Richter verkürzt Strafschließung von Coffeeshop

Veenendaal – Seit vergangenem Sonntag ist der Coffeeshop „National“ in Veenendaal wieder geöffnet. Wäre es nach Bürgermeister Wouter Kolff (VVD) gegangen, bliebe der Coffeeshop in der der kleinen Stadt in der Provinz Utrecht noch zwei weitere Monate geschlossen. Der Bürgermeister hatte am 1. März dieses Jahres beide Coffeeshops der Stadt wegen Verstößen gegen die Duldungsrichtlinien geschlossen. Das „Al Hoceima“, weil ein Minderjähriger dort angetroffen wurde, nur für die Dauer von zwei Wochen. Das „National“ sollte dagegen, wegen eines viel zu großen Vorrats im Shop, für drei Monate geschlossen bleiben. Diese Schließung hob nun ein Gericht in Utrecht vorzeitig auf.

Die "Säule der Justiz" vor dem Gericht in Utrecht, passenderweise im Nebel. Foto: CC-Lizenz - uitdragerij

Die „Säule der Justiz“ vor dem Gericht in Utrecht, passenderweise im Nebel. Foto: CC-Lizenz – uitdragerij

Die Duldungsrichtlinien für Coffeeshops in den Niederlanden variieren von Gemeinde zu Gemeinde. In Veenendaal (Provinz Utrecht) sieht die städtische Regelung vor, Coffeeshops bei einem Verstoß für die Dauer von zwei Wochen zu schließen. Für den Wiederholungsfall sind keine weiteren Sanktionen festgelegt. Das wurde dem Coffeeshop National zum Verhängnis, nachdem der örtliche VVD-Bürgermeister nun auch die harte Linie seiner Partei fährt und die Coffeeshops der Stadt öfter und strenger kontrollieren lässt. Im Falle des „Al Hoceima“ hielt der Bürgermeister die lokalen Regeln für Sanktionen ein. Beim „National“ dagegen, das zwei Mal innerhalb kurzer Zeit wegen eines zu großen Handelsvorrats auffiel, orientierte er sich wohl an Städten wie Maastricht, in denen jeder Verstoß mit einer dreimonatigen Schließung geahndet wird.

Dagegen klagte das „National“ vor dem zuständigen Gericht in Utrecht. Und der Richter durchkreuzte die Pläne des Bürgermeisters. Beim Prozess in der vergangenen Woche erklärte er die bis dato beinahe vierwöchige Schließung für angemessen und erlaubte die Wiedereröffnung zum letzten Sonntag des vergangenen Monats. Die Kammer stellte klar heraus, dass die Schließung wegen der bewiesenen Verstöße rechtmäßig war – aber eben nicht für drei Monate. Ob die Gemeinde Veenendal Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt hat, geht aus dem Artikel im „de Gelderlander“ nicht hervor.

Kommentar: Am kommunalen Recht orientiert und trotzdem Glücksache

Der Richter hat sich an der kommunalen Duldungsverordnung der Stadt Veenendaal orientiert und ein, für beide Seiten, nachvollziehbares Urteil gesprochen. Damit steht das Urteil in einer Linie mit der, wesentlich spektakuläreren, Entscheidung im Falle des „Sky High“ in Zwolle. Diese Urteile zeigen die Unabhängigkeit der Judikative. Diese lässt sich, auch in den Niederlanden, nicht für politische Ziele missbrauchen.

Allerdings ist das für Coffeeshopbetreiber weder ein Grund zum Jubeln, noch ein Indiz für vermeintliche Rechtssicherheit. Diese gibt es für Coffeeshops in den Niederlanden nämlich keinesfalls. Wie der bemerkenswerte Urteilsspruch des Europäischen Gerichtshofes für die Menschenrechte im französischen Straßburg deutlich gemacht hat, könnte der Bürgermeister das Urteil aus Utrecht auch ebensogut ignorieren. Das er es nicht macht, ist reine Glücksache.

