Auswirkungen der THC-Begrenzung

Neben dem Wietpas bzw. dem davon übrig gebliebenen Residenzkriterium werden die Coffeeshops noch mit einer weiteren Geißelung kämpfen müssen: Die geplante Obergrenze des THC-Gehalts im Cannabis von maximal 15% THC. Auch dies würde weitreichende Konsequenzen für die gesamte Branche mit sich führen.

Erstmal frage ich mich, warum das ganze überhaupt so geschehen soll. Keine der einschränkenden Maßnahmen der Regierung wird zu einem geringerem Konsum von Cannabis führen, da sieht man alleine daran, dass auch in Ländern mit weitaus restriktiveren Regeln (z.B. Deutschland) Cannabis konsumiert wird und zwar mehr als in Nederland. Beim Wietpas haben wir doch bereits gesehen, dass sich der Handel nur verlagert, raus aus den reglementierten Coffeeshops, rein in die Strasse. Dort gelten keine der Regeln, mit denen teilweise den Coffeeshops das Leben schwer gemacht wird, teilweise aber auch der Konsument geschützt wird.

Es ist nunmal ein Fakt, dass Cannabis konsumiert wird und es ist ebenso ein Fakt, dass sehr viele Konsumenten potente Züchtungen verlangen. Wenn ein Coffeeshop diese nicht mehr verkaufen darf, wird halt wieder auf der Strasse gekauft. In den Coffeeshops wird die Begrenzung dazu führen, dass die Ware sich insgesamt in Richtung hohem CBD-Gehalt verschiebt, was von vielen Kunden nicht unbedingt gewünscht wird. Auch sehe ich durchaus die Gefahr, dass die Ware mit synthetischen Cannabinoiden (Stickwort “Spice”) gestreckt wird, auf die eine THC-Bestimmung möglicherweise nicht anspricht. Und das will nun wirklich keiner.

Abgesehen davon ist längst nicht geklärt, wie das Ganze überhaupt funktionieren soll. Eine qualitative Wirkstoffbestimmung wird mit einem Gaschromatographen erstellt. Die niederländische Regierung kann unmöglich die Anschaffung davon verlangen. Test bei Dienstleistern sind teuer und würden die Preise massiv ansteigen lassen, was wiederum den Strassenhandel anfeuern würde. Und wenn es staatliche Institute wären, die es für die Shops testen, dann bekommt die Regierung einen ziemlich guten Eindruck von den verkauften und gelagerten Mengen. So können sie blitzschnell Läden schliessen, da die Polizei so genau wissen würde, wann es eine neue “Lieferung” gibt und könnte Zuschlagen – die 500g-Grenze gilt ja weiterhin.

Es sind noch so viele Fragen offen:

Muss jeder Charge getestet werden? Dies wird ziemlich teuer, egal wer jetzt kostenträger ist. Laboratorien, die für ihr Personal und Gerätschaften mit Sicherheit noch andere Aufgaben haben, bekämen eine “Overlast”, wodurch vielleicht andere Wirtschaftszweige (z.B. die Lebensmittelindustrie) leiden müsste.

Wie, von wem und wie oft wird Kontrolliert? Wer trägt die Kosten? Der Steuerzahler? Der Shopbetreiber? Letztendlich der Konsument?

Fakt ist, dass ein striktes Einhalten der Regel ein völliges Wegfallen der beliebten Haze-Sorten bedeuten würde und ebenso Import-Haschisch (Marokko, Nepal etc.) hätte es sehr schwer. Das würde sich der Hanfliebhaber dann weiterhin auf dem Schwarzmarkt holen.

Eine bessere Lösung kommt aus Haarlem: Über das Gütesiegel, die “Keurmerk” habe ich hier bereits häufiger was geschrieben. Die Regelung sieht auch eine verständliche Klassifizierung vor, die dem Konsumenten eindeutig reichen würde. Ein guter Shopbetreiber tut das ja bereits jetzt schon. Er weiss am besten, welche seiner Sorten potent sind und welche eher mild. In der Regel kann man das aber auch einfach am Preis sehen ;-)

Fazit: Ein festgelegter Wert ist völliger Schwachsinn. Wenn mir ein Bier zu wenig ist, trinke ich eben zwei. Oder gleich einen Schnaps. Und genauso sieht es eben auch beim Cannabis aus.

Eine vernünftige Aufklärung der Konsumenten, gegebenenfalls eine (meinetwegen auch vorgeschriebene) Klassifizierung auf den Menükarten (Mild/Stark/Experiended users only) würde da weitaus mehr helfen.

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de

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