Ein Sonntag in Südlimburg

Wie angekündigt habe ich meine Runde gemacht und bin in allen Coffeeshops Südlimburgs gewesen. Ich bringe euch ernüchternde Erkenntnisse und ein längeres Gespräch mit.

Vorab:
Alle Shops zwischen Maastricht und Roermond (die beiden Städte habe ich nicht gecheckt) sind für nicht in den Niederlanden wohnende Personen NICHT zugänglich. Meine Niederländischkenntnisse oder/und freches Auftreten inkl. der Behauptung ich wohne in NL hätte nur keinen GBA (ich habe einen deutschen Personalausweis OHNE Wohnorteintrag) dabei, halfen nicht auch nur ein einziges Gramm zu erwerben und im Shop konsumieren zu können.

Aber:
In einen Laden bin ich dann doch gekommen und das lohnt definitiv einen Artikel daraus zu machen. Den Namen und Ort nenne ich nicht, der Besitzer möchte das nicht.

Ich war ca. 15min. zu früh und habe mich in Sichtweite des Shops unauffällig zum Warten platziert. Nach 5 Minuten kam ein „älterer“ Mann (~60) und will in den Laden. Tür zu – blick auf die Uhr – einmal rund drehen – den Punkt wo ich saß fand er dann auch zum Warten am besten und so kamen wir ins Gespräch…
Er ist SOOOOO froh, das der Wietpas durch das I-Criterium ersetzt wurde und er endlich wieder nach Belieben im Shop sitzen darf. Bis zum November wurde er (als alter Stammkunde) nur am Backdoor bedient, wegen fehlendem Wietpas durfte auch er nicht mehr in den Shop. Ebenso froh ist er, das die Grenzbelgier und Grenzdeutschen ENDLICH gezwungen werden sich selbst zu versorgen – er findet es absolut TOP, das die kleinen Shops an den Grenzen endlich wieder zu dem werden was sie sein sollten: Gemütliche Konsum- und Treffpunkte für Menschen aus der Umgebung – statt Prügelknaben und HanfLieferMaschinen für die gescheiterte Drogenpolitik der Grenzländer.

Der Shopbesitzer kommt, wir drei diskutieren gut 5min. vor dem Laden ob ich mit rein darf und mit dem „Alten“ weiter sprechen oder nicht. Das ich nichts zum Kaufen bekomme war von Anfang an klar. Es drehte sich einzig um die Frage, ob ich mit rein darf zum sprechen.
Ich durfte, aber sobald 5 oder mehr Gäste im Shop seien müsse ich gehen.

Der „Alte“ konnte mir sehr sehr eindrucksvoll schildern welches Elend die Cannabis-Prohibition, der umgebenden Länder, über die Cannabiskultur der Niederlanden brachte. Die gesamte Niederländische Hanfkultur besteht nur noch aus einem krankhaften Bestreben sich an der Illegalität in den anderen Ländern zu bereichern. So wird selbst der enthusiastischste Shopbetreiber zur Geisel der Mafia und wäre kaum noch in der Lage sein eigenes, korrektes Ding zu machen.

Mit Beginn der Duldung, hätte unmittelbar das Backdoor gelöst werden müssen – dies sei im Grunde die einzig wahre Fehlentscheidung der Niederlanden gewesen – jeglichen anderen Schuh müsse sich Deutschland und Belgien anziehen – aber ausschließlich die Niederländischen Konsumenten ausbaden. Der Ausschluss von Belgiern und Deutschen sei „PillePalle“ gegen die Abwärtsentwicklung die die NL-Szene in den letzten 35 Jahren erleiden musste.

„Wir NL-Kiffer waren in NL mal ne flippige Gruppe, belächelt, nicht sehr Ernst genommen, aber doch Teil der Gesellschaft – und wir konnten tun und lassen was wir wollten – weil wir nichts machten was wirklich schädlich war. Jetzt stehen wir am Rand der Gesellschaft, werden verfolgt und müssen uns verstecken. Warum? Wegen Euch!“

Anhand meines Beispiels (in der Nähe wohnend, ein bischen NL sprechend, was älter, usw.) wollte ich verdeutlichen das es doch sehr wohl ungerecht ist partout ohne GBA auszusperren. Der „Alte“ kannte kein Pardon!

