Reisebericht Amsterdam 420 – 2014

Amsterdam ist ja immer eine Reise wert. Vor allem am 20.04. ist eine gute Gelegenheit, der größten Altstadt Europas einen Besuch abzustatten. Praktischerweise erfolgt die Anreise mit dem Zug, denn wenn man nur einen Tag in Amsterdam bleiben möchte, kann ein Auto dort eine unnötige Last sein. Wer die Möglichkeit hat, im niederländischen Bahnnetz zu starten, kann mit einem Tagesticket Hin- und Rückfahrt z.B. von Heerlen für 49,- Euro bekommen. WLAN gibt es in den Zügen gratis, so dass die Fahrt nicht allzu langweilig ist.

Da das im Vondelpark stattfindende ‘Smoke in the Park’ erst am Nachmittag stattfand, konnte man die Zeit bis dahin gut für den Besuch der dortigen Sehenswürdigkeiten verwenden. Obwohl Ostersonntag war, hatten nahezu alle Geschäfte geöffnet. Dementsprechend voll war die Innenstadt mit Touristen. Bei einer derartigen Menge an Leuten wird es in den engen Gassen der Altstadt schnell anstrengend, was zu dem Entschluß führte, den Vondelpark schon früher aufzusuchen und dort die Sonne zu geniessen.

Der Vondelpark liegt etwa 2,5 Km vom Zentrum entfernt. Zu Fuß dauert der Weg ca. eine halbe Stunde. Der Park selber ist relativ groß und hat in der Mitte eine Theaterbühne, welche sich als Treffpunkt gut eignet. Also wurde unweit davon Position bezogen und erst mal die Sonne genossen, in Erwartung der Dinge die da kommen sollten.

Da auf der Webseite des AMS 420 nur ein ‘Smoke in the Park’ angekündigt war, welches von 15:00 – 17:00 Uhr stattfinden sollte, ohne jedoch genaueres zu nennen, bestand natürlich ein wenig die Schwierigkeit, die Leute, welches zum ‘Smoke in the Park’ gekommen waren von den normalen Leuten, die den Park bevölkerten zu unterscheiden. Die Tatsache, dass an jeder Ecke Leute saßen, die gemütlich ihre Joints rauchten, machte die Sache nicht einfacher. Woran erkennt man denn nun den Cannabisaktivisten, der zu einer solchen Aktion kommt?

Nachdem sich die ersten (deutschen) Aktivisten gefunden hatten, wurde beschlossen an diesem Theater zu warten und alle fragenden Gesichter dort zu versammeln, da offensichtlich mehrere Leute mit dem gleichen Problem durch den Park irrten. Die alte Regel, dass es wohl da stattfindet, wo es am meisten nach Weed riecht funktioniert in diesem Park schlicht nicht.

Gegen 16:00 Uhr sammelte es sich dann so allmählich. Peter Lunk musste sein Erscheinen wegen gesundheitlicher Problem, welche auch schon zur Absage des AMS-420 Events führten, leider absagen. Von hier aus die besten Wünsche für die Genesung an Peter.

Um 16:20 Uhr waren dann ca. 60 Leute an der Bühne versammelt, und mit einem ‘Happy 420’ wurden die Joints entzündet. Liedermacher Selassikei war auch in Amsterdam und sorgte für etwas Musik. Generell lässt sich sagen, dass wohl mehr Leute aus dem Ausland als Niederländer vor Ort waren. Jedenfalls bezogen auf die nähere Umgebung des Theaters. Es dürfte auch schwierig sein, den normalen niederländischen Cannabiskonsumenten von der Notwendigkeit eines Endes der Cannabisprohibition zu überzeugen. Betrachtet man die Sache mal realistisch, sitzt man an einem Ort, an dem um einen herum den ganzen Tag vollkommen normal konsumiert wird. Die Menge an Coffeeshops in Amsterdam ist so groß, dass den meisten Niederländern dass Verschwinden einiger Shops, wie in de Wallen, überhaupt nicht auffällt. Wahrscheinlich wird das von den Cannabiskonsumenten auch erst richtig bemerkt, wenn der eigene Stammshop betroffen ist. Prinzipiell ist eine Duldung, Teillegalisierung oder wie man es auch nennen mag, wie eine Eisenkugel am Bein der Legalisierungsbemühungen. Da der normale Cannabiskonsument ohne große Probleme in einem Coffeeshop einkaufen kann, ist für ihn die Welt ja soweit in Ordnung. Die seltsame Gesetzeslage an der Achterdeur betrifft ihn ja nicht und da sie seit so vielen Jahren exisiert, haben sich auch viele Coffeeshopbesitzer damit offenbar arrangiert. Wie sonst kann man sich das geringe Echo auf die Bemühungen die Schliessungen der Shops zu verhindern erklären.

Letzten Endes sind es doch die Touristen, die Amsterdam zu dem machen, was wir darin sehen. Auch in den Shops trifft man oft mehr Ausländer als Amsterdamer. Vor diesem Hintergrund ist es wohl auch verständlich, dass man bei einem ‘Smoke in the park’ vor allem Nicht-Niederländer auftauchen. Die anderen tuen das jeden Tag.

Nachdem das Event vorrüber war ging es dann zurück in die Stadt, um noch die ein paar Einkäufe zu tätigen und den Tag in einem netten kleinen Café an einer der Grachten ausklingen zu lassen, bevor dann die Rückfahrt angetreten wurde. Als Fazit lässt sich sagen, das eigentliche ‘Smoke in the park’ entfällt wegen guten Wetters und ansonsten wars ein entspannter Tag in der Hauptstadt der Niederlande.

Steve Thunderhead

Steve Thunderhead

Ich lebe seit mehr als vierzig Jahren an der niederländischen Grenze. Die Entwicklung der niederländischen Cannabispolitik verfolge ich seit den achtziger Jahren, als ich zum ersten Mal einen Coffeeshop besucht habe. Die langsame Veränderung von einer pragmatischen und toleranten Politik zu immer repressiveren Regelungen kenne ich deswegen aus eigener Erfahrung. Ich freue mich als Autor auf Kein Wietpas! mitarbeiten zu dürfen, weil ich nach all den Jahren meinen Anteil zu einem erneuten Wandel dieser Politik beitragen will.
Steve Thunderhead