Gastbeitrag: Ein Besuch in Venlo

Endlich mal wieder ein Gastbeitrag! Unser Leser Daniel Bertram, der bisher bereits viele sehr konstruktive Kommentare unter dem Nickname “Elli” verfasst hat, hat sich die Mühe gemacht, sich nach Venlo zu begebn und dort mal diverse Einwohner, Gewerbetreibend und Angestellte nach ihrer Meinung zum Wietpas zu befragen, dabei kam zu Erwartenes heraus, aber auch ein paar Überraschungen. Aber lest selbst:

 

Seit Längerem war ich gestern mal wieder in Venlo. Ich wollte mich umschauen, wie die Leute den Wietpas wahrnehmen, was sie über die Straßendealer denken und ob sich ihre Geschäfte seitdem verschlechtert hätten. Deshalb fuhr ich mit dem Zug über die Grenze, um dann am frühen Nachmittag ein paar Leute zu befragen.

In der Nähe des Bahnhofs habe ich zunächst mal ein Hotel gesucht um dort anzufangen. An der Rezeption bekam ich direkt folgende Antwort: „Es ist wie früher“, bezogen auf die Zeit vor der Coffeeshop-Ära. „Überall Straßenverkäufer.“ Aus geschäftlicher Sicht sagte er „Venlo ist tot“. Kaum noch deutsche Besucher. Er war sehr engagiert gegen den Wietpas zu sprechen. Zu seiner eigenen Situation sagte er, er habe „leicht weniger Besucher“, vor allem am Wochenende.

In einem Zeitungsladen am Bahnhof hatte man auch eine kritische Meinung. Es gibt deutlich weniger Besucher seit dem Wietpas, und „die Straßenkriminalität ist sehr schlecht“.

Auf dem Weg in die Innenstadt kam ich an einem Musikladen vorbei. Dort sagte man mir, es gebe in Venlo eine „intensive Diskussion über den Wietpas“. Auf direktes Nachfragen beurteilte er den Wietpas negativ. Er begründete das, weil er jetzt häufiger von Ausländern angesprochen wird, die Cannabis kaufen wollen.

Wenn ich schon mal da bin, musste ich natürlich nachsehen, was aus meinem alten Shop „Klein maar fijn“ geworden ist. Er ist noch geöffnet. Auch wenn ich nichts kaufen konnte, tröstete man mich doch „es gebe Hoffnung dass der Wietpas bald abgeschafft wird“.

Bei einem Venlobesuch darf man natürlich den bekanntesten Supermarkt direkt in der Innenstadt nicht vergessen. In diesem Supermarkt gibt es direkt am Eingang immer jemanden der für Fragen zur Verfügung steht. Diese Person fragte ich nach seiner Meinung. Er sagte, direkt im Laden „gibt es kaum weniger Kunden“, in Venlo sonst wohl schon. Viele jedoch „kommen nur für die Coffeeshops und fahren dann direkt wieder“. „Die Straßenkriminalität hat natürlich zugenommen, aber nicht so schlimm, kann man noch ertragen“.

Nachdem was in den letzten Wochen zu lesen war, gehören Imbissbuden zu den am stärksten Betroffenen von der Einführung des Wietpas. Deshalb ging ich in eine die direkt am Markt liegt und fragte dort nach. Ein junger Kerl so um die 25-30 sagte, dass bei ihm der Umsatz nicht gelitten habe. Es gebe auch nicht weniger Deutsche in der Stadt. Aber die Straßenkriminalität habe zugenommen. Das war ja schon mal eine Überraschung, auch wenn es nicht repräsentativ ist.

Später in einem prominent am Rathaus gelegenen Cafe vermutete ich schon, dass man hier für den Wietpas sei. Ich fragte zwei Bedienstete direkt hinter dem Tresen nach ihrer Meinung. Sie „störe der Wietpas nicht“. Einen Kundenrückgang oder weniger Deutsche im Cafe konnten dort auch nicht festgestellt werden.

Ich bin dann noch zum Hafen und wieder zurück zum Bahnhof gegangen. Insgesamt bin ich doch sehr überrascht über die wenigen Straßenhändler. Zwei Mal während der ganzen drei Stunden näherten sich mir mögliche Händler. Einmal als ich in der Nähe des Marktes saß und ein Fahrradfahrer an mir vorbei fuhr und „Shit“ sagte. Beim zweiten Mal pfiff jemand leise nach mir. Beide Male ziemlich indirekt und vorsichtig nach meiner Meinung. Nirgendwo hab ich konkret Händler gesehen. Übrigens auch keine Polizei. Auch an Drogentouristen war nichts auffällig.

Zum Wietpas gibt es in Venlo, wie zu erwarten war, Befürworter und Gegner. Das Thema jedenfalls ist präsent bei den Leuten, das merkt man. Richtig positiv stand dem Wietpas eigentlich niemand gegenüber. Große Erleichterung, dass nun endlich die Drogentouristen wegbleiben, konnte ich in den Aussagen jedenfalls nicht feststellen. Im Gegenteil. Schon intensiver und engagierter wurde da die Kritik an dem Wietpas vorgetragen.

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de

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