Gastbeitrag: Reisebericht Arnhem und Venlo

Unser fleißiges Bienchen Marcel (ja, genau der, der alles während der Arbeit schreibt…) war am Wochenende in Nederland. Nachdem sein Reisebericht aus Amsterdam ein wenig kritisiert wurde, hat er es sich trotzdem nicht nehmen lassen, auch bei diesem Trip wieder etwas zu schreiben. Das Spannende diesmal: Zuerst war in einer Stadt OHNE und danach Stadt MIT Wietpas. Aber lest selbst! Vielen Dank für die Mühen! Ich bitte Euch übrigens beim Kommentieren darum, euch NICHT bei dem Hitlervergleich aufzuhalten…

Gähnende Leere…

Wie bereits in einigen Kommentaren erwähnt, war ich letztes Wochenende für eine Nacht in Arnhem, um dann über Venlo wieder heim zu fahren. Vor Jahren haben ich und meine Frau uns mal vorgenommen die meisten der existierenden Coffeeshops in NL zu besuchen. Hätte es damals Blogs gegeben, wäre der sicher auch lesenswert gewesen. Nun, da die Zeiten des Wietpasses immer näher rücken – müssen wir uns mit den Besuchen ein wenig beeilen. Letztes Wochenende war Arnhem dran. Die grenznahe Stadt im Gelderland hat derzeit insgesamt 9 Coffeeshops (das Lucky Luke ist geschlossen – da zuviel Material im Laden war). Ich habe bis auf einen Shop (Uncle Sam) jeden Shop besucht und kann euch nur empfehlen mal nach Arnhem zu fahren. Die Shops sind zwar nicht so gemütlich – allerdings ist das „Preis-Leistungsverhältnis“ sehr gut – in keinem Fall mit Amsterdam zu vergleichen. Natürlich habe ich mit den einzelnen Bartendern gesprochen und nach Ihrer Meinung über den Wietpass gefragt. Die Meinungen variieren dazu 50/50. Die eine Hälfte der Bartender sagt, dass der Wietpass nicht kommen wird – haben also die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Die andere Hälfte der Bartender sagt das der Pass zu 100% kommen wird. Am Freitag stand dann auch im Arnheimer Stadtblatt das der Stadtrat den Wietpass ablehnt. Auch bei den holländischen Gästen sind die Meinungen da sehr geteilt. Immer wenn ich mal in die Runde gefragt hab was sie davon halten, hab ich eine riesige Diskussion losgetreten. Prinzipiell hatte ich das Gefühl das sich die Arnheimer sehr ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzten – ganz im Gegenteil zu meinen Erlebnissen in Sin City. Wer aber dann diese Regierung gewählt hat, konnte mir auch niemand beantworten (ist ein wenig wie bei uns – die CDU hat auch keiner gewählt). Im übrigen hab ich auf meiner ganzen Tour in Arnheim nur einen einzigen Strassendealer gesehen. Was sich im weiteren Verlauf noch ändern wird.

