Raucherräume bald Geschichte?

Oft diskutiert, aber nie wirklich ernsthaft oder konsequent: Das Rauchverbot in unseren geliebten Coffeeshops. Nun hat sich aber die niederländische Nichtrauchervereinigung “Clean Air Nederland” dazu berufen gefühlt, zum großen Schlag auszuholen. Per Klage hat man es geschafft, alle Gaststättenbetriebe dazu zu zwingen, die Raucherräume abzuschaffen. Sicher gibt es vereinzelt in Bars oder Restaurants noch solche Räume, aber wir wissen ja alle wer das meiste Urin ans Bein bekommt. Logischerweise sind die Coffeeshops gemeint, die wohl zu ungefähr 60 % über einen “Rookruimte” verfügen. Das letzte mal als das Thema aufkam, sind Mitarbeiter der zuständigen Behörden durch die Coffeeshops in Haarlem gerannt und haben die Aschenbecher auf Zigarettenstümmel und auch solche die zum Joint drehen benutzt wurden. Es gab dann kurzzeitig die Anordnung der Gemeinde, man sollte die Joints doch draußen rauchen. So schnell wie ein Joint geraucht ist, war das Ganze aber auch wieder vom Tisch. Diesmal ist die Lage nicht so spaßig, denn man möchte sich auch in der Politik dem Thema noch einmal annehmen. Und ein Gerichtsurteil ist eben halt auch erstmal gültig bis die Berufung, welche selbstverständlich angestrebt wird, eben im besten Falle Erfolg hat.

So nun erstmal die Theorie. In der Praxis sieht die Nummer natürlich ganz anders aus. Patrick van de Pol, Besitzer des Coffeeshops “Bonne Ville” in Helmond, kann nur mit dem Kopf schütteln. Allein der Gedanke, bald seine Kunden auf den Inhalt ihrer Joints zu überprüfen, zeigt ihm die Absurdität dieser Geschichte. Noch mehr Sorgen macht ihm natürlich die dadurch entstehende Overlast rund um sein Geschäft, was wieder zu Streitigkeiten mit den Nachbarn führen wird, da sich das Rauchen der Joints mit Tabak auf die Straße und in die Autos verlagert. Verschwörungstheoretiker würden hier wahrscheinlich eine Verbindung zwischen Rauchverbot und Speicheltests sehen. Wie sich das auf das restliche Stadtbild auswirken würde, müsste man wohl abwarten. Sicherlich würde man vermehrt wieder den Duft wahrnehmen, was in den letzten Jahren eindeutig abgenommen hat. An der Gesetzgebung lag es nicht, da bis auf die Bereiche, wo sich bewusst Kinder aufhalten (wie Schulen oder Spielplätze) das Rauchen von Joints überall erlaubt ist. Ausgenommen es herrscht allgemeines Rauchverbot. Im Grunde kann man dort jeden Coffeeshopbesitzer fragen und man wird immer das Gleiche hören. Lisa Lankes vom Coffeeshop “Pink” in Eindhoven bildet da keine Ausnahme, allerdings kann man ihr natürlich nur zustimmen wenn sie sagt, dass das Purrauchen die bessere Variante ist. Doch aufgrund der Preise für das Wiet ist das völlige Utopie. Die wenigsten zahlen 12-15 € pro Gramm um dann gerade mal einen anständigen Joint aus dem Gramm drehen zu können, wenn man auf den Tabak verzichtet.

Doch bei allem Negativen, sollte die Sache konsequent durchgesetzt werden, sehe ich auch durchaus positive Aspekte. Wie bereits oben beklagt, sind die Joints größtenteils aus dem Stadtbild verschwunden und selbst in Dortmund sehe ich mehr Leute auf der Straße die einen Lubitz rauchen. Das würde sich wohl wieder drehen und mit Glück kommt man wieder zurück den Zeiten wo man die Politie nach dem Weg zum nächsten Shop und nach feuer fragen konnte (Weder habe ich diese Zeiten erlebt, noch glaube ich an eine Rückkehr). Das Team wird hier immer auf Stand bleiben.

Noch ein kleiner Lacher zum Schluss: Die Vereinigung nennt sich “Clean Air Nederland” und fordert die Abschaffung der Raucherräume, in denen Cannabisrauch durch teure Anlagen gefiltert wird, damit nicht die halbe Straße wie ein Gewächshaus riecht. Da scheint es mir völlig logisch, dass man die “Tabakmischer” ungefiltert vor die Tür stellt. Somit einen schönen Sonntag und Teil 2 des Reiseberichts ist so gut wie fertig. Unter Cannabis-Konsumenten weiß man ja: Gründlichkeit vor Pünktlichkeit.

Kushdee

Kushdee

In den letzten Jahren habe ich mich eingehend mit der Niederländischen Coffeeshopkultur beschäftigt und einige Erfahrungen vor Ort sammeln dürfen. Sie hat mich quasi in Ihren Bann gezogen und lässt mich nicht mehr los. Ich freue mich hier auf "Kein Wietpas!" dabei sein zu dürfen und euch regelmäßig Beiträge zu liefern. Wie man in den Grenzregionen sieht, kann auch ein "kleines" Blog zur Verbesserung der Situation beitragen.
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