Duldungsverordnungen gaukeln eine Rechtssicherheit und eine Legalität vor, die es in Wirklichkeit nicht gibt. Auch Entscheidungen kommunaler Gerichte können darüber nicht hinwegtäuschen. Auf der ganzen Welt berichten Journalisten und glauben die Menschen Cannabis in den Niederlanden sei längst legal. Das es keinesfalls so ist und die Coffeeshops auch jederzeit wieder verschwinden können, hat das Urteil aus Straßburg überdeutlich gemacht. Die geringe Beteiligung und die wenigen Mitstreiter, die Peter Lunk, Organisator des 420 Smoke Out in Amsterdam, dass in diesem Jahr wegen dessen Erkrankung und der wenigen Unterstützung leider ausfällt zeigen deutlich, dass auch die Niederländer ihr Sondermodell in Europa nicht als das erkennen, was es wirklich ist: Ein äußerst fragiles, fehlerhaftes und anfälliges Konstrukt, das auf tönernen Füßen steht.

Die Gegner haben mehrere höchstrichterliche Urteile, sowohl vom EuGH im Fall Josemans, als auch vom EGMR im Falle des Shopbetreibers aus Den Haag in der Hand, die ihnen nahezu unbegrenzten und willkürlichen Handlungsspielraum geben, wenn sie es nur darauf ankommen lassen. Urteile von niederen Instanzen wie im oben berichteten Fall bedeuten daher im Grunde gar nichts. Es muss auf eine politische Lösung hingearbeitet werden, die verbindliche Regeln jenseits einer Duldung schafft. Eine Duldung ist juristisch rein gar nichts und kann jederzeit wieder beendet werden. Wenn die Konsumenten und die Hanfunternehmer in den Niederlanden das nicht erkennen und sich politsch wahrnehmbar artikulieren, könnte es ein böses Erwachen nach vier Jahrzehnten „Kifferparadies“ geben. Wer das heute nicht erkannt hat und weiterhin meint es brauche keinen politischen Kampf, den wiegen solche Urteile zusätzlich in einer trügerischen Sicherheit.

Antonio Peri

Als Grenzbewohner des Dreiländerecks Deutschland/Niederlande/Belgien und damit natürlicher Europäer, betrachte ich die gesamte Region als meine Heimat. Die Fortschritte im Zusammenleben habe ich immer als angenehm und befreiend erlebt. Als drogenerfahrener Mensch, habe ich jedoch schon seit vielen Jahren gesehen, wie sich die Niederlande, die einst ja so berühmt für ihre pragmatische Drogenpolitik waren, schleichend verändern. Die schleichende Entwicklung war vorbei, als der Wietpas in den drei südlichen Provinzen eingeführt wurde – nun endlich war eine größere Öffentlichkeit für das Thema empfänglich – daher freue ich mich, Autor auf Kein Wietpas! zu sein. Sämtliche anderen Themen zur Drogenpolitik und Legalisierung behandele ich in meinem eigenen Blog: http://antonioperi.wordpress.com
  • xy_ungeloest

    ‚Urteile von niederen Instanzen wie im oben berichteten Fall bedeuten daher im Grunde gar nichts.‘

    das stimmt leider wohl. aber so etwas macht wieder mal deutlich: politiker und richter scheinen in unterschiedlichen welten zu leben. richter haben wohl (noch ) einen besseren bezug zur realität und dem leben der menschen, wohingegen politiker wohl eher in ihrer eigenen blase zu leben scheinen… als beispiel könnte ich jetzt (mal wieder) die von politikern geplante 15%-regelung nennen… oder die 80%-export-story, ihr wisst schon… ;-)

    • Richter sollen unparteiisch sein. Politker dagegen verfolgen eigene Ziele. Das dürfte wohl der Hauptunterschied sein. Daher war Ronald Schill in Hamburg ja auch ein so schlechter Richter (da parteiisch) und ist dann ja auch in die Politik gewechselt, was konsequent war aber eben auch mit bekanntem Ergebnis geendet hat. Der hat nie verstanden, was einen guten Richter ausmacht. Ebensowenig Richter in Diktaturen (schlimmstes Beispiel Roland Freisler). Das Urteil zeigt einfach, dass die Judikative und die Legislative in den Niederlanden gut getrennt, und die Niederlande ein Rechtsstaat sind. Das eine Duldung eben nicht belastbar ist, steht auf einem anderen Blatt. Daran kann kein Jurist etwas ändern. Auch die Richter in Straßburg waren, imo, nicht parteiisch. Sie haben sich auch nur an ihre Vorgaben (eben die Gesetze) gehalten. Und ein kommunaler Richter beachtet da eben andere Verordnungen und Gesetze als die hohen Instanzen. Auf die kommt es letztlich aber an – und deren Vorgaben kann nur die Politik ändern. Ein Richter hat immer nur Handlungsspielraum im Rahmen der Gesetze, ändern kann er sie nicht. Das kann nur die Politik.

