Amsterdam geht gegen Alkohol-Overlast vor

Bringt bald die "Wirtschaft" in Gefahr: König Willem Alexander
Bringt bald die “Wirtschaft” in Gefahr: König Willem Alexander

Wenn ich nicht wüsste, dass die niederländische Gesetzgebung des Öfteren skurrile Gesetze verabschiedet, hätte ich das Ganze für einen Aprilscherz gehalten. Aber es ist bitterer Ernst!

Ab 1. November soll in Amsterdam ein seit 1964 bestehendes Gesetz durchgesetzt werden: Demnach wird ein Café dafür bestraft, wenn sich dort ein betrunkener Gast aufhält. Solche Gäste müssen ab jetzt abgewiesen werden. Beim ersten Verstoß soll das Unternehmen für eine Woche geschlossen werden, bei einem zweiten Verstoß ein ganzer Monat und nach dem dritten Verstoß war es das dann mit der Selbständigkeit.

Bei solchen Gesetzen verstehe ich einfach die Welt nicht mehr. Amsterdam war seitdem ich denken kann der Inbegriff für Toleranz und Liberalität. In der Stadt schien es keine Regeln zu geben und trotzdem gab es kaum sichtbare Probleme. Doch seit Jahren findet in der Grachtenstadt ein Aufräumprozess statt, dessen Ende nicht sichtbar ist: Das Wallen-viertel soll frei von Sünde sein, dutzende Coffeeshops stehen vor einer Schliessung oder wurden bereits geschlossen, das landesweite Rauchverbot in der Gastronomie ist längst etabliert und jetzt darf man nicht mehr “einen über den Durst trinken”.

Besonders absurd finde ich die Tatsache, dass nicht der Betrunkene bestraft wird, sondern sein Gastgeber. Mit anderen Worten: Tolerante Gastfreundschaft steht bald unter Strafe!

Auch wenn mich persönlich das Gesetz nicht tangiert, da ich in Amsterdam noch nie in meinem Leben betrunken war, ist diese eklatante Einschränkung der Persönlichkeitsentfaltung beängstigend. Man fragt sich nur, was als nächstes kommt. Was sagt eigentlich Prins Pilsje König Pilsener dazu?

Quo vadis, Nederland?

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de

Letzte Artikel von mobo (Alle anzeigen)