Kehrtwende in Rotterdam mit üblem Beigeschmack

Ahmed Aboutaleb (PvdA), Bürgermeister von Rotterdam, stand zuletzt für seine Coffeeshoppolitik unter starker Kritik – auch bei uns. Jetzt hat er eine Kehrtwende gemacht und präsentiert die neue Coffeeshoppolitik der Stadt mit seinen persönlichen Visionen für die Zukunft.

Wichtigste Neuerung ist die Änderung des Abstandskriterium. In Zukunft müssen Coffeeshops, die sich in einer Entfernung von weniger als 250m von einer Schule befinden, nicht mehr schließen, sondern lediglich die Öffnungszeiten so ändern, dass sie außerhalb der Schulzeiten liegen. Coffeeshops, die aufgrund der Regelung in der Vergangenheit geschlossen wurden, haben explizit die Möglichkeit ihre Lizenz neu zu beantragen, so auch der kürzlich geschlossene Coffeeshop „Trefpunt“.  In den letzten Jahren mussten insgesamt 16 Coffeeshops aufgrund der Regelung schließen. Zwar findet Aboutaleb, dass die Regelung erfolgreich war und für mehr Sicherheit in den Gebieten rund um die Schulen gesorgt hat, andererseits weiß er, dass die heutige Zahl von 34 Coffeeshops zu klein ist. Seiner Berechnung nach unter Berücksichtigung der steigenden Tourismuszahlen von Rotterdam sind 41-46 Shops nötig. Allerdings will er den Drogentourismus nicht erleichtern. Seiner Meinung nach leidet Amsterdam sehr unter dem Ruf, dass man dort „sein Zeug“ bekommt.

Bürgermeister Ahmed Aboutaleb

Auch will er erreichen, dass Rotterdam von Anfang an beim Modellversuch zum Cannabisanbau mitmacht. Im Rat werden bereits konkrete Pläne ausdiskutiert.

Allerdings hält er das Coffeeshopmodell für überholt und würde alle Shops am liebsten innerhalb der nächsten drei Jahre schließen und stattdessen auf andere Abgabemodelle setzen. Dies könnten zum Beispiel Verkaufsautomaten, Stiftungen oder sogar Verkauf über das Internet sein. An Coffeeshops kritisiert er, dass viele Betreiber vorbestraft sind und zum Teil Waffen im Shop aufbewahren.

Zum Glück ist er aber so realistisch und weiß, dass man die Shops so schnell nicht schließen könnte, da sie in der Bevölkerung etabliert sind. Vielleicht hat er auch im Hinterkopf, dass mehr als 50% der Shopbetreiber und ein Fünftel der Besitzer der Shopimmobilien eigene Landsleute aus Marokko sind…

Ingesamt sind die Neuigkeiten zu begrüßen. Aboutaleb reagiert gekonnt auf die Kritik, ohne dabei seinen Stolz zu verlieren. Ob die Zukunftsvisionen vom Ende der Coffeeshops hin zu seelenlosen Verkaufsstellen jemals so umgesetzt werden ist fraglich.

Fürs erste sind die Wogen etwas geglättet.

 

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de
  • Vhf

    @ mobo
    wieder mal danke dafür!
    es ist einfach mal wieder unglaublich. hatte mich auch hier auf dieser seite in der vergangenheit immer gefragt, was passieren würde, würde dieses stupide abstandskriterium zurückgenommen werden. hintergrund dazu: einige läden wurden ja letztlich verschont, da z.b. in der nähe vom utopia/Amsterdam, weil die schule dort umzog. was dann „irgendwie“ die frage aufbrachte, ob läden wie das inzwischen leider geschlossene anyday jetzt sogar schadenersatzansprüche hätten, ob des verdienstausfalls usw.
    letzterer fall käme natürlich nur in betracht, wenn(!)das abstandskriterium zurückgenommen werden würde(noch mal: im falle des utopias und anderen im Einzugsbereich zog die schule um). kenne mich mit der niederländischen justiz nicht aus, aber denke mal, der anspruch besteht vielleicht nicht, weil das ja nur eine gesetzliche grauzone ist(und wer diese seite/die materie an sich lange genug verfolgt, weiß ja, wie mit coffeeshops umgesprungen wird nach gut dünken. ). na ja, so eine schadenersatzklage wäre definitiv in den USA denkbar^^und persönlich hielte ich das für völlig angemessen bei solcher willkür(coffeeshops verboten, kneipen in der nähe ok).
    zurück nach rotterdam: ja, einerseits vernünftiges einsehen bezüglich dieses bullshits und auf der anderen völlig geisteskrank, den bereits geschlossenen shops eine neue lizenz anzubieten. wohlgemerkt geisteskrank, wie die ganze faulige coffeeshoptoleranzregelung, also wenn das mal durchleuchtet wird gedanklich^^. letztendlich sind diese neue lizenzen zwar eine gute sache, aber na ja, es bleibt eine geisteskranke und verlogene handhabung^^
    zukunftsvisionen des bürgermeisters: wer rotterdam kennt, weiß eigentlich, dass die meisten coffeeshops dort in der tat nur seelenlose verkaufsstellen sind. von daher, ich kenne die stadt ganz gut, wäre das eigentlich keine große veränderung*lol*.
    die läden in denen bequem verweilt werden kann, sind mehr oder weniger an einer hand abzuzählen. es gibt einfach schon zig(!)kioskartige dort.
    wie auch immer, ich fände das zwar auch nicht 100% toll, aber solange die grassqualität durch offiziellen anbau „garantiert“ wäre ich für das model mit den abgabestellen. das ist alles besser als knast oder andere repressionen in zusammenhang mit dieser pflanze. und wenn ich mich entscheiden müsste: coffeeshops oder legales und kontrolliertes grass, adieu coffeeshops:D!
    wie gesagt: alles auf einmal geht wohl nicht^^
    viele grüße
    *vhf*

  • misc

    „dass mehr als 50% der Shopbetreiber und ein Fünftel der Besitzer der Shopimmobilien eigene Landsleute aus Marokko sind“
    gibt es dafür eine Quelle?

    • Ja. Landesweite Studie des Institut Intraval. Kann dir später nen Link raussuchen.

      • misc
        • Vhf

          @ mobo
          willkommen zurück:D! was war los mit der seite? ein paar tage ging nix. sind meine kontodaten irgendwie gefährdet;)?
          viele grüße
          *vhf*

          • Ich schreibe gleich einen neuen Artikel, wo ich auch kurz erkläre, was war.