Freispruch für Cannabispatient

Hillebrand vor seiner Plantage via Facebook

Hillebrand vor seiner Plantage via Facebook

1992 hat sich der Krankenpfleger Rudolf Hillebrand aus Amsterdam bei der Arbeit an einer Kanüle gestochen und wurde so mit dem HI-Virus infiziert. Um die schweren Nebenwirkungen seiner Medikamente zu bekämpfen konsumiert er seit Jahren Cannabis. Ursprünglich versorgte er sich bei Maripharm, später probierte er dann die Produkte von Bedrocan aus. Leider zeigten diese nicht die erwünschte Wirkung.

Cannabis aus den Coffeeshops, welches nicht von der Krankenkasse übernommen wird, war für ihn angesichts seines hohen Bedarfs aber viel zu teuer, weshalb er mit dem Selbstanbau begann.

Es kam, wie es kommen musste und so gab es 2014 eine Hausdurchsuchung der Polizei, bei der 24 Pflanzen gefunden wurden, von denen 19 beschlagnahmt wurden. Die restlichen 5 wurden ihm aufgrund der Toleranzregelung belassen.

Gestern wurde der Fall vor der Rechtbank Amsterdam verhandelt. Dabei wurde Hillebrand freigesprochen. Der Richter erkannte sein Handeln als alternativlose Notsituation und gestattete ihm mit dem Urteil den Anbau für den (hohen) Eigenbedarf, auch überhalb der tolerierten 5 Pflanzen.

Dieses Urteil gilt als bahnbrechend für alle niederländischen Selbstversorger aus medizinischen Gründen. In einem ersten Statement macht Hillebrand auch anderen Patienten Hoffnung:

Ich hoffe, dass auch andere Patienten durch dieses Urteil ihre eigenen Pflanzen anbauen dürfen.

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de
  • robias

    Sehr gut!

  • grow

    Endlich mal ein Richter der die Notsituation eines Cannabispatienten erkennt und richtig handelt. Ich hoffe das es noch viele solcher Urteile gibt und eventuell auch endlich in Deutschland begriffen wird, dass Cannabis für viele Menschen Medizin ist, die besser und ohne Nebenwirkungen hilft als die chemischen Medikamente. Aber das wird wohl Wunsch denken sein… Greez and grow it !

  • Georg Wurth

    Ist das ein lokales oder eine Art oberstes Gericht? Ist das Urteil endgültig oder legt die Staatsanwaltschaft Berufung ein? Eine entscheidende Frage für die Bedeutung dieser Nachricht, wisst ihr da mehr?

    • streuner

      Hallo Georg
      dieses Urteil ist eigentlich nur für den Kläger in dieser Sache von Bedeutung. Da stecken so viele Einschränkungen drin, das es schwer werden dürfte, das auf andere Fälle zu beziehen/anzuwenden. Die Rechtbank Amsterdam ist ein „Bezirksgericht“, welches Urteile in erster Instanz fällt. Ob eine Berufung eingelegt wird, kann ich dir im Moment nicht sagen, habe aber nachgefragt.
      greetz
      Streuner

      • Georg Wurth

        Danke für die Info!

    • Georg Wurth

      Inzwischen hat jemand beim DHV folgendes kommentiert:

      „Habe etwas dazu gefunden und ist wohl ganz seriös.
      Vink Veldman & Swier advocaten (auf niederländisch)
      http://www.vvsadvocaten.nl/softdrugsbeleid/2016/25581/

      Ganz am Ende steht folgendes …
      Zitat:

      De officier van justitie heeft in zijn wijsheid besloten niet in hoger beroep te gaan. Dat is heel fijn voor de verdachte. Ernstig zieke patiënten horen niet in de rechtszaal.

      Frei übersetzt:

      Der Staatsanwalt hat in seiner Weisheit beschlossen nicht in Berufung zu gehen. Das ist sehr gut für den Verdächtigen (Angeklagten). Ernsthaft Kranke Patienten gehören nicht in den Gerichtssaal.“

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