung bemerkt. (In den USA allerdings schon!)
    Wie andere offensichtlich auch, habe ich von der aktuellen Politik eine andere Auffassung! Diese sieht ja schon fast so aus als ob die Hakenkreuzflaggen bald gehisst werden. Schade – scheiße finde ich das.

    Zum Thema Diskriminierung hatte ich hier was geschrieben:
    http://keinwietpas.wordpress.com/2012/12/27/schreibt-ivo/

  • Elli

    @Muensterlander: Ob die Dich die Niederländer nun nett behandeln oder nicht, ist glaub ich nicht der Punkt. Fakt ist, dass sie mit diesem Gesetz Ausländer diskriminieren, weil man nicht die gleichen Rechte wie NL hat. Diese Politik ist und bleibt zu verurteilen, wobei man natürlich nicht vergessen darf, dass durch erhebliche Widerstände von den NL gegen dieses ausländerfeindliche Gesetz erreicht wurde dass nur der Süden diskriminiert.

    Nach meiner Meinung ist diese Entwicklung leider Folge der zunehmenden (wirtschaftlichen) Probleme und den dadurch zunehmenden sozialen Problemen. Die Erfahrungen zeigen, dass es dann häufig dazu kam, dass der Gürtel enger gezogen wurde, d.h. Autorität und Repressivität nahmen zu. Cannabislegalisierung oder ähnliches sind dann natürlich vom Tisch. Ich hab letztens einen guten Artikel im SPON gelesen, der wie ich finde die aktuellen Probleme richtig widergibt.
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/muenchau-die-tragische-europaeisierung-der-usa-a-875413.html
    Leider ist kein Ende der Krise abzusehen, deshalb prognostiziere ich für und Kiffer nicht unbedingt eine positive Zukunft…

    • Joachim

      Wenn es eine europäische Verfassung gäbe, wäre so eine Art von Diskriminierung verboten. Kann man hier in den verschiedenen Sprachen nachlesen §21(2):
      http://europa.eu/legislation_summaries/human_rights/fundamental_rights_within_european_union/l33501_de.htm
      So eine Verfassung gibt es leider noch nicht, trotzdem macht man doch so was nicht …
      und §54 würde dann auch gelten!

      • Muensterlaender

        §21(2) bezieht sich auf die Staatsangehörigkeit, nicht auf den Wohnort !!

        Die jeweiligen nationalen Gesetze in der EU bzgl. der Diskriminierung entstammen Europarechtlichen Vorgaben. Siehe hier:
        http://de.wikipedia.org/wiki/Diskriminierungsverbot#Europarechtliche_Vorgaben

        Ich sehe einfach nicht, das ein lokal eingeschränkter Verkauf gegen diese Gesetze verstoßen. (Das heißt ja nicht das ich das gut finde)

        Wenn aber jemand z.B. aus Rotterdam (also Einwohner der NL) nach Venlo fährt und dort etwas bekommt, so kann man doch nicht sagen das hier nur lokal ansässige etwas kaufen dürfen. (und auch nicht regional)

      • Joachim

        Auch von heute!

        Schulz: Die Idee von Europa, dass nämlich Staaten und Nationen über Grenzen hinweg zusammenarbeiten, um ihre Probleme gemeinsam zu lösen durch gemeinsame Institutionen, diese Idee ist eigentlich unbestritten bei den meisten Leuten. Aber viele Leute haben den Eindruck, dass Europa das eben nicht mehr in effektiver Weise macht, dass die Kommission in Brüssel sich zu oft in Dinge einmischt. Das ist alles richtig, das kann ich alles nachvollziehen, aber das kann man ja reformieren durch Subsidiarität, indem wir Maßnahmen, die wirklich in Brüssel nicht notwendig sind, zurückübertragen auf die Mitgliedsstaaten.

        http://www.martin-schulz.info/index.php?link=4&bereich=1&details=1&id=1023

        http://de.wikipedia.org/wiki/Subsidiarität

    • Joachim

      Wollte gestern ins Autokino in Porz. Leider mit BM-Kennzeichen nicht reingekommen. Bin dann nach Essen gefahren. Frankfurt, Stuttgart oder München wäre mir zu weit gewesen und wer weiß, ob BM da zugelassen ist ;-)

      • bongraucher

        ich komme da immer rein mit meinen bm nummern schild!sprech dann auf kölsch dann geht das! ;-)