Ahmed Aboutalebs verlogene Coffeeshoppolitik

Ahmed Aboutaleb (PvdA) wurde 2008 in Rotterdam (Südholland) zum ersten muslimischen Bürgermeister einer westeuropäischen Großstadt ernannt. Der Sohn eines marokkanischen Imans besitzt sowohl die niederländische, als auch die marokkanische Staatsbürgerschaft (unsereins hätte da sicherlich die eine oder andere Geschäftsidee unter Ausnutzung seiner politischen Immunität…). Gebürtig stammt er aus dem Rif-Gebirge, dem weltweit größten Anbaugebiet von Cannabis, von dem nicht wenig in den niederländischen Coffeeshops landet. Man könnte also meinen, dass gerade er eine sehr liberale Cannabispolitik in Rotterdam verfolgt, doch dem ist mitnichten so.

Denn derzeitig wird seine Coffeeshoppolitik eher als verlogen bezeichnet.

Eine Stadt – ein Bürgermeister – drei Nachrichten

Am kommenden Samstag muss der Coffeeshop „Trefpunt“ nach 25 Jahren Betrieb schließen. Aboutaleb setzt damit das Abstandkriterium um, denn der Shop befindet sich weniger als 250m von einer Schule entfernt. Diese ist da übrigens nicht erst seit gestern.

Coffeeshop Trefpunt

Der Coffeeshop hat niemals großartige Probleme bereitet, mit den meisten Nachbarn und den zuständigen Streifepolizisten pflegt man ein gutes Verhältnis.

Als die Schließung angekündigt wurde, hat man sich darum bemüht, eine Lösung zu finden. Der Shopbetreiber, gebürtig in Rotterdam, hat angeboten, die Öffnungszeiten an die Schulzeiten anzupassen, das Zutrittsalter auf 21 anzuheben, sogar einen neuen Standort vorgeschlagen, in einer Gegend, in der nach Aussage des Bürgermeisters ein Coffeeshop sehr gut hinpassen würde. Und letztendlich hat man es sogar auf dem Rechtsweg probiert und gegen den Beschluss geklagt. Doch Nichts hat geholfen, am Wochenende hat sich der Shop und die Lizenz erledigt, die 15 Angestellten sind somit arbeitslos.

Vielleicht können diese sich im Supermarkt nebenan bewerben. Dort wird Bier verkauft. Oder in die Spielhalle gegenüber. Beide dürfen im Umkreis der Schulen weiter existieren.

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Dafür gibt es aber seit kurzem einen neuen Coffeeshop in Rotterdam. Und zwar ein alter Bekannter: 2015 wurde von Aboutaleb „The Reef“ geschlossen, weil dessen Betreiber mit 208kg Cannabis als Handelsvorrat für seine beiden Shops erwischt wurde. Der Bürgermeister hat ihm daraufhin auf unbestimmte Zeit verboten, eine Lizenz zu besitzen, aufgrund seiner „schlechte Lebensführung“. Nun durfte der  Medienunternehmer Pierre Karsten den Shop wieder eröffnen. Dieser verspricht einen besonders verantwortungsvollen Umgang mit Cannabis. So hat er einen modernen Ausweiscanner angeschafft (das gleiche Modell wie in Schiphol) um zu verhindern, dass Minderjährige Einlass bekommen. Es gibt permanent einen Türsteher sowie Personal, das draußen aktiv gegen „Overlast“ vorgeht. Zudem kooperiert man mit der hiesigen Suchtklinik und hat eigens einen Infostand im Shop eingerichtet. Soweit, so gut.

Edo Landtman hat Erfahrungen auch mit prominenten Gästen

Da Karsten aber laut eigenen Aussagen keine Erfahrungen in der Branche hat, hat er einen Shopmanager mit Erfahrung eingestellt: Edo Landtman, dem ehemaligen Betreiber des Coffeeshops „Superfly“ in Hoofddorp.

Dieser hatte seine Lizenz verloren, weil er, man glaubt es kaum, mit knapp 100kg Handelsvorrat erwischt wurde.Sowas kann man sich echt nicht ausdenken… Da die Manager eines Shops mit in die Lizenz aufgenommen werden müssen, kann keiner behaupten, dass Aboutaleb nichts davon wusste.

Versteht mich nicht falsch, ich will nicht behaupten, dass der neue Manager nicht für seinen Posten geeignet ist, im Gegenteil. Seine langjährige Erfahrungen in der Branche werden ihm mit Sicherheit helfen. Aber wie kann man auf der einen Seite einem Shopbetreiber den Betrieb eines Shops verbieten, weil er mit einem wesentlich zu großen Handelsvorrat erwischt wurde, auf der anderen Seite aber zulassen, dass jemand mit nahezu der selben Straftat Manager des selben Shops wird? Das ist schon sehr heuchlerisch.

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Öffentlich gibt sich Aboutaleb jedoch als Befürworter einer liberalen, modernen Drogenpolitik. Natürlich begrüßt er den angekündigten Modellversuch der Regierung. „Ich habe mich stets dafür eingesetzt, weshalb ich jetzt sehr zufrieden bin“ sagt er in einem Interview. Dem Gemeinderat legt er nahe, sich für eine Bewerbung als Modellstadt einzusetzen.

„Wir wollen das nicht nur tun, weil es so aufregend ist, sondern weil ein Großteil meiner Polizeikapazität für die Drogenkriminalität verwendet wird.“

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de
  • Kusheltier

    Mit zweierlei Maß messen ist in der Politik leider weit verbreitet. Man kann hier wohl von Vetternwirtschaft/Gefälligkeiten ausgehen.