Nol van Schaik: Staatswiet – Keine Chance!

Der folgende Text ist die Übersetzung eines Textes von Nol van Schaik (Betreiber dreier Coffeeshops in Haarlem, Aktivist, Freund).

Mit viel Brimborium wurde die Nachricht verbreitet, dass die Regierung Rutte 3 in einer kleinen Anzahl Gemeinden ein Experiment mit dem legalen Anbau von Cannabis zulassen möchte, was aber zum Scheitern verurteilt ist. Nicht weil der Anbau von Cannabis unter staatlicher Überwachung so schwierig wäre, dem widerspricht schon die Tatsache dass die Polizei täglich Cannabisplantagen entdeckt und beschlagnahmt. Der Anbau von Cannabis wird stets professioneller und größer. Diese ‚Betriebe‘ haben sich zu einer Industrie entwickelt, die sich wie ein Tintenfleck über die EU verbreitet. Verursacht durch die zunehmende Repression in den Niederlanden.
Die größten Messen für Cannabis sind mittlerweile in Barcelona und in Prag. In den Niederlanden sind selbst Growshops verboten, Messen wurden in den Niederlanden seit Jahren nicht mehr organisiert.

Das Experiment wird missglücken, und dafür gibt es mehrere Gründe.

Das Staatswiet-Experiment wird danach beurteilt, ob nach seinem Ende der illegale Anbau von Cannabis und damit die Kriminalität um dieses Phänomen abgenommen hat. Das wird das Experiment aber nicht hergeben. Die Niederlande haben 388 Gemeinden wovon 103 einen oder mehrere Coffeeshops dulden, die ungefähr 40% der niederländischen Cannabiskonsumenten versorgen. Die übrigen 60% können nicht in einem Coffeeshop einkaufen und sind somit in den 285 coffeeshoplosen Gemeinden auf eine Alternative wie einen Hausdealer, einen anbauenden Freund, einen Straßendealer, einen Lieferdienst etc angewiesen.

Indem man den Anbau von Cannabis unter Aufsicht in 10 Gemeinden erlaubt, wird das angestrebte Ziel der Regierung auch dann nicht erreicht, wenn das Experiment in allen 103 Coffeeshopgemeinden stattfindet. Der illegale Kreislauf setzt sich fort, solange nicht alle Gemeinden legale Belieferung von Coffeeshops zulassen und damit auch der hohe Aufwand und die Kosten, die durch die repressive Politik verursacht werden.

Jede Beschränkung der Stärke von Cannabis führt zu einer Ausbreitung des Schwarzmarktes, auch in den Gemeinden mit Coffeeshops, die Cannabis nur bis zu einer bestimmten Stärke prduzieren und verkaufen dürfen. So wird sich der Konsument einen anderen Anbieter suchen um an seine bevorzugte Rauchware zu bekommen. Dadurch wird in den Gemeinden die an dem Experiment teilnehmen, ein illegales Umfeld entstehen welches noch anwächst wenn mit dem Zulassen von Staatswiet der Verkauf von ausländischem Hasch in Coffeeshops verboten wird. Das wird die Situation in den Gemeinden mit Coffeeshops deutlich verschlimmern und (noch) mehr die Polizei belasten.

Darüber hinaus ist der für dieses Projekt freigegebene Betrag von 1 Million Euro lächerlich niedrig und sicherlich nicht ausreichend für ein Projekt, das in 6 – 10 Gemeinden 4 Jahre läuft. Das neue Kabinett veranschlagt mehr als 100 Millionen, um Verbrechen rund um den „Hanfanbau“ zu bekämpfen. Der Hahn geht also auf, um an den Symptomen herumzudoktern, aber es ist kein Budget da, um eine Lösung zu finden? Die Tatsache, dass das neue Ministerium für Sicherheit und Justiz mehrere Millionen vorgesehen hat um jetzt Ministerium für Justiz und & Sicherheit zu heißen zeigt bereits, wie ernst man das Projekt ‚Staatswiet‘ nehmen sollte.