„Wenn ich in Aachen und Lüttich in einen CS gehen darf… dann bist Du auch wieder herzlichst willkommen. Jetzt aber lasst uns bitte einen Weg finden in dem zumindest wir NL-Kiffer noch in Würde weiter machen können – bis ihr eure Dinger geklärt habt!“

Naturgemäß sah der Shopbesitzer die Sache etwas anders, zumal er 1,5 Vollzeitstellen kündigen musste. (Eine halbe Kraft kommt jetzt aber zurück – der Wegfall des Wietpas macht den Laden wieder rentabel – für die alte Besetzung müssten die Deutschen und Belgier aber wieder rein dürfen – und das wünscht er sich sehr ). Sein größtes Problem ist, das er sein Gras nicht selber anbauen darf und seit einigen Jahren auch nicht mehr macht, weil die Tarnung der Anlagen mittlerweile viel zu aufwendig ist – was wiederum eine Folge der umgebenden Prohibition sei. Mit dem diskutierten Anbau durch die Gemeinden könne er sich gut anfreunden – wenn denn die Qualität stimmt. Die 15% sieht er ganz entspannt… A) glaubt er absolut nicht an eine Umsetzung und B) knallen 15% top – wenn es nichts anderes gibt – deswegen hört also kein Mensch auf zu kiffen!

Der Shopbesitzer war total fasziniert von keinwietpas.de, der „Alte“ fand es völlig überflüssig – Diese Energie solle man in eigene CS stecken, statt über die Verhältnisse der Nachbarn zu jammern.

Ein später hinzukommender Gast (~30), geboren und aufgewachsen in Vaals, zerriss den „Alten“ mit seiner eher abweisenden Einstellung gegenüber ausländischen Gästen.

„Umgebung ist ALLES im Umkreis von 50km – völlig egal ob Deutschland, Belgien oder die Niederlanden – Da dürfen wir doch keinen Unterschied machen… und wenn wir unsere direkten Nachbarn auch als unsere Nachbarn akzeptieren, sind deren Nachbarn auch unsere Nachbarn – WIR LEBEN IN EUROPA!
Wir NL-Kiffer und gerade Du alter Sack, der Du schon immer in der Szene bist, hätten auch von Anfang an Druck auf unsere Regierung ausüben müssen das Backdoor viel früher in den Griff zu bekommen. Dann wäre unser Coffeeshopsystem auch ein besseres Beispiel für die anderen Länder gewesen. So hast aber auch Du Dir blos die Rübe dicht gemacht und es passieren lassen. Schimpf nicht nur über die Ausländer – schimpf auch mit Dir selber!“

Völlig einig war man sich in einer Sache und das geht direkt an unsere Adresse:
Ohne die Ausländer, die nur rein kommen, 5gr kaufen und wieder weg sind, ist es viel geselliger in den Shops. Niederländische Gäste bleiben jetzt auch länger wie früher. Man kennt sich wieder besser.
Als der 7te Gast kam (und ich gehen musste) waren wir in etwa da angelangt, das für den CS-Besuch von Ausländern eine Verzehrplicht von ca. 10€ gelten sollte – in der Hoffnung, das die Ausländer dadurch länger im Shop bleiben und die Kultur der CS „mitleben“, statt sich im Vorbeiflug blos 5gr zu schnappen… alternativ könnte die alte 30gr. Reglung die Lage auch sehr entspannen…!

Das war der interessante Teil. Den Rest gibts in Kurzform:

Sittard:
– kein Zugang
– Drugsrunner – scheinbar Nein
– warten auf Marc

Geleen:
– kein Zugang
– Drugsrunner – vermutlich Ja
– warten auf Marc

Heerlen:
– kein Zugang
– Drugsrunner – Ja
– NOS-Artikel SCHEISSE. Ohne Ende Leute die es aufgrund dessen probieren.

Hoensbroek:
– kein Zugang
– Drugsrunner – vermutlich Ja
– Nirgends bin ich unfreundlicher abgewiesen worden!

Kerkrade:
– kein Zugang
– Drugsrunner – Ja
– warten auf Marc

Eygelshoven:
– kein Zugang
– Drugsrunner – scheinbar Nein
– Die telefonische Info, das man auf eine konkrete Antwort des Bürgermeisters warte wurde nicht bestätigt – Chef war aber auch nicht da und ich weis nicht mit wem ich telefoniert hatte… (Kann eigentlich nur er selbst gewesen sein)

Alle warten eigentlich auf Marcs Prozess, aber nicht in der Form, das sie dann wieder aufmachen können, sondern in der Form das sie dann endlich langfristig planen können. Hier im Süden glaubt kein einziger CS-Besitzer ernsthaft daran, das Marc gewinnt und in 2013 noch irgendwas für Ausländer gehen wird… aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

hanfgleichstellen

Ich kann es nicht mehr sehen/lesen/hören mit welcher Ignoranz unsere Politik die guten Gründe für einen konsequenten Wandel in der Drogen- und Genussmittelpräventionspolitik ignoriert.
Ebenso wenig konnte ich noch weiter mit ansehen, das solche Menschen wie ich nicht in die Öffentlichkeit gehen und den Finger in die Wunde legen - auch wenn, oder gerade weil, das mit negativen Folgen belegt sein kann.
Macht mit! Werdet wenigstens Sponsor im DHV o.ä.!