Mysteriöser Tod in Amsterdam

Die Spurensicherung ist aktiv - Foto: Benjamin

Die Spurensicherung ist aktiv – Foto: Benjamin

Verwirrender konnte eine Situation nicht sein: Unser Leser Benjamin, der gerade einen acht Tage andauernden Urlaub in Amsterdam hinter sich hat, war Zeuge einer polizeilichen Strassensperre in Amsterdam. Geistesgegenwärtig hat er Fotos davon geschossen und sie uns zur Verfügung gestellt. Es war mehr als offensichtlich, dass es ein Vorfall im Coffeeshop “Greenhouse” gegeben haben muss. Und so berichteten kurze Zeit darauf auch die ersten niederländischen Medien von dem Vorfall. Beruhend auf Zeugenaussagen von britischen Touristen, die auf der anderen Seite der Gracht beobachtet haben wollen, wie ein Mann aus dem Greenhouse kam, ein paar Schritte zur Seite ging und dann bewusstlos zu Boden fiel. Später wurde er dann von Sanitätern zuerst wiederbelebt, starb aber später an seinen blutenden Verletzungen.

Das Greenhouse hat jedoch sofort vehement verkündet, dass es in ihrem Shop im Wallen-Viertel keine Messerstecherei oder sonstige Vorfälle gegeben hätte, sondern der 44 jährige Mann aus dem Nachbarhaus gekommen sei. Die Verwirrung konnte größer nicht sein. Es gab dann noch einen (inzwischen wieder gelöschten) englischsprachigen Tweet, der verkündete, dass der Verletzte aus der „City Hall“ kam, was ich in dem Beitrag mit „Stadthalle“ übersetzte.

Erst nacheiniger Zeit brachte mich Benjamin dann darauf, dass es sich nicht um eine Stadthalle handelte, sondern um den benachbarten Cofffeeshop „City Hall“ der scheinbar komplett auf Aussenreklame verzichtet. Darauf muss man auch erstmal kommen…

Kommen wir jetzt mal zu den Fakten: Der 44 jährige Mann war einer der vier Betreiber des Coffeeshops, der in der Nachbarschaft nur als Glenn bekannt war, was wohl aber nicht sein wirklicher Name sei. Gegen 11 Uhr öffnetet er den Coffeeshop. Das Unglück ereignete sich eine halbe Stunde später. Zuerst sprach die Polizei von einem „tödlichen Unfall“, schließt aber andere Todesursachen nicht aus. Die Spurensicherung ermittelt.

Währenddessen wird der Fall in der Gegend heiß diskutiert und es gibt widersprüchliche Aussagen. Ein Tabakhändler von der anderen Grachtenseite meint zu wissen, dass es einen Streit zwischen Glenn und einem Freund gegeben habe. Ein Mitarbeiter eines Smartshops spricht von einer Schlägerei kurz vor dem Unglück.

Da es laufende Ermittlungen sind, hat die Polizei noch nichts zu dem Vorfall verlautbaren lassen. Fakt ist, dass das ganze Viertel Kameraüberwacht ist. Sollte also ein Täter kurz vorher aus dem Shop gekommen sein, dann dürfte sich das leicht herausfinden lassen.

Völlig unabhängig davon, was jetzt genau passiert ist: Solche Geschichten lassen die Coffeeshops immer in einem schlechten Licht erscheinen. Angesichts der aktuellen Situation nicht gerade hilfreich. Da neigt man fast dazu, zu verstehen, warum Coffeeshops in der nähe von Schulen nicht erwünscht sind. Fakt ist aber, dass man selten so friedliche Orte wie Coffeeshops findet. Aber wer weiß, was sich an der Hintertür alles so abspielt…

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de
  • Andererseits passiert sowas auch in Kneipen ab und zu. Die unregulierte Backdoor stellt natürlich ein Bindeglied zwischen Coffeeshop und organisierter Kriminalität dar. Ich denke auch, dass die Coffeeshops erst dann vom halbkriminellen Image wegkommen, wenn von der Produktion bis zum Verkauf alles legal geregelt ist. Was den aktuellen Fall anbelangt warte ich auf eine Erklärung der Polizei – bisher sind ja keine stichhaltigen Fakten bekannt.

    Aber ich kann mich an einen Fall von hier vor einigen Jahren erinnern. Da ist jemand in einer Kneipe erschossen worden. Der Täter wurde bis heute nicht ermittelt soweit ich weiß. Und da waren auch Schulen in der Nähe. Solche Vorfälle/Verbrechen sind nicht nur auf Coffeeshops beschränkt. Das es jedoch von rechtskonservativer Seite für genau die falschen Lösungsansätze instrumentalisiert werden könnte, sehe ich auch so. Warten wir´s ab.

    • yes da cad yooohh

      Ach in jedem Niederrheinischen Dorf ist mindestens ein von Angels , gremium banditos oder anderen krimminellen Vereinigungen gefuehrtes Bordell,meist direkt neben der Kirche undd schulen gibs da auch immere einen steinwurf weit weg,das interessiert keinen..Es wird langsam langweilig und es wurde auch schon tausendmal recherchiert:der Grund warum solche szenen leider immer wieder in Shops auftreten(sowie in Bordellen…)ist der schlicht und einfache Grund das die Produktion weiter hin nicht legal ist nie war und sich damit halt kohle machen laesst um die natuerlich gekaempft wird.Hab ne Weile als Securety in so nem Puff gearbeitet,bis die bewaffneten Besuche von der Konkurenz mir zu heftig wurden…warum gibts das?weil der Staat sich der Sache nicht gescheit annimmt,wie beim Weed,Peace und netten Sonntag euch!

    • dhc

      „stichhaltigen Fakten“…. man, man, Antonio…

      • Da hab ich selbst geschmunzelt, als ich das schreb… ;-)

  • Pingback: Verhaftung im Fall “City Hall” | Kein Wietpas!()

  • Pingback: Reisebericht Amsterdam 01/14 | Kein Wietpas!()

  • Pingback: Mordprozess im Fall ‘City Hall’ beginnt | Kein Wietpas!()

Unsinnige EU-Gesetze verlangen, dass wir Euch auf die Verwendung von Cookies auf "Kein Wietpas!" hinweisen müssen. Obwohl Cookies ein elementarer Bestandteil des Webs sind. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Dir das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Durch Weiterbenutzung unseres Angebotes und/oder dem Klick auf "OK" stimmst Du dem zu.

Schließen