Overlast

Am Wochenende war ich in Enschede. Ich habe mal versucht, mich in einen Anwohner reinzuversetzen, der in der Nähe eines Coffeeshops wohnt. Dazu habe ich mal ein wenig die Szenerie rund um den Coffeeshop “De Molen” beobachtet. Dabei konnte ich Ereignisse beobachten, die mich dann doch ein wenig nachdenklich stimmten. Erstmal muss ich sagen, dass wirklich die meisten Besucher, die ich beobachtet habe, sich vollkommen normal und vorbildlich verhalten haben. Aber dann gab es auch immer mal wieder Gäste, die eben nicht die Regeln eines friedlichen Miteinanders beachteten.

Ein Auto mit deutschem (!!!) Kennzeichen hielt direkt gegenüber des Coffeeshops, der Fahrer machte die Warnblinkanlage an und sein Beifahrer stieg aus und ging in den Coffeeshop. Das Auto parkte nicht etwa auf einem Parkplatz, sondern es hielt direkt auf der Straße und wurde zum Verkehrshindernis. Wer schon einmal im “De Molen” war, weiß, dass dieser direkt an einer verkehrsreichen Strasse liegt. Übrigens war 30m weiter eine Strasse mit ausreichend freien Parkplätzen, die aufgrund des Sonntages auch noch kostenfrei waren. (Dort, wo ich geparkt habe…) Das war ein Fremdschämmoment!

Doch lustigerweise hielt keine 5 Minuten später an direkt derselben Stelle ein Auto mit niederländischem Kennzeichen und machte dasselbe.

Denkt man einmal darüber nach, versteht man schon, warum es dieses Aufregen über die “Overlast” gibt. Aber meiner Meinung nach ist das kein spezifisches Ausländerproblem und auch kein Coffeeshopproblem. Ich wage mal zu behaupten, dass beide Fahrer genau das Gleiche bei einem Bäcker oder sonstwo getan hätten. Da Coffeeshops aber in vielen Augen ein Aufreger sind, kann man schon nachvollziehen, warum man dem Ganzen die Schuld gibt.

Übrigens hat der Coffeeshop jetzt neue KVTs (so nennt die Polizei die Verpackung: KlemmVerschlussTütchen) mit den darauf bedruckten Hausregeln.

Und da steht es auch gleich: “Veroorzaak geen buurt-overlast”, also keine Anwohner belästigen. Was fällt uns daran auf? Es steht dort in niederländisch! “Overlast” ausschliesslich auf die Ausländer zu schieben ist also einfach nur ein Vorgeschobener Grund. Leute, die sich nicht benehmen können gibts überall. Das hat nichts mit der Nationalität zu tun! (diese Denkweise sollten sich nicht nur die niederländischen Politiker aneignen…)

Seht diesen Beitrag auch als einen Appell: Benehmt Euch. Zu hause und im Ausland.

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de

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