Über legales und illegales Cannabis. Gibts einen Unterschied im Verkaufspreis?

Artikelautor Nol van Schaik - Foto: Stefan Müller

Artikelautor Nol van Schaik – Foto: Stefan Müller

Bis zum vergangenen Jahr war der Verkauf von Cannabis weltweit verboten, mit Ausnahme der Niederlande, wo Coffeeshops seit 1973 toleriert werden. Jetzt, ein paar Tage später, ist Cannabis in Colorado (USA) und Uruguay legal erhältlich .

Als „Cannabusinessman“ seit 1991 halte ich mich gut informiert über die Legalisierung von Cannabis in Amerika und weltweit.
Die Gesetzgebung in Uruguay besteht aus einer gesetzlichen Umsatzsteuer durch die Apotheken, der Möglichkeit zur Einrichtung von Cannabis -Clubs und die Möglichkeit 6 Pflanzen für den persönlichen Gebrauch zu besitzen. Der Preis für ein Gramm Cannabis aus Apotheken soll 1 Dollar betragen. Ich bezweifle, ob das möglich sein wird , denn der Produktionsprozess ist doch sehr aufwendig, vor allem nach der Ernte. 

In Colorado werden die angebotenen Cannabis-Produkte über lizenzierte Cannabis-Dispensaries verkauft, man kann selbst anbauen oder die Produkte von legalen Züchtern kaufen. Die Preise pro Gramm variieren, aber im Allgemeinen sind die Preise weit über $ 10, – pro Gramm , einige sogar über $ 20, – pro Gramm. Das ist viel höher als der Preis pro Gramm in Uruguay, und sogar höher als die Preise in niederländischen Coffeeshops ! Natürlich musste das Cannabis indoor angebaut werden, was viel teurer als der Anbau im Freien ist , wie es in Uruguay gemacht wird. Aber macht das wirklich den Preisunterschied 10 – 20 -mal teurer ?

In den Niederlanden ist der durchschnittliche Preis für Cannabis € 9, – , mal abgesehen von den Touristen-Preisen in Amsterdam. Die meisten niederländischen Coffeeshops verkaufen an Einheimische und stehen in einem Preis-und Qualitätswettbewerb mit anderen Coffeeshops. Das ist etwa das Gleiche wie die niedrigsten Preise in Colorado, vor Steuern. In den Niederlanden wird die Steuer in den Verkaufspreisen eingerechnet. In Colorado gibt es eine Steuer, die auf den Verkaufspreis aufgeschlagen wird.

Vor ein paar Jahren schrieb ich einen Artikel über das Preisniveau von Cannabis in niederländischen Coffeeshops, und erklärte, die Preise sind wegen der Rechtswidrigkeit der Herstellung von Cannabis in unserem Land so hoch, auch nach 40 Jahren Toleranz.

Nach meiner Meinung, sobald die Produktion von Cannabis legal wird in den Niederlanden, werden die Großhandelspreise nach unten gehen , und ebenso die Einzelhandelspreise .
In Colorado ist legales Cannabis sogar teurer als das halblegale Cannabis in den Coffeeshops in den Niederlanden. Die 640 niederländischen Coffeeshops haben einen Jahresumsatz von € 2.000.000.000 , -, und zahlen Steuern pro Jahr € 400 Millionen.

Vor Colorado gab es nur ein paar legale Cannabis-Produzenten der Welt , einer von ihnen ist in den Niederlanden: Bedrocan. Dieses Unternehmen produziert legal das Cannabis für die niederländischen Apotheken. Das Cannabis in den Apotheken kostet ca. € 9, – pro Gramm und muss in Mindestmengen, von bis zu 30 Gramm, gekauft werden.

