Konkurrenz für Coffeeshops? Cannabis Social Club in Utrecht

Möglicher Ort für den ersten CSC der Niederlande
Möglicher Ort für den ersten CSC der Niederlande

Das niederländische Coffeeshopmodell wurde in den 70ern zu einer weltweit einmaligen Revolution: Neben Sterbehilfe und Abtreibungspolitik war es DAS Aushängeschild für das tolerante Land. Doch es zeigten sich auch Probleme: So sorgt die Hintertür-Problematik für mafiöse Strukturen bei der Versorgung der Coffeeshops, Ende der 90er ging es langsam mit der Streckmittelproblematik los und die Nachbarländer rufen seit eh und je “Mimimi” aufgrund des Drogentourismus. Das Modell wurde in seiner Struktur kaum verändert, nur die Regeln wurden strenger. Zwar war die Politik seinerzeit weit voraus, aber so langsam überholen andere Modelle, die teilweise klüger sind. Da sind  z.B die Dispensaries in vielen US-Staaten und die Cannabis Social Clubs (CSC) in Belgien und Spanien. Und genau so einen CSC wird es jetzt bald auch in Nederland geben!

Modellversuch

Die Gemeinde Utrecht (Provinz Utrecht) hat nämlich grünes Licht für einen Modellversuch gegeben. 100 Personen haben sich bereits zu einem Club, dem “Social Cannabis Club Domstand” (SCCD) zusammengeschlossen um zusammen zur Eigenversorgung Cannabis anzubauen, mit besonderer Beachtung von sauberer Arbeit um gesundheitliche Schäden durch Streckmittel und Düngemittelrückstände zu vermeiden. Ein paar kleine Hürden gibt es noch, aber man geht davon aus, dass man sehr bald mit dem Anbau beginnen kann. Die Laufzeit des Versuches ist vorerst auf 3 bis 4 Jahre anvisiert.

Not amused

Nun ratet mal, wer davon gar nicht begeistert ist! Richtig! Justizminister Ivo Opstelten! Allerdings kann dieser so viel gar nicht dagegen tun, denn das Gesetz erlaubt ausdrücklich Modellversuche im Namen der Volksgesundheit. Übrigens wäre das auch in Deutschland möglich! Aber hierzulande haben die Lokalpolitiker nunmal keine Eier in der Hose… Ebenso kann ich mir vorstellen, dass auch die Coffeeshopbetreiber der Gemeinde nicht wirklich glücklich sind. Man sollte mal beobachten, ob es Auswirkungen auf die Qualität der Ware geben wird…

Mediwiet

Und wäre das nicht genug, wird es zeitgleich auch noch einen zweiten Modellversuch geben im Rahmen einer medizinischen Studie. Eine bestimmte Cannabissorte (leider konnte ich absolut keine Details finden), die vom Bureau Medicinale Cannabis des Ministeriums für Volksgesundheit geliefert wird, soll an einer Gruppe von  80 Menschen mit chronischen Psychotischen Störungen unter ärztlicher Aufsicht getestet werden. Bei “normalem” Cannabis würden bei diesen Menschen psychische Probleme auftraten, die bei der “speziellen” Sorte nicht vorkommen sollen. Spannende Sache…

Alles in allem kann man sagen, dass die Politik in Utrecht scheinbar auf dem richtigen Weg ist. Man kann nur hoffen, dass sich das Beispiel im ganzen Land ausbreiten wird, und Holland wieder die Vorreiterrolle in der Cannabispolitik übernehmen wird. 

Update: So wie es aussieht, geht es bei dem medizinischen Experiment um Haschisch!

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de

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