Neue Coffeeshops auf, alte Coffeeshops zu

Während die Niederlande immer noch keine Regierungsbildung hinbekommen haben, gibt es auf lokaler Ebene einige Entscheidungen zum Thema Coffeeshops. Neue wurden eröffnet oder sind in Planung, alte wurden geschlossen oder versuchen eine Schließung zu verhindern. Wir haben Euch mal die wichtigsten Fälle aufgelistet!

via Het Parool

Der Amsterdamer Bezirk Zuidoost hat seit Dienstag nach etlichen Jahren endlich wieder einen Coffeeshop. In der Hoekenrode 14 B, nahe der Haltestelle „Bijlmer ArenA“ hat jetzt der Coffeeshop „Roots“ geöffnet. Um den vermehrten Strassenhandel in der Gegend zu bekämpfen, hat Bürgermeister Eberhard van der Laan (PvdA) eine Lizenz an den Betreiber, der auch den Coffeeshop „‚t Keteltje“ betreibt, vergeben. Der Shop ist sehr modern eingerichtet und erfüllt alle Bedingungen, die ein Shop erfüllen muss: Ruhige Gegend  in einer Seitenstraße, weit genug von einer Schule entfernt, positives Ergebnis bei der Bibob-Prüfung, Wachpersonal vor dem Laden während der Öffnungszeiten, Kameraüberwachung, Personal, das Falschparker ermahnt, abgetrennter Raucherbereich und rauchfreier Verkaufsraum. Die Zusammenarbeit im Vorfeld mit der Gemeinde wurde von beiden Seiten gelobt. Die Lizenz wurde erstmal für zwei Jahre ausgestellt mit Option auf Verlängerung. Wir wünschen gute Geschäfte! Im Video könnt Ihr den Shop sehen und auch schon einen Blick aufs Menü werfen.

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Weniger Gutes gibt es aus dem Dorf Krommenie, das zur Gemeinde Zaanstad (Nord-Holland) gehört. Hier wurden intensive Studien darüber betrieben, was ein Coffeeshop in der Gemeinde bringen würde. Es gab Debatten im Ort, bei denen Befürworter und Gegner zu Wort kamen. Das alles hat nichts geholfen, der Stellvertretende Bürgermeister Ruud Vreeman (PvdA) hat sich gegen einen Shop entschieden und verweist auf die bestehenden drei Shops in der Gemeinde Zaanstad. Schade.

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In Amersfoort (Utrecht) hat Bürgermeister Lucas Bolsius (CDA) kürzlich zwar eine Lizenz für einen neuen Coffeeshop trotz Widerstände unter den Anwohnern vergeben, jetzt haben aber seine Kollegenschweine Parteigenossen einen Vermessungsdienst damit beauftragt, die Entfernung zu den nahegelegen Schulen erneut zu vermessen und dieser kam zu dem Ergebnis, dass die Strecke unter dem Mindestabstand von 250m liegt. Dies hat zu erneuten Diskussionen geführt, ob der Shop zugelassen werden sollte. Nach der Sommerpause im Rat soll entschieden werden.

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In Utrecht hingegen sind sich alle einig: Gemeinde, Bürgermeister Jan van Zanen (VVD) und ein möglicher Betreiber wollen einen Drive-In-Coffeeshop am Stadtrand, um die überfüllten Shops in der Innenstadt zu entlasten. Man hat sich darauf geeinigt, dass die Gemeinde selbst die zukünftige Immobilie kaufen werde und an den Lizenznehmer vermieten soll. Noch steht kein Standort fest, der geschäftliche Rahmen wurde aber jetzt geschaffen und man ist einen großen Schritt weiter. Hand in Hand geht es eben doch besser.

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In Deventer (Overijssel) hingegen hat Bürgermeister Andries Heidema (CristenUnie) die Lizenz vom Coffeeshop „De Kikker“ eingezogen. Der Grund sind mutmaßliche Steuerhinterziehungen, die bei den regelmäßigen Bibob-Untersuchungen festgestellt wurden. Am 04. August soll Schluss mit dem Verkauf von geduldetem Cannabis sein, allerdings hat Betreiber Hans Drogt Berufung eingelegt. Solange das Verfahren läuft darf er noch verkaufen.

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Der geschlossene Coffeeshop „Betty Boop“ in Amsterdam hat einen neuen möglichen Standort gefunden: eine Immobilie im Basisweg im Westelijk Havengebied (Westhafen). Jetzt prüft die Gemeinde den Standort und den Lizenzantrag. Da kann man nur viel Glück wünschen!

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Die Lizenz des „Liberty“, dem einzigen Coffeeshops in Harderwijk (Gelderland) war schon lange nicht mehr in Stein gemeißelt. Schon häufiger drohten Schließungen, die oft in letzter Minute abgewehrt werden konnten. Nun scheint das endgültige Aus besiegelt zu sein: Nachdem Bürgermeister Harm Jan van Schaik (CDA), der weder verwandt noch verschwägert mit Nol ist, seine neue zukünftige Coffeeshoppolitik vorgestellt hat, hat er die Lizenz anlasslos eingezogen. Ab dem 04. August ist die Gemeinde Coffeeshoplos. Ziel des Bürgermisters ist es, einen Non-Profit-Coffeeshop zu genehmigen, wie es ihn schon in einigen anderen Gemeinden gibt. Dies würde mindestens drei Monate dauern. Solange dürfen sich die Bürger also auf der Strasse versorgen.

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de