Interview mit Soma

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Ich habe es bei twitter und Facebook bereits großkotzig angekündigt: Jetzt folgt ein Beitrag, auf den ich seht stolz bin! Zugleich ist es auch der erste Beitrag unseres neuen Autoren mit dem Nickname “Bastone39”. Der gute Mann ist ein Exildeutscher, der seit 4 Jahren in Amsterdam lebt und Arbeitet und somit ganz nah am Geschehen sitzt und von dort berichten kann! Den ersten Beitrag veröffentliche ich jetzt noch, ab dem nächsten kann er es über seinen eignen Namen tun. Bastone39, ich freue mich sehr, dass Du jetzt mit an Board bist! Herzlich willkommen!

Zum Einstand hat er dann gleich mal ein Interview mit einer lebenden Legende geführt: Mit Soma von somaseeds.nl. Ohne dieser aussergewöhnlichen Persönlichkeit würden heute in den Coffeeshops Sorten wie “Amnesia Haze” oder “NYC Diesel” fehlen… Doch nun zum Interview!

 

Bastone39: Soma, du bist vor 17 Jahren in die Niederlande gezogen, was war der Grund dafür?

Soma: Also, ich kam zum ersten Mal vor 18 Jahren hierher, das war 1994. 1995, also vor 17 Jahren, zog ich dann hierher. Als ich zum ersten Mal hier war, habe ich diese freie Geisteshaltung gefunden, die mir in Amerika so sehr gefehlt hat; eine positive Lebenseinstellung und eine sehr tolerante Haltung, die meinen Lebensstil als Raucher und Züchter von Cannabis unterstützt.

Zuerst war es Cannabis, das mich hierher brachte, aber danach entdeckte ich die Hausgeburt und dass die Geburt hier etwas sehr Wichtiges ist. Zwei meiner Enkelkinder sind hier geboren. Dann sah ich die vielen Fahrräder und die Radwege auf den Straßen und ich dachte “Wow, das ist eine tolle Sache”, so etwas gibt es an Orten wie NYC nicht, wodurch der Straßenverkehr viel gefährlicher wird. Außerdem fand ich es beeindruckend, wie die Niederländer mit Tieren arbeiten und wie hochentwickelt die Tiermedizin in diesem Land ist.

Als ich anfing hier zu leben, schätzte ich das Land bereits für viel mehr als nur für Cannabis.

 

Bastone39: Welche Veränderungen bezüglich der Cannabispolitik hast du seitdem miterlebt?

Soma: Als ich in die Niederlande kam, waren sie weltweit die Nummer Eins, wenn es um Toleranz und Fortschrittlichkeit in Bezug auf Cannabis ging.

Sie haben ihre Führungsposition verloren!

In Europa haben sie sie an Spanien verloren; vielleicht noch nicht komplett, aber international haben sie sie an Amerika verloren, genauer gesagt an Kalifornien, Colorado und Washington. Und ich kann es nicht fassen, dass eine Nation, die vor beinahe 30 Jahren schon ein Verständnis für die Problematik entwickelt hat… wie diese Führungsposition je abhanden kommen konnte. Sogar Israel setzt heutzutage Cannabis in der Medizin ein. Holland war einer der ersten Länder der Welt, wo man medizinisches Cannabis bekommen konnte. Ich habe es vom ersten Tag an bekommen. Denn obwohl ich 2005 am offenen Herzen operiert wurde, ist Cannabis die einzige Medizin, die ich nehme und es hält mich seit diesen 8 Jahren gesund; daher ist es sehr schwer für mich zu verstehen, warum Holland jetzt so zu diesem Thema steht.

Soma Mission

Bastone39: Denkst du denn nicht, dass ein großer Teil davon von der EU ausgeht?

Soma: Sicher hat es mit der EU zu tun, aber Holland sollte dennoch die Zügel in die Hand nehmen und dem Rest der EU zeigen, wie es richtig geht und was Cannabis für eine wichtige Ressource ist… Sowohl in Bezug auf die Medizin als auch die Freizeit und die Industrie…bei dem vielen Cannabis, das in Holland wächst, hätte schon jemand in der Regierung eine Organisation auf die Beine stellen können, um die Abfälle zu recyceln und sie zu Küchen- und Toilettenpapier weiterzuverarbeiten. Es hätte schon getan werden können, anstatt die Kriminalisierung voranzutreiben. In Colorado wird schon damit begonnen. Es gibt Sammelstellen, wo all der Cannabis-Abfall gesammelt und zu Papier verarbeitet wird. Das ist der richtige Weg.

