Gastbeitrag: Coffeeshops und Volksgesundheit

Unser Leser “pseicoman” ist mir kürzlich durch einen sehr eloquenten und weitsichtigen Kommentar aufgefallen, so dass ich ihn gebeten habe, doch mal einen Gastbeitrag zu verfassen. Dies hat er dann auch getan! Vielen Dank dafür!

In Radiosendungen wird neuerdings stolz betont, dass insgesamt der Cannabiskonsum zurückgeht. Gleichzeitig wird aber beklagt, dass immer mehr legale Chemie konsumiert wird. Zählt man dazu, dass aktuell zur Debatte steht, inwieweit die steigende Anzahl der computergebundenen Süchte in klinischen Diagnostiksysteme deutlicher berücksichtigt werden müsse, stellen sich mir zwei Fragen: Ist das Ziel der Cannabisprohibition mit solchen Konsumverschiebungen als gelungen zu betrachten? UND.. Zum Teufel, woher kommt dann eigentlich diese viel beschworene Overlast?

Selten wird in diesem Blog übergreifend über den Konsum gesprochen. Menschen haben ein gewisses Suchtpotential. Dem Gehirn ist es eigentlich herzlich egal, ob es durch einen Stoff oder durch ein Computerspiel gereizt wird. Und Menschen, die keinerlei Suchtpotential haben, kenne ich nicht. Gerade die große Welt der stoffungebundenen Süchte ist unendlich. Aus dieser Perspektive ist die Einteilung in gute oder schlechte Konsumarten sehr willkürlich. Besser wäre es, sich mit der Frage zu beschäftigen: Was wissen wir über welchen Stoff und kennen wir seine Auswirkungen? Es ist erstaunlich, dass man legal Stoffe erwerben kann, die zum Teil völlig unbekannt sind. Ebenso werden immer mehr Maschinen Kindern zugänglich gemacht, obwohl wir nicht wissen, welche Auswirkungen diese virtuellen Welten auf die Gehirnentwicklung haben.

Ganz anders verhält es sich mit der Cannabis-Pflanze. Sie ist uralt, noch meine Großeltern hatten eine Seilerei und haben selbstverständlich Hanf angebaut. Früher rauchten übrigens viele Menschen Hanf, weil sie zu arm waren, um sich Tabak zu leisten. Cannabis hat sehr viele positive Wirkungen, allerdings hat diese Pflanze auch negative Seiten. Wird Sie vor oder während der Pubertät konsumiert, kann sie zu psychotischen Erkrankungen und Entwicklungsproblemen führen. Alles kein Geheimnis, übrigens durchaus ähnlich wie bei Alkohol. Und das ist der Grund, warum es nicht nur Altersbeschränkungen für Alkohol, sondern auch für Cannabis geben muss. Unverständlich ist allerdings, warum die Kontrolle des Alkoholkonsums so locker gehandhabt wird, “Koma-Saufen” zu einer etablierten Vokabel geworden ist, während Cannabis juristisch und gesellschaftlich geächtet wird.

Der Coffeeshop sollte eigentlich mal eine Lösung für dieses Problem sein. Jugendliche sollen nicht diese Stoffe konsumieren, optimal für deren Entwicklung wäre es, wenn Sie an der Schwelle zum Erwachsenenleben in diese Welt eingeführt werden und eine Konsumkultur gemeinsam mit Älteren entwickeln könnten. Doch genau dieser Gedanke ist irgendwie in Vergessenheit geraten. Wer Straßendealer den Weg bereitet, der schafft zukünftig mehr Verrückte, die übrigens langfristig auch versorgt werden müssen.

Die Coffeeshops sind dafür da, dass wir eine altbekannte Pflanze kultiviert und zusammen genießen können. Wenn diese Chance einer Konsumkultur vertan wird, dann ist es kein Wunder, dass wir nur über Grammzahlen oder die richtigen Personalausweise reden müssen. Wenn die alten Überlegungen, die zur Einführung von Coffeeshops geführt haben, mal wieder mehr präsent wären, dann könnten wir viel gesundheitlichen Schaden verhindern. Denn die Coffeeshops waren ein Referenzmodell, dass andere Länder unter Druck setzt. Am Ende sollte es einer Gesellschaft doch vor allem um die Gesundheit gehen und nicht um die Frage, welcher Stoff hat die bessere Lobby. Daher hoffe ich, dass sich die Situation in Maastricht verbessert.

Doch damit meine Vision nicht nur theoretisch ist, möchte ich Euch zum Abschied eine kleine Geschichte erzählen:

Ein Freund von mir hatte nicht richtig aufgepasst und ein Samen fand ungewollt den Weg in die Erde. Und so entstand eine riesige Pflanze, die er dann doch einfach wachsen ließ. Eines Tages blickte er aus dem Fenster. Und da stand ein alter Mann, begutachtete die Pflanze und ging. Am nächsten Tag stand der Mann wieder da, und am nächsten Tag, wieder und wieder. Irgendwann ging mein Freund dann raus und fragte den Mann, was er da machen würde. Und der alte Mann antwortete: Ja, ja, das kennen wir.. das haben wir früher auch immer geraucht.. Musst aber aufpassen, wenn Du zuviel davon nimmst, dann wirst Du “dull” im Kopf.

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de

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