Gastbeitrag: Die Tricks der illegalen Shops

Vor einigen Tagen fand das Gründungstreffen des Hammf e.V.i.G. statt und dort hatte ich die die Gelegenheit meinen DEA-Kollegen “Lars Knacken” kennenzulernen. Ja, der gute Mann polarisiert. Doch nachdem ich ihn persönlich kennengelernt habe, bin ich doch recht begeistert von ihm: Lustiger Typ mit coolen Ideen, der viel zu erzählen hat, dabei aber kein “Laberkopp” ist. Auf dem Treffen hat er (sehr lebendig) eine lustige Anekdote eines mittlerweile geschlossenen illegalem Coffeeshops erzählt. Ich fand die Story sehr witzig, so dass ich ihn gebeten habe, die Geschichte doch mal aufzuschreiben, was er dann auch getan hat! Vielen Dank!

Coffeshop1Vor einigen Jahren wohnte ich in Aachen, die am westlichsten gelegene Stadt der Bundesrepublik. Die Nähe zur niederländischen Grenze ist in Aachen kontinuierlich spürbar. Kein Wunder, denn eine Fahrt mit dem Linienbus in eine der Nahe gelegenen Ortschaften auf der niederländischen Seite der Grenze dauert gerade einmal 15 Minuten.

Logischerweise pilgern auf diese Art eine Vielzahl von Menschen täglich in die Niederländischen Coffeshops. Die sind zwar in den gesamten Niederlanden vorhanden, allerdings liegt es oftmals daran, welche Partei lokalpolitisch das sagen hat, ob, wie und in welchem Umfang der legale Handel toleriert wird. In den Grenzgebieten der Niederlande, übersät mit kleinen Bauerndörfern, herrschen natürlich konservativere Sitten als in den Städten und Großstädten.

So war auch schon, lange vor der Einführung des Wietpases in den Niederlanden, vielerorts ein gepflegter Coffeshopbesuch tabu. Zumindest für die deutschen Besucher. Aber wie sagt man so schön: Holland, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Denn natürlich will niemand die Kunden nach Hause nach Deutschland fahren lassen, ohne noch ein Geschäft gemacht zu haben. Wenn legaler Handel unterbunden wird, weichen Händler und Käufer automatisch auf alternative Methoden aus. Hierzu eine kleine amüsante Anekdote:

In einem kleinem niederländischen Dörfchen gab es ein kleines Haus, in welchem man ohne Probleme sein Weed kaufen konnte. Und das obwohl es zu dieser Zeit in dieser Region untersagt war, einen Coffeshop zu betreiben. Täglich strömten hunderte von Jugendlichen aus Aachen in den Shop um sich mit den kostbaren Blüten einzudecken. Jedes Mal, wenn die Polizisten einer speziellen deutsch-niederländischen Einheit in das Gebäude eindrangen wurden allerdings keine erwähnenswerten Mengen an Cannabis sichergestellt. Die Polizisten waren sogar sehr verdutzt, als die vermeintlichen Drogentouristen nur aussagten, das sie wegen der Malereien gekommen wären. Und tatsächlich: Der Betreiber des “Coffeeshops”, ein gealterter, aber sehr kreativer Künstler, hatte den Shop so eingerichtet wie ein Museum. Keine Tische und Stühle. Nur zwei Räume mit vielen Bildern an der Wand. Freakige Bilder.

Bevor man in das Museum kam, musste man noch durch eine dieser typischen Coffeshopsicherheitsschleusen. Stahltür, Raum mit Kamera, Dann durch die Stahltür in den Shop, ähm Museum. Dann gab es noch ein Hinterzimmer, welches durch eine Theke vom Rest der Fläche abgetrennt wurde. Nach mehreren Jahren, etlichen Razzien und verschwendeten Steuergeldern hatten die Beamten dann doch noch Glück und kamen hinter das Geheimnis des illegalen Coffeshops.

Denn in der Wohnung über dem Shop gab es eine sehr alte Frau, so um die 75 Jahre alt. Die hatte eigentlich gar nichts mit dem Shop zu tun und sogar einen separaten Eingang. Diese nette Dame war per W-Lan mit dem Computer des Shops verbunden und jedes Mal, wenn der Shopbetreiber in seinen Computer eine Mengenangabe und Bezeichnung tippte, löste sich kurze Zeit später der Feuermelder an der Zimmerdecke und ein Fallrohr kam herunter. Und die Oma lies die benötigte Menge Material in das Rohr fallen. Nun brauchte der Shopbesitzer am anderem Ende des Rohres nur noch den Feuermelder mit einer gekonnten Drehung abziehen und das Weed entnehmen. Das fand natürlich im Hinterzimmer statt, so dass kein Kunde ahnen konnte, wo das Grass hergekommen ist. Und so glaubte die Polizei Jahrelang ebenfalls das es aus dem Hinterzimmer kam…

So lange es unsinnige Gesetzte gibt, wird es kreative Menschen geben, die sie umgehen.

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de