 

Bastone39:Du hast erwähnt, dass du das Cannabis hier auf Rezept bekommst. Wie ist die Qualität des medizinischen Cannabis in Holland?

Soma: Ich habe ein Rezept über 10 bis 15 Gramm Cannabis pro Tag und ich bekomme es gleich hier in der Apotheke. Und es ist ungesundes Cannabis. Warum? Weil es ein wenig bestrahlt wurde und dadurch ungesunde Stoffe entstehen, die natürlicherweise nicht vorkommen. Sie sind nicht an Menschen getestet und es ist nicht gut für sie. Denn die Stoffe sind kein Teil der natürlichen Cannabispflanze, die medizinisch wertvoll ist.

 

Bastone39: Zu welchem Zweck wird das Cannabis bestrahlt?

Soma: Das ist ein Sterilisierungsprozess, aber in diesem Prozess verliert die Cannabispflanze viel von ihrer Lebenskraft und wirkt nicht mehr auf die selbe Art als zum Beispiel mein natürliches Cannabis, das ich selbst anpflanzen würde.

Ich kann in einen Coffeeshop gehen und viel besseres Cannabis bekommen als in der Apotheke, wo es als Medizin angepriesen wird, und im Coffeeshop ist es meist sogar billiger, denn in der Apotheke kostet es ungefähr 9-10 Euro pro Gramm.

 

Bastone39: Wie war die Spannabis dieses Jahr?

Soma: Nun, wenn wir uns den Cannabis Cup vom letzten Jahr anschauen, der der 25. seiner Art war, ist dieser auf der ganzen Welt als sehr positiv und unkriminell bekannt. Im letzten November war also das 25. Mal und es gab eine Regel: niemand durfte mehr als 5 Gramm Cannabis dabeihaben. Als Cannabis-Züchter, der Experte auf seinem Gebiet ist und sehr hart arbeitet um neue Arten zu entwickeln, muss man wirklich zu den Besten der Besten gehören. Es war zwar jeder wichtige Züchter vertreten, der etwas wirklich Gutes zu bieten hatte, aber wegen der 5 Gramm-Regel war es kaum möglich das auch zu zeigen. Wenn man eine Messe veranstaltet- egal welcher Art- muss man Proben seiner Produkte haben, um gute Geschäfte machen zu können und der Öffentlichkeit zu zeigen, was man hat. Das war in Amsterdam letztes Jahr nicht möglich.

In Barcelona andererseits durfte man allerlei Proben dabeihaben, um sie dem Publikum zu zeigen. Es war eine richtige Cannabis-Messe, wie sie sein sollte, wo man auch tatsächlich seine Waren präsentieren konnte. Den mit so vielen Einschränkungen wie beim letzten Cannabis Cup ist alles so begrenzt, dass nur halb so viele Menschen von weit her anreisen und so viel Geld bezahlen wie für eine richtige Messe, weil sie im Ergebnis nur eine halbe Messe geboten kriegen. Und das nur wegen der engstirnigen Politik der Niederlande.

In Amsterdam erlebt man es jetzt, wie etwas, das immer als freies Gut angesehen wurde, plötzlich als etwas Schlechtes betrachtet wird. Und sie scheinen dabei zu vergessen, dass es immer so etwas Positives für die Wirtschaft war, wie auch für die Patienten, so ein gutes Mittel gegen Stress und – im Vergleich zu den Schäden durch Alkohol – so ein Gewinn für die Freizeitgestaltung.

 

Bastone39: Ein kurzes Schlusswort?

Soma: Ich denke, dass es irgendjemand in der niederländischen Regierung einsehen wird, dass Menschen mit wenig Geld nicht so weit für einen Museumsbesuch reisen würden wie dafür, einen Joint rauchen zu können.

 

Bastone39: Vielen Dank, Soma!

 

Vielen Dank auch an die freundliche und vor allen extrem schnelle Übersetzerin des Interviews! Es wurde aufgenommen in Somas Wohnung in Amsterdam. Hier noch ein Mitschnitt in (gut verständlichem) englisch.

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de

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