Staatswiet: Sorgenkind Marokkanisches Haschisch

Der Beginn des Modellversuchs zur legalen Cannabisproduktion als Versorgung für die Coffeeshops, höchstwahrscheinlich im nächsten Jahr, wird de facto einer der wichtigsten Meilensteine der Cannabispolitik in ganz Europa sein. Das betagte Coffeeshopmodell soll mit einem Schlag (zumindest in den teilnehmenden Gemeinden) ins 21. Jahrhundert katapultiert werden. Legal produziertes, im Labor kontrolliertes und legal verkauftes Cannabis. In denselben Shops, die zuvor illegale Schwarzmarktware geduldet verkaufen konnten. Das alles klingt nach einer Utopie, doch sie soll schon bald Realität werden. Bewerbungen für Produktionslizenzen flattern in den Gemeinden täglich ein, unter den Bewerben befinden sich klassische landwirtschaftliche Betriebe, knallharte Geschäftsmänner die in ihrem Leben vermutlich noch nie einen Joint in der Hand gehabt haben, ehemalige Kriminelle und sogar ranghohe Politiker.

Doch natürlich gibt es auch Schattenseiten, über die man reden muss. Eine der dringendsten ungelösten Fragen ist, wie man mit importieren Cannabis umgehen will. Marokkanisches Haschisch ist trotz der starken Beliebtheit von Blüten immer noch extrem gefragt.

Joachim Helms

Laut Joachim Helms, Coffeeshopbetreiber und Vorsitzender des “Bond van Cannabisdetaillisten” kaufen etwa ein Viertel aller Coffeeshopkunden traditionelles, importiertes Haschisch und wollen dies auch weiterhin haben. Da Cannabis in Marokko aber weiterhin illegal ist und es derzeitig keine legalen Importmöglichkeiten gibt, auf der anderen Seite in den Shops der teilnehmenden Gemeinden ausschließlich das lizenzierte Cannabis verkauft werden soll wird dies unweigerlich zum Problem werden. Es ist jetzt schon abzusehen, dass die 25% Haschischkunden sich dann auf dem Schwarzmarkt bedienen werden. Dabei soll doch genau dieser durch den Modellversuch bekämpft werden.

Es gibt aber eine gute Nachricht: In der Regierung ist man sich des Problems bewusst und es werden bereits verschiedene Lösungsansätze debattiert.

Martin Jelsma, Direktor des “Drugsresearch Transnational Institute” ist der Überzeugung, dass es Möglichkeiten geben kann, auch Marokkanisches Haschisch legal zu importieren. Hierzu müssten Verhandlungen mit der Marokkanischen Regierung gemacht werden. Dies könnte gleichzeitig eine Legalisierung in Marokko und eine Verbesserung der Situation der beteiligten Bauern bewirken. Eine Win-Win-Situation, die natürlich hohes diplomatisches Können braucht, aber durchaus realistisch. Vera Bergkamp (D66), Initiatorin des Modellversuchs befürchtet, dass es beim Importhasch keine Qualitätssicherung geben könne, will aber, dass das Experiment auch auf jeden Fall für die Shopbetreiber attraktiv sein muss. Ihnen soll aus der Illegalität rausgeholfen werden, aber sie sollen auch keine Rückschritte machen müssen.

Zwar sind derzeitig ca. 15 Sorten Blüten und 10 Sorten Nederhash vorgesehen, aber man ist sich natürlich der Unterschiede bewusst. “Einen französischen Wein kann man schließlich auch nicht in den Niederlanden anbauen”, so Joachim Helms. Außerdem muss natürlich berücksichtigt werden, dass neben all der Illegalität teilweise jahrzehntelange Geschäftsbeziehungen zwischen der Coffeeshopbranche und den Marokkanischen Bauern bestehen. Viele Shopbetreiber fordern daher, dass Haschisch ganz aus dem Experiment ausgeschlossen werden soll und weiterhin auf klassischem Weg in die Shops finden soll.

Minister Grapperhaus

Bürgermeister Paul Depla (PvdA), initiator des Manifests der Bürgermeister, das schon lange nach neuen Wegen fordert, ist aber skeptisch, was eine Beteiligung von Marokko angeht. “Das Experiment soll endlich die Hintertür regulieren. Man kann dann nicht akzeptieren, dass man weiterhin mit einem Bein in der Illegalität”. Mit Augenzwinkern fügt er hinzu: “Die Niederländer sind gut darin, die verschiedensten drögen zu produzieren. Ich sehe keine Grund, warum das ausgerechnet beim Haschisch nicht der Fall sein sollte”.

Auch der Innenminister Ferdinand Grapperhaus (CDA) hat sich bereits schriftlich zum Thema geäußert:

“Das Ministerium für Justiz und Sicherheit ist sich der Bedenken im Klaren. Wir handeln den Gesetzesentwurf zusammen mit Coffeeshop-Inhabern aus. Zusammen mit dem Kollegen Bruins (Gesundheitsministerium) arbeitet das Ministerium für Justiz und Sicherheit noch an der Verordnung im Rat, in der das Experiment weiter ausgearbeitet wird. Das wird natürlich auch Gegenstand einer Debatte mit dem Plenum sein.”

Das klingt doch gar nicht mal so schlecht von dem Mann, der den Posten besetzt, den hierzulande Horst Seehofer hat…

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de

Letzte Artikel von mobo (Alle anzeigen)