      • xy_ungeloest

        klar, sind zwei unterschiedliche disziplinen. darf man nicht miteinander vergleichen. dennoch sage ich: politik generell hat sich vom menschen immer weiter entfernt.

        • Das stimmt so nicht ganz: sie hat sich von einem grossteil der Menschen entfernt. Aber es gibt schon einige Menschen, die vollkommen zufrieden sind mit der politik. Die kommen aber in der regel aus etwas anderen sozialen schichten als wir…

          • Ganz genau – und das hat etwas mit Einflussnahme zu tun. Da wir nicht mit Geld und Macht ausgestattet sind, ist unsere Lobby auch klein bis nicht vorhanden und daher finden wir kein Gehör. Daher ist Aktivismus auch so wichtig. Und wenn man schon kein Aktivist sein will oder kann, sollte man die einzige Möglichkeit der Einflussnahme – die Wahlen, nicht auch noch ablehnen, wie es viele aus Frust tun.

          • xy_ungeloest

            ‚(…) die Wahlen (…) ablehnen, wie es viele aus Frust tun.‘

            oder aus dummheit. oder wegen beidem.

          • xy_ungeloest

            ich denke, dass es einigen leuten in diesem, unserem land noch nicht beschissen genug geht, um zur wahl zu gehen. die kriegen ihren arsch erst hoch, wenn ihnen das wasser bereits bis zum hals steht. ein traum für populistische oder radikale bauernfänger. als analogie zum tierreich fallen mir schafe ein…

            vermutlich ist das ist auch einer der gründe für die doch eher überschaubare legalisierungsbewegung in den niederlanden; weitere gründe wurden ja an anderer stelle bereits genannt.

            die legalisierung ist imo quasi so etwas wie ein ‚luxusproblem‘. sicherlich wäre es toll, als kiffer / drogenbenutzer eines tages nicht mehr gesellschaftlich geächtet zu werden und der willkür der justiz ausgeliefert zu sein, aber ihr wisst ja: legal, illegal, scheißegal. also alles beim alten, im westen nichts neues. ;-)

          • Revil O

            Ob es immer an den Tranarsch liegt den diese Leute nicht hochbekommen lass ich mal dahingestellt. Ich hatte wieder einige Diskussionen und erschreckende Beispiele noch gerade auf der Arbeit. Es ging um unseren Tarifabschluss. Man mag jetzt über Gewerkschaften denken wie man will aber sich doch mal als Arbeitnehmer vor Augen zu führen das es ohne Gewerkschaften keinen einzigen Cent mehr geben würde bekommen ( eigentlich) erwachsene Menschen nicht auf die Reihe. Man schmeißt jetzt seine Mitgliedschaft hin weil am Ende nicht das raus kam was anfangs gefordert wurde. Es sollte doch halbwegs klar sein das ich eine Forderung ( egal bei was) niemals 100% durchgesetzt bekomme. Da kommt dann das B…-Zeitungsniveau bei meinen Mitmenschen durch. Was ich damit eigentlich sagen will , es ist oft nicht immer Bequemlichkeit sondern oft auch heftigste Begriffsstutzigkeit. Selbst wenn es Menschen schlecht geht ist Schlechtreden oft einfacher als wie sein eigenes Verhalten vielleicht mal selbst zu hinterfragen.

          • xy_ungeloest

            ‚Selbst wenn es Menschen schlecht geht ist Schlechtreden oft einfacher
            als wie sein eigenes Verhalten vielleicht mal selbst zu hinterfragen.‘

            du hast recht. ist ja auch leichter, bequemer und angenehmer, die schuld bei anderen zu suchen als bei sich selber. dann würde man sich ja seine schwäche eingestehen (und wer tut so etwas schon gerne?). dann erst mal lieber auf die anderen zeigen…

