Sightseeing-Tipp: Ons’ Lieve Heer op Solder

Zwei Stockwerke wurden aus dem Gebäude geschnitten Foto: Steve Thunderhead
Als wir letzten Monat in Amsterdam zur Pokalübergabe waren haben wir selbstverständlich auch etwas obligatorisches Sightseeing betrieben. Die meisten Amsterdam-Besucher wissen, dass man nie alles schafft, was man sich vorgenommen hat, da man doch oft in irgendeinem Coffeeshop versackt oder sich danach nicht entscheiden kann, in welcher Fressbude man seinen Hunger stillt, doch ein kleines bisschen Kultur sitzt doch immer drin. Oder?

Im Vorfeld haben wir darüber diskutiert, was wir uns denn wohl mal anschauen wollen. Von Steve kam der Vorschlag, das Museum „Ons’ Lieve Heer op Solder“  (unser lieber Herr auf dem Dachboden) zu besichtigen. Da wir alle streng gläubige Atheisten sind, waren wir natürlich schon ein wenig skeptisch ausgerechnet eine Kirche zu besuchen, aber in Köln schaut man sich ja auch gerne den Dom an, Architektur ist ja nie verkehrt.

Doch die alte Dachbodenkirche aus dem 17. Jahrhundert ist kein gewöhnliches Gotteshaus. Es handelt sich um eine sogenannte Schuilkerk, eine versteckte Kirche. Zur Zeiten der Reformation war in Amsterdam Katholizismus verboten, wurde aber toleriert, sofern er im Verborgenen ausgelebt wurde. Und so gab es in Amsterdam und auch im ganzen Land geheime Kirchen in denen Gläubige ihre Religion ausleben konnten. „Ons’ Lieve Heer op Solder“ ist dabei die am besten erhaltene Kirche dieser Art. Bereits seit 1888 wurde das Gebäude als Museum genutzt. Architektonisch ist sie durchaus beeindruckend. Aus dem Gebäude, was im 17. Jahrhundert von einem wohlhabenden deutschen Kaufmann gekauft  wurde, wurden ganze Stockwerke entfernt um so eine repräsentative Kirchenhalle zu schaffen, samt Orgel und allem, was eine Kirche benötigt.

Von Außen nicht zu erkennen Foto: Jensre at wikivoyage shared CC BY-SA 3.0
Ihr fragt Euch vielleicht, warum ich hier auf „Kein Wietpas!“ darüber berichte, oder? Die Antwort ist ganz einfach: Ein Besuch des Museums lässt einen verstehen, warum es ausgerechnet in den Niederlanden Coffeeshops gibt und zwar genau auf die Art wie sie es sind: Basierend auf staatlicher Toleranz, trotz bestehendem Verbotes. Diese Art von juristischen Kniff hat eine weitreichende Tradition in den Niederlanden und „Ons’ Lieve Heer op Solder“ verdeutlicht dies auf eine sehr eindrucksvolle Weise. Heute sind es die Coffeeshops die tagtäglich tausende Besucher anlocken. Dies wird nicht von jedem gern gesehen, aber solange man andere damit nicht belästigt (Overlast) wird dies geduldet. Genau wie es bei den Geheimkirchen im 17. Jahrhundert geschehen ist. Diese Gedanken schießen einem augenblicklich in den Sinn, wenn man nach dem Besuch des Museums das Gebäude durch das große Panoramafensters betrachtet. Von außen ist nicht zu erkennen, was sich im Inneren befindet. Trotzdem kann ich mir nicht vorstellen, dass man die imposante Orgel auf den Strassen nicht hören kann. Aber Niederländer schauen gerne mal weg, wenn sie nicht zu sehr belästigt werden…

Und was habt Ihr so auf dem Dachboden? Foto: Steve Thunderhead
Als Museum ist „Ons’ Lieve Heer op Solder“ wirklich sehr zu empfehlen. Es ist wirklich noch sehr viel im Originalzustand belassen worden bzw. aufwendig restauriert, mit kleinen Audiogeräten bekommt man interessante Hintergrundinformation ins Ohr geflüstert (und das sollte man in jedem Fall auch nutzen!).  Man sollte ca. 2 Stunden Aufenthalt einplanen, die man definitiv nicht bereuen wird!

Museum Ons’ Lieve Heer op Solder
Oudezijds Voorburgwal 38
Museumswebsite
Öffnungszeiten: Von Montag bis Samstag von 10:00 bis 17:00 Uhr. An Sonn- und Feiertagen von 13:00 bis 17:00 Uhr
Eintrittspreis für Erwachsene: 10€

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mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
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