Bedrocan produziert Indoor Cannabis für € 1, – pro Gramm , wobei alle Kosten enthalten sind, und bevor es noch mit Gammastrahlen bestrahlt wird. Das bedeutet, die Herstellung von Cannabis in einem legalen Rechtsrahmen würde für die Züchter auch € 1, – pro Gramm kosten. Es könnte dann für rund 3 € an die Coffeeshops verkauft werden, einschließlich € 1, – pro Gramm für die Züchter und € 1, – pro Gramm für das Finanzamt . Das würde bedeuten, dass der Verkaufspreis für Cannabis aus Coffeeshops € 6, – pro Gramm wäre und bis zu 7 oder 8 €  für anspruchsvolle Sativapflanzen . Das würde die Schwarzmarktpreise schlagen !

Meine Schlussfolgerung daraus ist, dass die Erzeuger und die Dispensaries in Colorado die Vorteile der Situation nutzen, um höhere Preise als eigentlich nötig für das Cannabis zu nehmen!

Nol van Schaik

Eli

Eli

Die Einführung des Wietpas hat mich dazu gebracht, mich für die niederländische Cannabispolitik zu interessieren. Ich komme aus dem mittleren Ruhrgebiet und bin wie so viele am Wochenende immer mal gern in die niederländischen Grenzstädte zu den Coffeeshops gefahren. Die negative Meinung gegenüber Cannabis ist ein Vorurteil, für dessen Abbau ich mich einsetzen möchte!
Eli
  • Revil O

    Cooler und richtig interessanter Artikel von Nol mal wieder!!
    Danke für dessen Übersetzung Eli. ;-)
    Ohne Nol sein Wissen und seine Kompetenz hier hinterfragen zu wollen aber meine ich die Tage noch gehört zu haben das auf jedes Gramm verkauftes Weed 70% Steuern drauf kommen.
    Dies kann -zumindest stellenweise- diese horrenden Preise erklären.

    • Das würde aber nicht den Unterschied zwischen dem Preis in den Dispensaries und in den dortigen Coffeeshops erklären. Die Amis sollen bloss nicht zu gierig werden – dann kaufen die Leute nämlich wieder beim illegalen Dealer. Auch der 9€ Preis (den ich so bestätigen kann) ist nicht mehr wirklich ein Anreiz im Coffeeshop zu kaufen. Ähnliches Material (ok selten nur die guten, aufwendigen Sativa-Sorten) gibt es für ca. den selben Preis auch auf der Straße. Für Leute denen der Preis am wichtigsten ist, war der Kauf z.B. bei Privatadressen (wobei da auch meist eine Mindestmenge z.B. 10g abgenommen werden muss) schon immer attraktiver als der Kauf im Coffeeshop. Ich fand halt die Auswahl, vermeintliche Sicherheit vor Streckstoffen oder zumindest Qualität und eben auch die scheinbare Legalität immer anziehend – auch dass ich da mal 2g von der einen Sorte und 1g einer anderen etc. kaufen konnte war gut. Und der Preisunterschied zum Schwarzmarkt geht klar. Wenn es im Coffeeshop allerdings doppelt soviel kosten würde, wäre es mit meiner Treue wohl auch zwangsläufig vorbei.

      • Revil O

        Okay somit war ich mit meinen Gedankengang letztlich auf den Holzweg.^^
        Somit finde ich es auch mehr wie schade das man hier höchstwahrscheinlich mehr das Dollarzeichen in den Augen hat anstatt doch erstmal zu schauen das alles in geordnete Bahnen läuft und die Kunden letzendlich doch nicht wieder zum Dealer getrieben werden.
        Gerade jetzt am Anfang schaut die Welt nach Colorado, Washinghton und auch nach Uruguay.

        • Den Amerikaner da Geldgier vorzuwerfen finde ich unfair. Wenn man sich die Akteure des Legalisierungskampfes anschaut, sind es alles Uberzeugubgstäter, die ihre Liebe zu qualitativ hochwertiger Rauchware ausleben wollen. Die haben die Versorgung gerade auf ein qualitativ hochwertiges Nieveau. Von vorne herein war es das Ziel, die Versorgung eben NICHT den konzernen zu uberlassen, sondern es selbst zu tun – hoch professionell. Trotzdem aber in eine Richtung, die gut ist.