          • Das kenne ich ich auch und könnte daran verzweifeln. Klar – diese Entwicklung ist gewünscht und wird (unter anderem von den Medien aber auch vom Gesetzgeber) forciert. Leider wirkt es. Die Betriebe ohne Betriebsrat (von Gewerksschaftsmitgliedern in der Belegschaft ganz zu schweigen) werden immer mehr. Den Leuten wird, in typisch neoliberaler Manier, eingeimpft am besten sei allen genützt, wenn sich jeder nur noch egoistisch um sich selbst kümmert – und viele glauben das. Das eine solche Vorgehensweise nur für wenige, hochqualifizierte und begehrte Führungskräfte funktioniert und die Mehrheit der Arbeitnehmer dadurch ihre Rechte und vor allem auch Gehalt einbüßen, sehen so viele nicht. Dabei ist es so einfach. Man muss sich einfach mal die Geschichte ansehen und dann hat man gleichsam die Zukunft vor Augen. Entrechtete Arbeitnehmer und allmächtige Arbeitgeber. Das Damoklesschwert „Harzt IV“ trägt da auch sein Schärflein bei. Ein Arbeitnehmer, der z.B. selbst kündigt, bekommt ja erstmal 3 Monare lang gar keine Leistungen. Die Arbeitnehmer in diesem Land sind also schon geschwächt – in ganz vielen Punkten.

            Die Parallele zu den Wahlen (die hirnrissige Reaktion): Wenn nicht das herauskommt, was ich mir gewünscht habe, mache ich in Zukunft gar nichts mehr: Also im Falle der Tarifverhandlungen aus der Gewerkschaft austreten und im Falle der Wahlen eben nicht teilnehmen, überlässt genau denen das Feld, die die Zukunft dann noch schlimmer machen. Die Leute sind sich ihrer Macht nicht mehr bewusst. Dann kommen die Sprüche wie: „Man kann ja doch nichts verändern“, und natürlich neuerdings eine Menge Verschwörungstheorien. Viele Menschen fühlen, dass sie verarscht werden, aber sie verstehen nicht genau wie und vor allem ziehen sie daraus die falschen Schlüsse.

            @xy_ungeloest:disqus Ich denke nicht, dass die Legalisierung ein Luxusproblem ist. Der Fehler, der von Gegnern wie Befürwortern oft gemacht wird, ist zu denken es ginge darum legal an seine Drogen zu kommen bzw. die Gegner werfen den Menschen die für eine Legalisierung kämpfen oft vor: „Ihr wollt Euch doch nur legal zudröhnen“. Das ist mitnichten der Kern, worum es wirklich geht. Es sind so ziemlich alle Drogen in Deutschland recht schnell und unproblematisch verfügbar und in den meisten Fällen bekommen es die Konsumenten ja auch nicht mit den Strafverfolgungsbehörden zu tun. Die Konsumentenzahlen bleiben auch in etwa gleich – ob nun etwas legal oder illegal ist. Am Anfang, gleich nach einer Legalisierung, steigen sie ein wenig an – fallen dann aber recht schnell wieder. Meist sogar unter das Ausgangsniveau. Genau kann man das natürlich nicht sagen, da es ja (solange illegal) nur Schätzungen gibt. Wenn man sich aber Dokumentationen wie „Breaking the Taboo“ ansieht, versteht man schnell das wahre Ausmaß des Problems – und dann versteht man die Legalisierung auch nicht mehr als Luxusproblem oder Spaßpolitik. Diese Diskussion habe ich gestern noch mit einem Legalisierungsgegner geführt, der seit 30 Jahren Politik für die Grünen macht. Ich konnte ihn ein Stück weit von seiner Haltung (die eben auch war: Legalisierung ist nur Spaßpolitik, es gibt Wichtigeres, Legalisierungsbemühungen bündeln Kräfte von Aktivisten, die sich doch lieber für wichtigere politische Ziele einsetzen sollen bzw. sonst würden) abbringen und zum Nachdenken anregen. Wer die beste Doku des Jahres 2013 noch nicht gesehen hat: Hier mit deutschen Untertiteln:

          • eli

            Klar, es gibt viele frustrierte Nichtwähler, aber es gibt auch viele, die aus Überzeugung konservativ wählen. Wer weiß denn, wenn plötzlich alle Nichtwähler wählen gehen, wird das etwas ändern? Wird die Politik dann linker?

            Ich glaube, das würde nichts ändern. Teile der Nichtwähler würden links, Teile rechts wählen. Alles würde gleich bleiben.

