Glanerbrug: Neuer Treffpunkt für Dealer

Quelle: Wiki Commons, Copyright by M.F. Naaldenberg
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So ziemlich jedem dürfte das Dorf Glanerbrug in der Provinz Overijssel ein Begriff sein. Auf dem Weg nach Enschede (Overijssel) stößt man hier auf den ersten Coffeeshop hinter der deutschen Grenze. Dies scheint aber nicht mehr der vorrangige Grund zu sein, bereits an der ersten Haltestelle in den Niederlanden auszusteigen bzw. mit dem Auto halt zu machen. In den letzten Jahren haben sich laut Anwohnern und Polizei in dem 17.000 Einwohner Örtchen einige Dealer breit gemacht und bieten die gesamte Produktpalette an. Anwohner berichten von herumliegenden Spritzen und aufdringlichem Verhalten der Straßendealer.

Wie wir ja wissen, neigen Menschen mit wenig Hintergrundwissen über die Materie zum dramatisieren und etwas hinein zu projizieren, was in der Form gar nicht da ist. Genauer gesagt handelt es sich im Fall Glanerbrug um drei Straßen, in denen mehr oder weniger offen gedealt wird. Das Hauptaugenmerk war eine Wohnung, vor der immer wieder Autos aus Tschechien, Polen und natürlich aus Deutschland geparkt haben. Nachdem die Polizei genug Beweise gesammelt hatte, gab es dann eine Hausdurchsuchung an der betreffenden Adresse. Einige Betäubungsmittel wurden sichergestellt, bei denen es sich fast ausschließlich um Wiet & Hasj handelte. Die anderen Substanzen waren wohl eher dem Eigenkonsum zuzuschreiben und nicht für den Verkauf bestimmt. In der Rondostraat herrscht seitdem wohl wieder halbwegs Ruhe aber in der W.C. Schoutenstraat und in der Dr. Stamstraat wird selbstredend weiter gedealt. In der letzteren befindet ebenfalls eine Wohnung, die laut Anwohnern einiges an Gesindel anzieht und die ruhige Nachbarschaft seit einigen Jahren völlig aus den Fugen geraten ließ. Für eine Hausdurchsuchung hat es hier wohl noch nicht gereicht und die Bewohner der Straße müssen weiter unter diesen qualvollen Bedingungen leben. Insgesamt sollen etwa an 25-30 Stellen Betäubungsmittel gedealt oder konsumiert werden. Bürgermeister Onno van Veldhuizen (D66) hat einigen Anwohnern versprochen, die Situation zu verbessern. Zudem soll die Zusammenarbeit mit der Polizei und den Wohnungsgesellschaften intensiviert werden.

,,Dorfrat-Vorsitzender” Theo de Boer bestätigt die Sorgen der Bewohner. Derzeit gehen bei ihm immer mehr Meldungen über Belästigungen durch Konsum und Handel ein. Gegenüber der Tubantia Enschede sagte er, dass die meisten Fälle auf “Softdrugs” zurückzuführen sind, aber auch die Meldungen bezüglich chemischer Substanzen mehr werden. Bei den Dealern soll es sich um Leute aus dem Westen der Niederlande handeln, die gezielt versuchen, harte Betäubungsmittel an den Mann zu bringen.

Sicherlich ist auch der Coffeeshop “Grasshopper” nicht aus der Verantwortung zu nehmen. Wenn einem ein schmieriges Silver Haze für 12 € angeboten wird, ist es kein Wunder dass die Kunden ausbleiben. Ein zweiter Coffeeshop würde die Lage wohl beruhigen und ein besseres Durchgreifen gegen penetrante Dealer ermöglichen, sofern diese überhaupt vorhanden sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass das passieren wird geht aber sicher gegen Null. Wenn die Anwohner darauf bestehen, ständig die Polizei in ihrer Nachbarschaft zu haben, soll es auch so sein. Ändern wird es aber nichts, ganz im Gegenteil. Auch wenn in Enschede noch einige Coffeeshops zu finden sind, dürfte jedem Menschen, der ein funktionierendes Gehirn besitzt, klar sein, dass ein Coffeeshop für 17.000 Einwohner inklusive dem Grenzverkehr  nicht ausreichend ist. Dass der bestehende dann auch noch völligen ,,rotzooi” verkauft, gießt weiter Öl ins Feuer. Es lässt sich also sagen: Der Siegeszug der Dummheit macht auch in Glanerbrug/Enschede nicht halt! Auch bei harten Substanzen hält das Strafrecht die Dealer nicht vom Dealen ab und die Konsumenten nicht vom Konsumieren. Ich hoffe, dass ich den Tag, an dem dies auch der Letzte verstanden hat, noch erleben werde.

Wünsche noch ein highteres Wochenende und kommt entspannt in die neue Woche!

Kushdee

Kushdee

In den letzten Jahren habe ich mich eingehend mit der Niederländischen Coffeeshopkultur beschäftigt und einige Erfahrungen vor Ort sammeln dürfen. Sie hat mich quasi in Ihren Bann gezogen und lässt mich nicht mehr los. Ich freue mich hier auf "Kein Wietpas!" dabei sein zu dürfen und euch regelmäßig Beiträge zu liefern. Wie man in den Grenzregionen sieht, kann auch ein "kleines" Blog zur Verbesserung der Situation beitragen.
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