TÜV-Plakette für Coffeeshops

Unknown

Die niederländische Cannabispolitik ist extrem ambivalent. Zum einem werden immer mehr Rückschritte gemacht: Neue Regeln werden aufgestellt, Shops geschlossen, ganze Gemeinden von Coffeeshops befreit und Bürgerinitiativen gegen neue Coffeeshops gegründet. Auf der anderen Seite gibt es spektakuläre Freisprüche von angeklagten Growern, Coffeeshopbetreibern und Lieferanten. Das Thema ist so vielschichtig, dass es sogar in Deutschland ein eigenes Blog zum Thema gibt, dass sich ausschließlich mit der niederländischen Cannabispolitik beschäftigt und dem auch nach mehr als 3,5 Jahren die Themen nicht ausgehen ;-)

Skywalker OG aus dem 1e Hulp in Amsterdam.
Skywalker OG aus dem 1e Hulp in Amsterdam.

Und dann ist da noch die Ware in den Shops. Zwar gibt es immer noch eine Menge Deluxe-Gras, dass auch den verwöhntesten Cannabis-Conneusseur noch Tränen in die Augen treibt (wenn er denn das nötige Kleingeld dafür übrig hat…), zum anderen gibt es gerade in Grenznähe eine immer schlechter werdende Qualität. Verstärkte Jagd auf die Produzenten und Konkurrenz auf dem Europäischen Markt sagen dafür, dass immer mehr auf größtmöglichen Gewinn und besten Ertrag gezüchtet wird. Das führt dann fast schon unweigerlich zu dem Einsatz von Streckmitteln und Pestiziden sowie den Verzicht auf das Spülen. Die Gesundheit (und somit auch die Zufriedenheit) der Kunden scheint vielerorts völlig egal zu sein.

Da es seitens des Staates aber nur Regulierung im Bereich des Betreibens eines Coffeeshops gibt, nicht aber über das vertriebene Produkt selbst, gibt es kaum staatliche Versuche, dies zu ändern. Das kommt halt davon, wenn die Coffeeshops nicht mehr vom Ministerium für Volksgesundheit “betreut” werden, sondern vom Justiz- und Innenministerium.

Doch es gibt auch Bestrebungen, dies zu ändern. Meist auf Initiative von Menschen, die man eher zu den Cannabisliebhabern als zu den skrupellosen Geschäftsleuten zählen würde und die eben nicht aus den Reihen der Politik kommen.

In immer mehr Gemeinden gibt es “Gütesiegel” für Coffeeshops. Angefangen hat der Trend in “Hempcity” Haarlem, wo  die sogenannte “Keurmerk” eingeführt wurde, die grob gesagt den Coffeeshops mehr Pflichten auferlegt (z.B. die Teilnahme an Fortbildungsmaßnahmen), gleichzeitig aber auch ein paar Privilegien gibt.

Einer der Dozenten der Seminare: Wernard Bruining
Einer der Dozenten der Seminare: Wernard Bruining

Jetzt gibt es ein Städteübergreifendes Gütesiegel für Coffeeshops, die sogenannte “Kwaliteitsvignet”. Diese Plakette wurde in Zusammenarbeit mit der Stichting Vakbekwaamheid Cannabis Keten (SVCK) und dem Konsumentenbund WeSmoke erarbeitet. Interessierte Coffeeshops können ihr Personal speziell schulen lassen. Dabei geht es um die Themen Verbraucherberatung, Vertrieb, Ethik, Qualitätsbeurteilung , Suchtberatung und vieles mehr.

Die Plakette zeichnet einen Coffeeshop als “verantwortungsbewusstes Unternehmen” aus, das man mit einem ruhigen Gewissen betreten kann.

Es ist eine Schande, dass solch eine Initiative von privaten Stiftungen gegründet wurde und nicht von staatlicher Seite kommt. Ein unsinniges konstruiertes juristisch Rahmenkonstrukt und die strikte Einhaltung desselbigen scheint wichtiger geworden zu sein, als die “Volksgesundheit” und qualifiziertes Fachpersonal.

Eine Übersicht der Shops, die bislang an den Schulungen teilgenommen haben und mit der Plakette ausgezeichnet wurden findet Ihr hier.

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de