Nun hatte ich mich für meine Rückreise dazu entschieden lieber die Staatsgrenze in mir bekannten Gebiet zu überqueren – also den Safeway über Venlo zu nehmen. Letzte Woche hatte ich schon mit einem alten Freund der dort wohnt kurzgeschlossen um mich mal auf ein Tütchen und einen Kaffee mit ihm zu treffen. Zuvor wollte ich aber noch unbedingt zu meinem alten Stammshop dem Nobodys Place. Hier war ich seit 18 Jahren treues Mitglied. Also wieder ein wenig Außerhalb geparkt und im strömenden Regen auf zum „Nobbes“. Als wir die Strasse erreicht haben, vielen mir schon drei meines Erachtens nach sehr junge Angehörige der osmanischen Volksgruppe auf. Als wir näher kamen ertönte schon das mir altbekannte (ich fühlte mich sofort wieder wie in den 90igern) „tschhhhht“ „Gras? Marijuana?“. Da mir die Jungens definitiv zu jung waren und auch einen merkwürdigen Eindruck machten habe ich mich nicht auf ein Gespräch eingelassen. Vorm „Nobbes“ angekommen mussten wir feststellen wie leer der Laden doch ohne die ganzen Deutschen ist. Es saßen zwei Gäste dort – allerdings scheint das „Rein-Raus“ Geschäft noch gut zu laufen. Als der „Rausschmeisser“ uns dann gesehen hat – kam er netterweise im Regen auch mal vor die Tür und wir konnten kurz quatschen. Das „Nobbes“ hält sich streng an die Vorgaben der Regierung um weiter „überleben“ zu dürfen. Die Hälfte der Belegschaft wurde gekündigt und der Kundenstamm ist extrem geschrumpft – von über 80.000 registrierten Mitgliedern auf 2.400. Auch der „Overlast“ rund um den Laden hat sehr zugenommen. Die mir schon aufgefallen jungen Leute waren wegen des schlechten Wetters nur die Spitze des Eisberges. Allerdings ist man hier einhellig der Meinung das der Wietpass auch Landesweit konsequent eingeführt wird – ohne irgendwelche „Sonderregelungen“. Als wir uns verabschiedet haben kam auch gerade ein Wagen der „Politie“ um die Ecke. Worauf hin sich die Gruppe der Strassendealer sofort in alle Richtungen verteilte und sich keines Blickes mehr würdigten. Wir wurden dann auch schnell von unserem „Rausschmeisser“ weitergeschickt, es war im sichtlich unangenehm das die Politie uns zusammen gesehen hat. Und soll ich Euch was sagen!? Ich habe mich DISKRIMINIERT gefühlt. So muss es den Menschen mit dem Stern auf der Brust gegangen sein – als der ganze Wahnsinn los ging….

Nach diesem unschönen Erlebnis bin ich dann über die Maas nach Blerick gefahren um meine alte Coffeeshop Bekanntschaft „Hubert“ (ich nenn ihn mal so;-)) zu treffen. Als „Hubert“ mir die Türe öffnete wusste ich sofort „was hier los ist“. Der Geruch war nicht zu verfehlen. Ich kannte „Hubert“ als besonnen „Altkiffer“ – der täglich seine „Dosis“ im Coffeeshop kaufte. Mit 55 Jahren auch keiner der jungen Generation. Was hat der Wietpass aus diesem alten Mann gemacht? „Hubert“ ist nun unter die Grower gegangen. „Wietpass? Fuck off!“ ist seine Einstellung – und diese teilen wohl 80% der dort einheimischen Kiffer. Kaum jemand war bereit sich registrieren zu lassen – und der „Schwarzmarkt“ blüht. „Hubert“ sagte mir es sei wieder wie vor 20 Jahren. Nur das die „Laufburschen“ wesentlich jünger geworden sind. Auch er habe sich nicht registrieren lassen und sorgt nun lieber selbst dafür das die „Versorgung“ gesichert ist. Wie ich mich im Nachbarraum dann selbst überzeugen durfte wird das auch „nachhaltig“ und „gewerblich“ betrieben. Somit kriminalisiert und diskriminiert der Pass nicht nur uns Deutsche sondern auch ganz harmlose „User“ in den Niederlanden. „Hubert“ hätte die Anlage nicht dort stehen – könnte er weiter wie gewohnt in seinem Shop einkaufen. Aber auch „Hubert“ war der Meinung das der Pass in ganz NL eingeführt wird – und das ohne „Sonderfälle“. „Die scheisse rechten“ um „Hubert“ mal zu zitieren….. ich kann da nur nickend zustimmen…..

Im übrigen hatte ich einen Weedtest mit und hab mal munter im Hotel durchgetestet. In 9 Shops eingekauft – und 9x clean….. 1x in Köln gekauft = Brixx…

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de