        • Sebastian

          Vielleicht sind die Preise nur zum Übergang, zum einen als Schutz vor Overlast, und um den Dealern und Growern Zeit zu geben sich ins legale Biz einzuarbeiten. Es sind grad mal einige wenige Dispensarys die in Moment eine Lizenz haben und Verkaufen dürfen, es werden aber bald weitere Folgen, dann können auch Läden öffnen die vorher keinen Apo Weedverkauf gemacht haben. Dann kommen auch die BigPlayer in Spiel… .

          • Paypay

            Klar , wird dabei auch an MAKING MONEY gedacht!
            The American Way dann bringen p.diddy,pharell und noch ein Rocker mit zwei Techno Electros nen eigenen Strain und dann gibt et bestimmt Kurse um die 50$ herum.

            Wird dann bestimmt verschieden sein was den Preis angeht!
            Kommt drauf an wo man ist und bei wem man sein Geld lässt.bestimmt wird es sich inner ähnlichen Preisklasse ansiedeln wie auf den Streets of USA.

            Uruguay lässt da bestimmt nen anderen Weg auf sich zukommen.
            Da herrschen doch allgemein ganz andere Verhältnisse.

    • rene

      ganz erlich der mann besitzt mehrere shops der weiß wie hoch die steuer ist ;) sorry wollte nicht dein wissen oder deine kompetenz hinterfragen

  • Guest

    Die Anbaukosten kann man sich ausrechnen, dazu der Laden, Angestellte, Steuern… trotzdem sollte der Preis deutlich unter $10 liegen aber nach den Regeln des Kapitalismus sollte nach diesem kurzen Boom ein Preiskampf bei den Händlern beginnen, der zu moderaten Preisen führt.

  • Greg Hemp

    Die Anbaukosten kann man sich ausrechnen, dazu der Laden, Angestellte, Steuern… trotzdem sollte der Preis deutlich unter $10 liegen :) aber nach den Regeln des Kapitalismus sollte nach diesem kurzen Boom ein Preiskampf bei den Händlern beginnen, der zu moderaten Preisen führt.

  • YesYo

    Habe mal ne Offtopic Frage kennt ihr Shops in Nijmegen oder Arnhem wo man mit Kreditkarte bezahlen kann ? Kreditkarte nicht EC Karte.

    • NSA lässt grüßen ;-)

      • YesYo

        Mir egal mal gucken was aufn Auszug steht. ;)

    • Spitzen Idee

      Geiloe Idee, hat Konny Wecker in den Neunziger JAhren schon durchexerziert, er hat seinen Koksdealer mit Schecks bezahlt.

      • YesYo

        Hrhr ja ich weiß ich bin gut.
        Hat natürlich geklappt. Kronkel Nijmegen auch Kreditkarte.
        Also Ladies geht shoppen =)

  • Hanfbauer

    Natürlich wird es bei einer Legalisierung billiger sein, weil die Pflanzer nicht mehr gezwungen ist Indoor anzubauen, wo du sehr teure Lampen hast und was viele vergessen, es geht auch viel Strom für Klimatisierung drauf.

    Andererseits hast du bei Outdoor im großen Stil mehr Schwund durch Schimmel und Schädlinge. Die Ernte ist nicht soo ein großes Problem, zum Maniküren gibts sogar für den Privatgebrauch schon ganz gute Maschinen. Also insgesamt wird wohl etwas billiger sein, wie jetzt.

    @Greg Hemp
    Falls du anbauen solltest, wäre ich vorsichtig mit Bildern von dir (wenn das von dir ist) im Netz !

  • Jenz

    In Spanischen CSC kostet 1 Gramm 3Euro. Das halte ich für einen realistischen Wert. Da ist natürlich keine Marge drin. Schlägt man (im Handel durchaus üblich) 60-100% drauf sind wir, plus Steuer, bei den 8-9 Euro für „Normal-Weed“.

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