            Ich glaube auch, dass es in NL ein Luxusproblem ist. Man muss bedenken, in NL läufts eigentlich relativ gut. Jobs und Löhne sind prächtig, so weit ich weiß. Um sich aber zu einem heiklen Protest zu entschließen (man setzt ja auch einiges aufs Spiel), ist die gereizte Stimmung in den NL einfach nicht da.

          • Ich glaube tatsächlich, dass die Politik dann linker bzw. sozialer wird. Denn die meisten Nichtwähler gehören eben nicht zu denen für die momentan Politik gemacht wird. Die aktuelle Politik wird in großen Teilen der Welt für’s Shareholder Value gemacht. Für Besitzende. Der Werbespot für die Postaktie hat es auf den Punkt gebracht: „Wer arbeitet hat keine Zeit Geld zu verdienen“. Das ist im Wortsinne asozial und gegen die Mehrheit gerichtet. So ist die Politik von Merkel und auch die SPD hat da zugestimmt. Eine Linke mit 20%+ würde das ändern. Nicht wählen heißt CDU wählen.

            P.S. Für Arbeitnehmer läuft es in allen vergleichbaren Ländern der EU besser als hier. Deutschland hat den größten Niedriglohnsektor in der EU. Das hängt damit zusammen, dass wir eine Exportbasierte Wirtschaft haben und der Binnenmarkt hier nicht so wichtig ist. Die Lohnentwicklung wurde hierzulande vom Wirtschaftswachstum abgekoppelt. Daher stimmt der Spruch: „Sozial ist was Arbeit schafft“ auch nicht mehr.

          • pseicoman

            Ja, etwas wirklich Neues wäre eine Prozession der gut situierten Bürger, die unscheinbar abends beim Spaziergang mit dem Hund einen rauchen. Jeder erwartet doch beim „Kiffer“ eine gewisse Lässigkeit und unkonventionelle Symbolik. Die anderen gibt es, doch wir wissen nichts davon. „DER“ bei uns im Dorf bekannte und leidlich tolerierte Kiffer hat die Haare seit 35 Jahren in der Länge, die man erwartet und fährt auch das dazu gehörige Auto. Er auf einer Demo, wäre nur mehr desselben und alle sagen, klar, typisch. Doch wenn 1000 Staatsangestelte sich zu Wort melden, dann hätte das Klischee ein Problem.. doch man hätte auch einen der oft händeringend gesuchten Gründe, diese zu entlassen.

          • eli

            Staatsangestellte sind aber Diener des Systems und dürfen nicht gegen das Gesetz verstoßen ;-)

            Aber ich weiß was du meinst. Das würde aber gar nichts ändern. Das System (die Gesetze) sind per seh nicht gerecht und wollen das auch überhaupt nicht sein. Im Gegenteil!

            Die von dir gebrachte Argumentation intendiert, dass wenn der Gesetzgeber merkt, dass so viele kiffen (oder kiffen wollen), dann würde man einlenken und das Gesetz natürlich anpassen.

            Die Wahrheit ist, man versucht als Gesetzgeber gegen Sturm und die Brandung GEGEN dieses Gesetz so lange wie möglich aufzuhalten.

          • pseicoman

            Eigentlich ging es mir eher um die Meinung der große Masse, die gar keinen Bezug zu Cannabis hat. Deren Bild wird gespeist aus der noch immer ziemlich einseitigen medialen Darstellung DES Kiffers. Wenn diese sehen könnten, dass ganz normale Kollegen völlig unspektakulär mal einen rauchen und alles ganz normal, dann wäre das politisches Kapital, sprich Wähler, die nicht gegen Legalisierung sind. Doch wenn man überwiegend nur fette Joints, Mega-Qualm und junkieartige Gestalten, die in Trance in die Kameras schauen, zu sehen, bekommt, haben die Prohibitionisten mit dieser meinungslosen Masse leichtes Spiel. Dagegen wäre die schon überrascht, wenn Staatsangestellte völlig selbstverständlich und unscheinbar auch mal kiffen. Aber arbeitsrechtlich wäre es schon heikel. Würde eine Kochshow mit Sebastians Sativa-Salat-Rezepten super finden..;-)

          • Sehe ich ebenso. Unter anderem deshalb habe ich beim letzten Smoke Out in Amsterdam auch die 42g-Mega-Tüte, die ich mit auf die Bühne nehmen sollte, abgelehnt. Ich bin nicht bereit, deren Klischees zu bedienen. Wenn ich deshalb manchmal etwas spießig im „Juso-Style“ rüberkomme, ist das wohl durchdacht.

