Freie Fahrt in Zeeland – das I-Kriterium vor dem Ende?

Habe ich letzte Woche noch erzählt, dass Nordbarabant für Stillstand in der Debatte um die Diskriminierung von ausländischen Gästen in Coffeeshops steht, habe ich fast vergessen, dass es noch eine Spur schlimmer geht: In Zeeland hat sich seit der Einführung des Wietpas nahezu gar nichts getan. Der einzige Wandel war der Wechsel vom Wietpas (B-Kriterium) zum heutigen I-Kriterium. Somit dürfte seit Mai 2012 kein Tourist dieser vom Tourismus geprägten Region mehr einen Coffeeshop in einer der drei Coffeeshopgemeinden der Provinz von innen gesehen haben.

Das ausländische Urlauber in den Niederlanden auch gerne mal Cannabis rauchen wollen ist kein Geheimnis. Leider kennt scheinbar nicht jeder Tourist „Kein Wietpas!“ und somit sind auch heute noch immer wieder Touristen irritiert, dass sie nicht in einen der Coffeeshops in Goes, Terneuzen oder Vlissingen hereingelassen werden. Und natürlich wird dann die Versorgung des enttäuschten Urlaubern von einem der stets anwesenden Straßendealern übernommen.

Dass dies für die Anwohner und auch Touristen oft eine größere „Overlast“ darstellt, als der normale Geschäftsbetrieb eines Coffeeshops, ist eigentlich sonnenklar. Trotzdem versucht die Politik eher mit harten Bandagen dagegen zu kämpfen, als mit naheliegenden Schritten die Ursache zu eliminieren. Eine Taktik, die aktuell ja in ganz Europa En Vogue zu sein scheint…

So wurde in Zeeland die Polizeisondereinheit Drugsbestrijding op Walcheren (DOW) geschaffen, die sich auch um Anzeigen der Overlast kümmern soll. Diese wurden mit der Zeit immer mehr und es wird darüber diskutiert ob es daran liegt, dass es tatsächlich zu mehr „Overlast“ gekommen ist, oder ob die Existenz der Einheit an sich die Bevölkerung dazu ermutigt, etwas so lapidares wie Ruhestörung zu melden.

Bringt er frischen Wind nach Zeeland? Bürgermeister Bas van den Tillaar

Bringt er frischen Wind nach Zeeland? Bürgermeister Bas van den Tillaar

Aber egal, woran es jetzt nun liegt, das Thema ist und bleibt weiterhin an der Tagesordnung und bewegt die Leute. Viele geben völlig zurecht dem I-Kriterium Schuld an den meisten Problemen. Aus diesem Grund gab es jetzt eine Anfrage von SP und LPV (Lokale Partie Vlissingen) an den neuen Bürgermeister von Vlissingen (Bas van den Tillaar, CDA), die sich mit dem Thema beschäftigt.

Erstaunlicherweise zeigt sich dieser durchaus bereit dazu, die aktuelle Politik zu ändern. Die Coffeeshopgemeinden Goes, Terneuzen und Vlissingen (das sogenannte „Drogendreieck“) stünden in regelmäßiger Beratung über die lokale Drogenpolitik. Dies wolle er ebenso fortsetzen. Bereits zum nächsten Treffen (Termin unbekannt) wolle er die Abschaffung des I-Kriteriums zur Debatte stellen. Allerdings ist er der Meinung, dass das nur sinnvoll wäre, wenn dies in allen drei Gemeinden des „Drogendreiecks“ gleichzeitig passiere, womit er meiner Meinung nach nicht ganz unrecht hat.

Es könnte also wirklich in sehr naher Zukunft passieren, dass Zeeland komplett vom Gespenst des I-Kriteriums befreit sein könnte!

 

Titelbild von Wilco Jacobusse, CC BY-SA 3.0 NL

 

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de

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  • rusik

    Kann jem helfen in Vlissingen was zu holen?

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