Gastbeitrag: Vor Ort in Venlo

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Würde ich für jedes Mal, wenn jemand nach Venlo fragt ein Stück Käse bekommen, könnte ich längst die holländische Staatsbürgerschaft beantragen… Und weil ich mit Sicherheit nicht der einzige bin, der aufgrund der vielen Nachfragen leicht genervt ist, hat sich unser treuer Leser Elli in die verbotene Stadt gemacht und sich einmal umgeschaut! Vielen dank dafür und dass du Deine Erfahrungen mit uns teilst!

Ich war heute in Venlo, um zu sehen wie die Situation in der Stadt mit den Dealern aussieht. Weiterhin wollte ich in die Coffeeshops und folgende Fragen stellen:

1. Wann verkaufen Sie wieder an Ausländer?
2) Wie sieht die Situation mit den Dealern aus?
3) Warum haben Sie sich nicht Maastricht angeschlossen am 5. Mai und die Coffeeshops für Ausländer geöffnet?,
4) Kennen Sie Kein Wietpas! ?

Zuletzt hatte ich vor, einen Coffeeshopmitarbeiter zusammen mit dem Kein Wietpas! – Plakat abzulichten.
Angefangen habe ich bei dem Coffeeshop Oase. Die Oase ist geschlossen, allerdings ist die ganze Ausstattung weiterhin vorhanden. Angefangen von den Außenbeleuchtungen bis zur Inneneinrichtung, so weit ich das sehen konnte, so dass man darauf schließen kann, dass die Oase nur vorübergehend stillgelegt ist. Als nächstes besuchte ich den Coffeeshop Klein Maar Fijn in der Nähe des Marktes. Von außen konnte man im Fenster bereits ein Schild erkennen, auf dem „no discrimination“ steht. Ich ging hinein und erklärte was ich vorhatte, aber leider wollte man mir keine Frage beantworten. Ich hörte immer nur: „Ich weiß nicht“. Ziemlich enttäuscht verließ ich den Laden wieder. Danach ging ich dann direkt zum Nobody Place. Aber auch hier waren die Antworten leider einsilbig.
Zu 1): „Es ändert sich täglich was. Wir wissen nicht was passieren wird“.
Zu 2) „Ja, Dealer sind mehr geworden. Ich muss nur in der Nähe herumgehen und würde ohne Probleme welche treffen“.
Zu 3) Ausweichend geantwortet.
Zu 4) „Ja“. Ich habe daraufhin gefragt, ob ich für KeinWietpas! ein Foto machen dürfte, aber man meinte, besser nicht, ich solle mich das nächste Mal vorher anmelden, dann würde mir geholfen werden.

In der Nähe des Nobodys Place traf ich dann auch einen Dealer. Zuerst hörte ich nur ein Pfeifen, dann nochmal und dann ein Hupen. Ich ging weg in die entgegengesetzte Richtung. Aus den Augenwinkeln konnte ich sehen wie mir jemand folgte. Kurz danach holte mich jemand ein und fragte mich ob ich was wolle: „Gras, Hasch, Kokain oder Pillen?“ Ich blieb nicht stehen und verneinte freundlich. „Wirklich nicht? Ich hab alles.“ „Nein, ich nehme nichts“. „Ehrlich?“ „Ja, wirklich.“ „Ok. Ciao“. „Ciao“. Das war ungefähr die Konversation zwischen uns. Er war um die 20 Jahre und nicht aggressiv oder besonders aufdringlich. Kurz danach traf ich zwei Polizistinnen, die auf Fahrrädern unterwegs waren. Ich fragte sie nach ihrer Meinung. „Ist die Situation seit Wietpas / Einwohner-Kriterium besser oder schlechter geworden? Die beiden guckten mich an. Die Antwort: „Ich weiß nicht“. „Es gibt aber mehr Dealer“, sagte ich, „oder?“ Die Polizistin nickte, sagte aber nichts. Ich glaube sie waren ein bischen überrascht und fühlten sich überrumpelt. Ich merkte: Das ist ein schwieriges Thema. Irgendwie will keiner offen sprechen.
Danach sprach ich noch drei Personen an. Einmal in einem Supermarkt einen Angestellten, bei dem ich abermals die Antwort: „Ich weiß nicht“ bekam. Spätestens da musste ich heftig Grinsen. Dieser Mann gab mir allerdings zu verstehen, dass er sich mit der Situation überhaupt nicht beschäftigt habe. Dann sprach mich jemand in der Fußgängerzone an, um mir etwas zu verkaufen (keine Drogen). Ich nutze die Gelegenheit um zu fragen und zu meiner Überraschung bot er mir an, mir Cannabis zu besorgen, wenn ich wollte. Zuletzt fragte ich noch einen Angestellten am Bahnhof von Venlo. Endlich mal jemand der mehr sagte als „ich weiß nicht“. Er sagte mir, die Situation ist deutlich schwieriger geworden seit dem Wietpas. „Es gibt wieder mehr Drugdealers. Die Coffeeshops sollen wieder für die Ausländer öffnen.“

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de

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