Gastbeitrag: Vom Coffeeshop zum Brix-Dealer. Und wie geht’s wieder zurück?

Ich freue mich immer, wenn ich etwas vom “Grooveman” lese. Ich schätze seine Kommentare hier im Blog, seine Arbeit für den DHV und natürlich auch sein recht neues eigenes Blog. Daher fühle ich mich auch geehrt, dass er für “Kein Wietpas!” einen Gastbeitrag geschrieben hat. Vielen Dank dafür!

Seit vor über einem Jahr die ersten Pläne für den Wietpas öffentlich wurden, scheint in den grenznahen Regionen Deutschlands und anderer Länder, eine regelrechte Panik ausgebrochen zu sein. Sehr viele Cannabiskonsumenten waren und sind daran gewöhnt, ein qualitativ hochwertiges Produkt zu einem fairen Preis zu erwerben, und dabei auch noch eine gewisse Auswahl zu haben. Jetzt sind diese Menschen auf einmal mit einem Cannabismarkt konfrontiert, den sie bisher gar nicht kannten und der ihnen ganz offensichtlich nicht gefällt… Sie wissen ganz genau, dass es eigentlich auch besser ginge, aber die Politik in Deutschland ihnen nichts Besseres zugestehen will. Sie wissen, dass das Verbot kein Naturgesetz ist, sondern von Menschen gemacht und aufrecht erhalten wird.

Deswegen habe ich seitdem die Hoffnung, dass einige dieser Menschen anfangen werden, sich aktiv für politische Veränderungen auch in Deutschland stark zu machen. Im Ruhrgebiet [Anmerkung von mobo: wohl eher Rheinland] hat sich der Cannabis-Colonia e.v. gegründet, und hier auf “Kein Wietpas!” habe ich auch oftmals Ansätze für ein steigendes politisches Bewußtsein entdecken können, auch wenn sich hier augenscheinlich vieles nur um „das Eine“ dreht. Aber das finde ich völlig OK, denn darum geht es uns Legalisierungsaktivisten ja schließlich irgendwie auch: Wo bekommt man in Zukunft sein Gras her?

Denn sind wir mal ehrlich: Wir müssen das Problem in Deutschland lösen! Eine Rücknahme des I-Kriteriums in den Niederlanden ist keine wirkliche Lösung des Problems, auch nicht für Menschen in Grenznähe. Jede Woche 10-100 km zu fahren, um Cannabis in einem anderen Land zu kaufen, kann – wie ich finde – für niemanden eine langfristig erträgliche Situation sein! Wir brauchen Freiheit und Selbstbestimmung in unserem eigenen Land. Nicht nur um Gras zu kaufen, sondern um auch wirklich Freiheit zu empfinden!

Nun, bis hierhin stimmen mir sicherlich die meisten grundsätzlich noch zu. Trotzdem sehen viele noch keinen besonderen Wert darin, sich mit finanziellem und zeitlichem Aufwand für die Legalisierung einzusetzen. Entweder, weil sie es für völlig unwahrscheinlich halten, oder weil sie denken sie würden sich dadurch öffentlich outen.

An jene, die die Legalisierung jetzt sofort und ohne langen Kampf wollen: Vergesst es! Wir werden das nicht in ein paar Jahren endgültig regeln, aber wir können langsame, kleine Fortschritte machen. Und wir können sogar Fortschritte machen, ohne dass sofort Gesetze geändert werden. Einfach nur indem wir uns mehr zeigen, uns mehr trauen, und uns mehr freie Lebensräume zurückerobern. Wir sollten uns nicht vor unserer Aufgabe verstecken, nur weil es länger dauern könnte als uns lieb ist.

Und an die, die Ängste und Paranoia plagen kann ich nur sagen: Ich verstehe euch! Ich musste mich selber auch langsam rantasten; war anfangs immer mit Sonnenbrille auf Demonstrationen und habe bekannte Aktivisten von der Telefonzelle aus angerufen. Irgendwann gewöhnt man sich daran, dass die Polizei sich nicht besonders für legale Hanfaktivisten interessiert. Und solange man keinen Klarnamen im Internet verwendet, kriegt es auch kein Arbeitgeber mit, was man da macht. Von den Überweisungen an den Hanfverband erfährt sowieso niemand, das ist also die einfachste, sicherste und diskreteste Art um sich zu engagieren. Außerdem: Ein Engagement für die Legalisierug ist noch kein Konsum-Outing. Ihr könnt im Zweifelsfall immer noch behaupten, dass ihr nur gegen das Verbot seid weil viele Menschen darunter leiden, und es gleichzeitig den Konsum nicht reduziert und einen wirksamen Jugendschutz verhindert. Es gibt viele gute Argumente gegen die Prohibition, man muss also kein Kiffer sein um sich politisch zu engagieren.

Ein letzter Grund hält noch viele Menschen von einem Engagement ab, das ist die Vereinzelung. Viele von uns kennen niemand anderen, der sich wirklich aktiv für die Legalisierung einsetzen will, daher fällt es schwer selber aktiv zu werden. Nun gibt es aber immer mehr Gruppen in Deutschland, die langfristig dabei sind und auf eure Mitarbeit warten. Ihr müsst euch nur trauen, mal hinzugehen und Hallo zu sagen. Ich liste hier mal die gefestigten lokalen Gruppen auf.

Frankfurt: info@hanf-initiative.dewww.hanf-initiative.de Website zur Zeit down – Global Marijuana March am 04.05.2013 am Opernplatz, 14 Uhr.

Köln/Ruhrgebiet: http://cannabiscolonia.de/ Hier wird ebenfalls eine Aktion zum 04.Mai geplant, bitte nehmt Kontakt auf.

München: http://www.hanffreunde-muenchen.de/

Hannover: http://ottmob.chillenodergrillen.de/

Berlin: www.hanfparade.de

Ansonsten findet ihr auch im DHV-Forum Menschen aus vielen Regionen Deutschlands, die sich gerne aktiv für die Legalisierung einsetzen wollen. Ich selbst bin dort Moderator, und widme mich in meinem Blog verschiedenen Grundlagendiskussionen und Ideen rund um die alltägliche Legalisierungsarbeit.

Also, lasst uns die Dinge mal in die eigenen Hände nehmen. Immer nur abwarten, verstecken oder meckern bringen niemanden weiter, auch ganz persönlich nicht. Wir müssen als gesellschaftliche Gruppe wahrgenommen werden, die um ihre Rechte kämpft, anstatt sie sich einfach ohne jede Gegenwehr wegnehmen zu lassen. Auch wir sind das Volk!

In diesem Sinne: Lets Legalize it!

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de

Letzte Artikel von mobo (Alle anzeigen)