          • pseicoman

            Das ist mir bei Dir tatsächlich auch schon aufgefallen. Und genau das meine ich, dass die Riesentüte als Symbol für Cannabis steht. Warum nicht für das Recht auf gesunden Sativa-Salat oder Sativariegel kämpfen?

            Noch immer dieser cheech & chong Humor in der medialen Darstellung, das ist einfach Gift und übrigens diskrimierend. Davon muss man sich abgrenzen. Nix Ballermann, weder beim Alk, noch bei Cannabis, noch bei sonst etwas.

          • Ganz genau. Und davon grenze ich mich auch sehr bewusst ab. Für mich ist das (wie woanders schon kommentiert) eben keinesfalls Spaß-Politik. Es geht um ein ernstes Anliegen und so verkaufe ich das auch äußerlich.

            Die WDR-Tante in Maastricht, die mich da interviewt hat, hat auch ganz klar durchscheinen lassen, was deren Anliegen bzw. Auftrag war. Sie sollte Deutsche zeigen, die nach einem Jahr „Austrocknung“ gierig nach den (kurzzeitig) wieder geöffneten Coffeeshops lechzen. Ihre Frage: „Kaufen sie sich selber da jetzt auch was, oder sind sie nur hier um zu informieren…“ habe ich ganz bewusst so beantwortet, wie ich es getan habe. Ich bin doch nicht blöd und lasse mich für deren gewünschte Aussagen benutzen. Ich versuche die Kamera für die Aussage zu nutzen, die ich rüberbringen will. Ich habe die Frage natürlich nicht wirklich beantwortet und zugleich meine eigene Message untergebracht. Dass das dann dem Schnitt zum Opfer fiel und dann auch der Name (extra) falsch geschrieben wurde als es auf „Aktuelle Stunde“ und „Lokalzeit Aachen“ gesendet wurde – darauf hat man natürlich keinen Einfluss. Wie es auf „EinsLive“ war, weiß ich nicht – habe es nicht gehört und kannte auch nicht den Sendetermin. Mein Name wurde jedenfalls (extra) falsch geschrieben und keinwietpas.de auch nicht gesendet, sondern als „Initiative gegen den Haschisch-Pass“ verunglimpft. Jedenfalls habe ich Ihnen nicht das Futter geboten, dass sie da einsammeln wollten. Wenn das dann etwas unnatürlich rüberkommmt, liegt es daran, dass ich wie ein Fuchs auf der Lauer liege und weiß wie das Medien- und Politikspiel funktioniert. Das würde ich mir von mehr Aktivisten wünschen. Aber viele „seriöse Vertreter“, haben eben zu viele Sorgen um ihre Existenz um sich so sichtbar zu machen. Ich spiele da ein (ziemlich böses und ernstes) Spiel. Die persönlichen Motive etc. lasse ich hier mal unerwähnt. Spaß ist es jedenfalls nicht. Und ein unbelecktes „Legalisierungs-Kiddie“ bin ich auch nicht.

            Den Teil des Interviews, auf den ich anspiele, sieht man hier ab Minute 6:05. Mein Fehler war natürlich, dass ich da „Coffeeshop-Beleid“ anstatt „Verordnung“ gesagt habe, aber ich musste da innerhalb von Minuten von Niederländisch auf Deutsch umstellen: https://www.youtube.com/watch?v=fvtJnJv8_I0&list=TLlP3kW-RyqsL-7Sckuw3gobz6WoprsPO6

          • pseicoman

            Also sichtbar und präsent bist Du. Das muss man sich trauen, all Respekt!

