Zwei Sorten Cannabis in den Niederlanden

CC-Lizenz. Urheber: Philipp von Ostau
CC-Lizenz. Urheber: Philipp von Ostau

Ein beliebtes Mittel gegen Kopfschmerzen ist Ibuprofen. Ohne große Probleme kann man in jede Apotheke marschieren und sich eine Packung mit 400er Tabletten davon kaufen. 400mg Ibuprofen sind frei verkäuflich. Man kann Problemlos ne volle Tüte von den Packungen erwerben. Will man hingegen 600er oder gar 800er kaufen, geht das nur mit einem Rezept vom Arzt. Diese Regelung ist der größte Schwachsinn, da man auch einfach zwei 400er nehmen kann und man hat genau den selben Wirkstoff zu sich genommen, wie mit einer 800er. Mir persönlich erschliesst sich nicht wirklich der Sinn einer solchen Regelung.

Auf die Spitze treiben möchte es jetzt aber die Niederlande: Cannabis mit einem THC-Gehalt von mehr als 15% sollen dort ab dem 01.01.2014 aus den Coffeeshops verschwinden und wird dann wohl in Zukunft nur noch auf der Strasse bekommen zu sein. Das ist sehr nett gegenüber den Strassenhändlern, deren Existenz ja durch die Rücknahme des Wietpas und der Aussetzung des I-Kriteriums in vielen Gemeinden ja stark bedroht ist.

73740_10200941429326473_1491456050_nDieses hochpotente Cannabis wird dann in die “Liste 1” des niederländischen Betäubungsmittelgesetz aufgenommen und damit mit harten Drogen wie Heroin gleichgestellt. Coffeeshops müssen sich dann sehr gut überlegen, was sie kaufen, denn das Eis, auf dem sie sich bewegen wird dann noch dünner als es jetzt schon ist. Die natürliche Schwankung des THC-Gehaltes kann nämlich schnell dazu führen, dass der Budtender zum Händler von harten Drogen wird. Und das wird auch in den Niederlanden hart bestraft.

Das andererseits die Niederlande im großen Stile medizinisches Cannabis mit einem THC-Gehalt von 19% (Bedrocan) produziert und auch erfolgreich ins Ausland exportiert (aktuell ca. 60kg/Jahr nach Deutschlands, Tendenz steigend) scheint dabei fast schon egal zu sein.

Die Grenze von 15% scheint dabei extrem willkürlich zu sein. Cannabis mit 14,99% THC ist also ein harmlose, weiche Droge, die toleriert werden kann, ab 15,0% THC wird es aber zur gefährlichen Killerdroge vor der man seine Bevölkerung schützen muss. Komme was wolle.

Was ist nur aus den Niederlanden geworden, die mit ihrer innovativen und vor allem auch erfolgreichen Drogenpolitik einen anderen Weg gezeigt hat? Die neue Regelung wird genau das bewirken, was der Wietpas (und später das I-Kriterium) verursachten: Einen stark ansteigenden Straßenhandel. Und diesmal werden selbst die Dealer, die nur Cannabis im Programm haben genauso behandelt wie Heroindealer. Herzlichen Glückwunsch!

Doch das ist nicht der einzige Beschluss, der die Niederlande umkrempeln wird:

So soll der Handel mit professionellem Growzubehör verboten werden. Nach der Bedrohung (und auch vielfacher Schliessung) der Coffeeshops, fürchten jetzt auch die Betreiber von Growshops um ihre Existenz. Das die selben Materialien teilweise auch in Baumärkten und Gartenzubehör-Geschäften erhältlich ist, scheint dabei völlig irrelevant zu sein.

Die weiche Droge Khat, die in den Niederlanden von vielen Einwanderern traditionell konsumiert wird, wird unter verschärfter Beobachtung gestellt, auch hier droht ein Verbot.

Das alles sind extrem beunruhigende Zeichen. Es gibt mittlerweile so viele Baustellen in der niederländischen Drogenpolitik, dass man gar nicht mehr weiß, wo man zuerst aufschreien und demonstrieren will. Und der Trend zu mehr Konservatismus hält an. In aktuellen Umfragen hat die PVV wieder enorm zugelegt. Hilfe!

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de