Warum wir in Deutschland nichts gebacken bekommen

Ich möchte jetzt mal ausnahmsweise über den niederländischen Tellerrand hinausschauen und mal ein paar Worte zu Deutschland verlieren. Da ja ursprünglich für Samstag eine Veranstaltung der Grünen Jugend in Bochum zum Thema Legalisierung angesetzt war, an der ich teilnehmen wollte, die dann leider ausfallen musste, habe ich mir intensive Gedanken zum Thema gemacht. Auch unser geschätzter Mitautor Antonio Peri hat sich bereits auf seinem Blog dazu Gedanken gemacht. Lustig, dass wir beide die selben Ideen hatten…

Ich habe mich gefragt, warum wir in Deutschland nicht voran kommen. Warum überholen uns viele Länder und werden immer liberaler was den Umgang mit Cannabis angeht, während wir hier stagnieren und sogar Rückschritte machen. Ich kam zu folgenden Aspekten:

Spendenbereitschaft

Die Legalisierungen in Washington und Colorado sind nicht einfach so durchgeführt worden. Mit den Stimmen der Kiffer allein kann man weder in den U.S.A noch in Duitsland etwas bewegen. Nein, es müssen eine ausreichende Anzahl an Nicht-Konsumenten überzeugt werden. Und dies geschieht durch Kampagnen. Schaut Euch mal den Werbefilm vom “NORML” an! Der war aufwendig produziert und es gab genug Geld, den auch zu zeigen. Nur so erreicht man die Menschen! Auch in Deutschland wäre eine groß angelegte Kampagne möglich: Printanzeigen, Plakate, Fernsehspots. Doch dazu fehlt es an Geld! Geht man einmal von einer sehr vorsichtig Geschätzten Anzahl von 5 Millionen deutschen Konsumenten aus, kann sich jeder leicht ausrechnen, wie viel man reißen könnte, wenn jeder wenigstens den Gegenwert von einem Gramm Gras spenden würde. Oder wenigstens eine verdammte Packung Papers!

Neid

Wir haben in Deutschland einen hervorragenden Lobbyverband, der für uns alle eintritt: Der DHV, der deutsche Hanfverband. Georg Wurth und Max Plenert (und mehr) reißen wirklich viel. Wenn es irgendwo Debatten gibt, sind sie mit am Start. Ausserdem, und das zählt fast schon mehr, stehen sie mit ihrem Namen und ihrer Person für die Sache. Sie verstecken sich nicht! Der DHV ist ausschliesslich durch Spenden finanziert. Und eine intensive Lobbyarbeit muss halt (zumindest für die Hauptakteure) ein Fulltime-Job sein, das heisst, sie müssen sich auch ihren Lebensunterhalt durch diese Spenden finanzieren. Es gibt nicht wenige potentielle Spender, die sich denken: Warum sollte ich spenden und denen die Marmelade auf dem Brötchen (oder in dem Fall auf der Schrippe) zu finanzieren? Lobbyarbeit funktioniert aber nur, wenn man sich ganz auf die Sache konzentrieren kann. Und ich fühle mich vom DHV gut vertreten. Mit mehr Geld könnte der DHV durchaus zu einem deutschen “NORML” werden, und dann weitaus mehr reißen als jetzt schon.

Vernetzung

Wir haben in Deutschland unzählige Blogs, Foren und Infoseiten zum Thema, das uns alle Interessiert: Cannabis. Dann gibt es noch hervorragende Printprodukte (z.B. die “Grow!”). Ausserdem eine große Auswahl an Headshops, Online und Offline. Doch mit wenigen Ausnahmen kocht jeder sein eigenes Süppchen. Schlimmer noch: Oft herrscht Konkurrenz. Das mag bei Headshops noch seine Berechtigung haben, aber ansonsten verhindert es, dass wir uns koordinieren. Es muss Instanzen geben (In den Staaten war es halt “NORML”, die all unsere Kräfte, all unsere Stimmen bündelt, um unser gemeinsames Ziel zu erreichen: Die Re-Legalisierung und die Entstigmatisierung in Deutschland! Und es muss noch weiter gehen: Wir müssen uns in Europa vernetzen. Noch besser Global!

Egoismus

Wir haben in Deutschland Millionen von Kiffern. Das davon nur ein geringer Teil dem Klischee entspricht wissen wir alle. Es gibt hervorragende Webdesigner, es gibt Besitzer von Servern. Es gibt Besitzer von Druckereien. Es gibt Leute,die ein großes Talent haben, andere zu Überzeugen. Oft jedoch hapert es daran, dass jeder für seine Leistung bezahlt werden will. Doch wir brauchen die Bereitschaft, dass man seine Talente, seine Technik und sein Know-How auch kostenlos der Sache bereitstellt! Ich will mich selbst jetzt hier nicht als den Übermenschen darstellen, aber ich verdiene mit “Kein Wietpas!” nicht einen Cent. Im Gegenteil, ich zahle Geld und investiere Zeit. Viel Zeit. Doch ich weiss, wofür ich das Ganze mache: Ich habe ein Ziel vor Augen. JEDER, wirklich JEDER hat irgendetwas, was er der Bewegung beitragen kann. Ihr bekommt vielleicht nichts dafür zurück. Ausser vielleicht mal die Legalisierung. Mir wäre das einiges Wert!

Mut

Die Strafen für Cannabisbesitz, Handel und Konsum sind in den U.S.A weitaus höher als hier. Die Gefängnisse sind voll von Menschen, die Verbrechen begangen haben, die hierzulande zu einem eingestellten Verfahren führen würden. Das hat sie aber nicht abgehalten trotzdem für die Sache zu kämpfen. Sie haben der Bewegung ein Gesicht gegeben! Sie haben darauf geschissen, sich als Kiffer zu outen, trotz allen drohenden Gefahren. Warum haben wir keinen Mut?

Auch wir können das erreichen, was in Colorado und Washington passiert ist. Auch wir können erreichen, dass in Deutschland eine Coffeeshopkultur entsteht.

Lasst uns dafür kämpfen!

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de