          • Das ist weniger „schlimm“ als man denkt. Die Lokalzeit wurde in meiner Heimatstadt gesendet und ich hatte deswegen im „öffentlichen Leben“ hier nie Probleme. Es sind auch vielfach unbegründete Sorgen – sozusagen ein „vorauseilender Gehorsam“, die Menschen von einem Engagement abhalten. Ich war hier auch schon mit ganz anderen Themen in den Medien – und darauf wurde z.B. meine Mutter am Arbeitsplatz mal angesprochen. Kann ja sein, dass nun alle betreten schweigen, wo das Thema nicht mehr „vorzeigbar“ ist. Je mehr Leute sich übrigens öffentlich exponieren würden, desto weniger angstbesetzt wäre das Thema. Das würde der Bewegung gut tun. Vor allem wenn es Leute täten, die selbst nicht konsumieren und nicht nur „Nicht-Klischeemäßig“ aussehen. Ich bin Konsument – ganz klar. Zum Beispiel wenn sich die Lokalpolitik dem Thema mal vernünftig annehmen würde. Aber gerade da hat man ja – wie auch viele „verhinderte“ Aktivisten, Angst ums Ansehen.

          • greentea

            Das ist genau richtig so wie du es machst Antonio! Man muss die Medien für sich nutzen anstatt sich ausnutzen zu lassen-dafür muss man wissen wie das Medien – &Politikspiel läuft.Auch Clichees zu bedienen wie mit der 42g Tüte finde ich auch absolut kontraproduktiv…genau so wie dieses dämliche Bong Wettrrauchen was es mal gab empfinde ich als kontraproduktiv für eine realistische
            Kifferdarstellung nach Außen.Vielleicht schreibst du/jemand anders mal einen Artikel /Bericht darüber oder so eine Art Hand Out bzw. Leitfaden wie man mit den Medien richtig umgeht…“Das kleine Einmal Eins wie man als Hanfaktivist mit den Medien richtig umgeht“

          • Ich weiß nicht, ob dafür eine Anleitung ausreicht. Ich denke das hat auch viel mit Talent zu tun und jeder hat seinen eigenen Stil. Ob es so sinnvoll ist roboterartige Aktivisten zu „klonen“, stelle ich doch sehr in Frage. Steffen Geyer hat z.B. einen ganz anderen Stil als ich, aber ist ebenso wirksam oder besser. Authentizität gehört auch zur Glaubwürdigkeit. Ich habe die Essentials des Handwerks u.a. bei der SPD-nahen Friedrich Ebert-Stiftung gelernt. Für finanzschwache Menschen ist das eine gute Möglichkeit Rhetorik und alles was dazugehört sehr günstig und doch auf hohem Niveau zu erlernen. Die Consulting-Firma, die mir die rhetorischen Essentials beigebracht hat, coacht auch z.b. den Vorstand von Daimler-Chrysler. Das waren mehrere Wochenend-Seminare die natürlich von der SPD subventioniert waren. Wenn man dort z.B. Bürgermeister-Kandidat ist, gibt es ähnliches noch auf ganz anderem Niveau. Die haben sogar ein Fernsehstudio nur zu Ausbildungszwecken. Da werden Talkshows geübt. Aber auch die Seminare, die ich belegt hatte beinhalteten eine Video-Analyse wie man z.B. mit Körpersprache seine Worte unterstreicht oder sabotiert.

            Aber auch, wie man mit Totschlag-Argumenten umgeht – etwas, was meine Schwäche ist, vermutlich weil ich keine Geschwister habe. Einfache Dinge wie den rhetorischen Fünfsatz lernt man dort. Aber all das ist „Learning by doing“ – da kann man nicht einfach eine Anleitung lesen. Zudem ist es nötig, die Grundregeln auch mal zu verlassen und mit Leben zu füllen.

            Spitzensportler sind heutzutage auch vergleichbar gecoacht, aber die Interviews mit vielen Fußballern zeigen wie es aussieht, wenn Menschen deren Talent eben woanders als auf sprachlicher Ebene liegt versuchen das Gelernte umzusetzen. Bei Unternehmensvorständen ist es oft ähnlich, die machen zwar keine groben Fehler, aber es wirkt hölzern. Ich denke das wirklich Wichtige kann man nicht lernen – das bringt man mit. Nur ein Feinschliff und die Vermeidung von groben Fehlern kann einem beigebracht werden.

  • Anonym

    Das Cannabis nach 40 Jahren in NL immer noch „nur“ geduldet ist und sich in dieser Zeit nichts wesentliches in Punkto Legalisierung getan hat, ist doch irgendwie Banane…

    • Anonym

      „Duldung“ scheint scheinbar auszureichen…;
      Ich möchte die Overlast sehen und erleben, wenn Cannabis in NL nicht mehr geduldet werden sollte…°°
      ;-D

      In diesem Sinne… tot ziens…

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