Die Ära Onno Hoes endet

Portret Onno Hoes burgemeester te MaastrichtWohl kaum eine Person ist mit der neuen konservativen Drogenpolitik der Niederlande so eng verknüpft wie der noch amtierende Bürgermeister der Stadt Maastricht, Onno Hoes (VVD). Neben Justizminister Ivo Opstelten (VVD) natürlich. Das führt unweigerlich dazu, dass beide zu dem Feindbild der Coffeeshopfans stilisiert werden. Dabei waren beide einst Konkurrenten, als es darum ging, den freigewordenen Posten des VVD-Vorsitzenden zu besetzen. Hoes verlor dabei klar gegen Opstelten, was im Nachhinein wohl dazu führte, dass er sich der Lokalpolitik widmen konnte. Welch eine Ironie der Geschichte.

2010 wurde er dann auf Vorschlag des Gemeinderats zum Bürgermeister von Maastricht ernannt. Bürgermeister in den Niederlanden müssen nicht unbedingt einen Bezug zu der Stadt, in der sie regieren, haben, Hoes jedoch genoss Sympathien unter der Bevölkerung, da er bekennender Fan des lokalen Fußballvereins ist. Trotzdem war er in vielerlei Hinsicht ein aussergewöhnlicher Bürgermeister. Seit dem zweiten Weltkrieg gab es in der Provinzhauptstadt keinen Bürgermeister, der nicht von einer Christlichen Partei gestellt wurde und Hoes ist jüdischen Glaubens.

Zudem war er als Ehemann des bekannten Fernsehmoderators und Theaterproduzenten Albert Verlinde schon damals Teil des niederländischen Boulevards.

Gerade aufgrund seiner Homosexualität und seines jüdischen Glaubens erscheint es umso absurder, dass Hoes Politik für niederländische Verhältnisse sehr konservativ anmutet und gerade seine größte politische Baustelle, den “Wietpas” und später das “I-Kriterium”, also den Ausschluss von Ausländern aus den Coffeeshops und ein generell harter Kurs gegen die Shops kann man als Sinnbild für konservative Politik in den Niederlanden ansehen. Touristen, die neben den Boutiquen in der Stadt auch Coffeeshops besuchten waren für ihn nichts weiter als “Abschaum”, wie er es mal in einem Interview sagte.

Doch wie nicht anders abzusehen war ging dieser harte Kurs nie auf: der Tourismus der Stadt erlahmte, die Stadt wurde zeitweise von Strassendealern überschwemmt und auch die Zustimmung im Rat bröckelte immer mehr. Doch Hardliner Hoes schien dies alles nicht zu stören, jede Kritik perlte an ihm ab und er setzte seinen Kurs ungebrochen fort. Auch die zähesten Aktivisten verloren die Hoffnung, dass Maastricht jemals wieder einen toleranteren Kurs einnehmen konnte. Und während sich fast überall im Land zeigte, dass das “I-Kriterium” ein totaler Flop ist und immer mehr Gemeinden die Regelung wieder abschafften, wurde Maastricht immer mehr zum wichtigsten Pfeiler Opsteltens diskriminierender Politik.

Doch Onno Hoes hat auch ein zweites Gesicht. Neben dem eiskalten politischen Hardliner, den nichts aus der Fassung zu bringen scheint, gibt es noch den zweiten Onno. Dieser Onno ist ein Lebemensch. Bereits 2013 gab es die “Toyboy-Affaire”. Onno hatte eine Affaire mit einem 24 jährigen und es tauchten Fotos, die die beiden küssend in der Öffentlichkeit zeigten. Wenige Zeit später ließen sich Onno Hoes und Albert Verlinde nach knapp 13 Jahren Ehe scheiden. Offiziell habe man sich auseinander gelebt, aber natürlich drängte sich die Vermutung auf, dass die Affaire zumindest mit ein Grund war.

Jetzt kürzlich erst gab es eine erneute Affaire, initiiert von PowNews und abgefilmt mit versteckter Kamera. Natürlich stellt das eine zu verurteilende Form des Journalismus dar, was auch stark kritisiert wird, aber der Drops ist nunmal gelutscht und Onno hat gezeigt, dass er ein Verhalten an den Tag legt, das sich für so einen Amtsträger nicht ziemt. Vor allem nicht im konservativen Maastricht, weshalb Hoes die Notleine zog und seinen Rücktritt bekannt gab.

Natürlich kommt da Schadenfreude und zuletzt auch Hoffnung auf. Trotzdem hätte ich persönlich einen Rücktritt aufgrund seiner Politik und nicht aufgrund seines Privatlebens gesehen.

Spannend ist jetzt die Frage wie es mit der Stadt an der Maas weitergeht. Ivo Opstelten wird mit Sicherheit keinen toleranten Coffeeshopfreund zum Bürgermeister machen, denn damit würde er dem I-Kriterium wohl den letzten Dolchstoß verpassen. Andererseits wird sich ein Nachfolger mit einem Gemeinderat konfrontiert sehen, der zu großen Teilen gegen den Ausländerausschluß ist. Von der Bevölkerung ganz zu schweigen. Maastricht wird erneut wichtigster Kriegsschauplatz von Opsteltens Krieg gegen die Coffeeshops sein, mit ungewissem Ende.

Noch allerdings ist Hoes amtierender Bürgermeister. Er wird gehen, sobald ein Nachfolger gefunden ist.

 

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de

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