Es ist keine Frage, dass das Verkaufen von sauberem Cannabis in Coffeeshops für die Gesundkeit der Cannabiskonsumenten förderlich ist. Eine verpasste Chance für das Ministerium von äh krank, schwach und übel. Es sollte keine Frage des Geldes sein, denn das ist eine schändliche Ausrede. Die 578 geduldeten Coffeeshops lieferten auch dieses Jahr wiedr 440.000.000 (440 Millionen) an Steuern ab, und dann nur eine Million um zu probieren diese Branche aus der Illegalität zu holen.

Lass mich nicht lachen, das muss ein Witz von Minister Grappenhaus sein?

Nol van Schaik. Geldwäscher der Niederländischen Steuerbehörden.

Steve Thunderhead

Steve Thunderhead

Ich lebe seit mehr als vierzig Jahren an der niederländischen Grenze. Die Entwicklung der niederländischen Cannabispolitik verfolge ich seit den achtziger Jahren, als ich zum ersten Mal einen Coffeeshop besucht habe. Die langsame Veränderung von einer pragmatischen und toleranten Politik zu immer repressiveren Regelungen kenne ich deswegen aus eigener Erfahrung. Ich freue mich als Autor auf Kein Wietpas! mitarbeiten zu dürfen, weil ich nach all den Jahren meinen Anteil zu einem erneuten Wandel dieser Politik beitragen will.
Steve Thunderhead
  • Vhf

    @ stevethunderhead

    danke für diese übersetzung hier und den anderen artikel über hausschließungen!

    gebe dem noltyp hier mehr oder weniger recht. allerdings zeigt mir das mal wieder, dass mit droger jeglicher art eher profitlos umgegangen werden sollte, denn selbst bei völliger legalisierung würden, mich eingeschlossen, noch immer leute nur anbauen würden, aber, und das ist der punkt, eine 100% austrocknung des illegalen marktes wird es m.e. nicht geben, aber es wäre eine deutliche eindämmung möglich. um einiges besser als jetzt zumindest.
    na ja und profitlos, – sehr unrealistisch in unserem gesellschaftssystem ich weiß – wäre dann halt insofern sinnig, als dies ein deutliches zeichen gegen einen profitorientierten schwarzmarkt wäre.

    ein gedanke der mir noch zur von mir geliebten importdiskussion kam: nehmen wir mal an, die niederlande legalisieren den wietanbau(um den des gefühlten 80% der konsumenten zu gehen scheint, also ich meine jetzt grass statt hasch allgemein, nicht den eigenanbau;))und es ist überall im land in mehr oder weniger tadelloser qualität verfügbar.
    der niederländer gilt ja als pragmatiker: also warum nicht das abseits von drogen bestehende opportunitätsprinzip der niederländischen justiz weiterhin auf den illegalen importhaschmarkt/importgrass(jamaika, thailand, ghana, kolumbien etc.)anwenden?
    um eben den selbst dann noch bestehenden schwarzmarkt für importware „unattraktiver“ zu machen^^
    wo wäre das problem? sich am hasch aufhängen und deshalb nicht den indoorwietbereich legalisieren ist doch lächerlich(na ja, wie viele entscheidungen im drogenbereich, wie ja auch immer die schönen berichte hier auf dieser seite zeigen)?!
    oder meint wirklich irgendjeman aufgrund des legalisierungsdruckes in nl legalisieren auch länder wie marokko, libanon, afghanistan oder indien, nepal? das wäre sicherlich wünschenswert, aber doch eher utopisch, seid mal pragmatisch, leute*lol*! 100% alles auf einmal geht eher nicht;)
    randbemerkung: wobei eine legalisierung sich auf kurz oder lang wohl auch auf genannte staaten auswirken würde, also jetzt über äonen gesehen;)!

    viele grüße
    *vhf*