AMS-420 oder ‘Alles normal im Vondelpark, nur die Kifferdichte ist was höher’

420 sollte eine Zahl sein, die jedem Kiffer mittlerweile etwas sagt. Selbst die normale Presse berichtet ja über den ‘internationalen Kifferfeiertag’. Vor allem in den angelsächsischen Ländern finden an diesem Tag große Veranstaltungen statt, die um 16:20 zu großem Rauchausstoß tendieren.

Via Ruthe.de

Hier in Europa ist es mit solchen Veranstaltungen nicht so gut bestellt. Die Gesetzeslage in den meisten Ländern verhindert nachhaltig ein entspanntes Beisammensein. Deswegen lohnt sich an diesem Tag mal ein Ausflug nach Amsterdam, um diesen Tag angemessen zu begehen.

Auch an diesem 20.04. war das Wetter überragend. Strahlend blauer Himmel und angenehme Temperaturen, das perfekte Wetter für einen Amsterdam Besuch, wenn man nicht gerade nur Museen besuchen möchte.

Wie auch in den letzten Jahren war zum AMS-420 eingeladen worden. In der näheren Umgebung ist das die einzige Veranstaltung dieser Art, was natürlich an der Cannabispolitik der Niederlande liegt. Allerdings unterscheidet sich die niederländische Art diesen Feiertag zu begehen etwas von den Veranstaltungen, wie sie z.B. in Toronto oder Vancouver stattfinden.

Im Gegensatz zu diesen großen Events, die vor allem auch für politische Forderungen in der Legalisierungspolitik genutzt werden, ist das Amsterdamer 420-Treffen eher ein entspanntes Zusammentreffen im Vondelpark. Da ebenso wie im letzten Jahr keine zentrale Veranstaltung stattfindet, ist der ganze Vondelpark besetzt von kleinen Gruppen, die tütenbauend oder mit Bong und Dabbingzubehör ausgestattet, den sonnigen Nachmittag genießen. Dabei trifft die Bezeichnung ‘international’ durchaus zu, da man bei näherem Hinhören doch feststellen kann, dass diese Grüppchen aus aller Herren Länder kommen. Besonders die Nachbarländer sind hier gut vertreten.

Um 16:20 finden sich an der Bühne in der Mitte des Parks, welche der eigentliche Punkt für das AMS 420 sein soll, nur wenige Leute die sich über den Platz verteilen. Trotzdem sind es in der Gesamtheit mehr als letztes Jahr. Ein Niederländer betätigt eine Hupe an seinem Fahrrad; es ist soweit. Überall werden vorbereitete Joints entzündet, Fotos werden geschossen. Ein Fotograf mit extrem teurer und professioneller Ausrüstung versucht verzweifelt eine Gruppe junger Leute dazu zu überreden, ihm bei der Benutzung ihres Oil Rigs ein tolles Motiv zu bieten.

Politische Forderungen sucht man größtenteils vergeblich. Ein Transparent fordert ein Ende des ‘War on Drugs’. Dabei bleibt es. Aber auf der anderen Seite stellt sich auch die Frage: warum eigentlich?

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Obwohl die Niederländer in Europa die Vorreiter in Sachen liberaler Drogenpolitik sind, finden internationale Veranstaltungen meist ohne sie statt. Das AMS-420 würde ohne den Einsatz von Peter Lunk wahrscheinlich auch nicht stattfinden. Global Marihuana March? In den Niederlanden Fehlanzeige.

In Deutschland finden an solchen Tagen mehr Veranstaltungen statt. Die Anzahl der Städte, in denen ein GMM stattfindet, steigt von Jahr zu Jahr. Es gibt die Hanfparade, die Dampfparade und selbst in München fand letztes Jahr eine Veranstaltung statt. Wer einen etwas hanflastigen Facebook Account führt, sieht am 20.4. jede Menge Happy 420 Grüße. Wieso ist das so? Haben die Niederländer nichts am Hut mit der internationalen Cannabislegalisierung oder lassen wir Deutschen uns wieder eine amerikanische Geschichte aufs Auge drücken, so in etwa wie es mit Halloween geschah.

An beidem ist durchaus etwas dran. Allerdings würde ein solcher Vorwurf an die Niederländer nicht nur unfair, sondern schlicht falsch sein. Zwar wird man, wenn man in einem Limburger Coffeeshop nach 420 fragt, bestimmt zunächst einmal einen fragenden Blick ernten, aber bekannt ist dieses Datum dort natürlich auch. Die Niederländer interessiert es jedoch außerhalb von Amsterdam recht wenig. Warum auch, 420 ist was für Touristen, Niederländer haben den Cannabis-Bevrijdingsdag. Und das hat auch seinen Grund. Die Niederländer haben es geschafft, eine Regelung zu erkämpfen, die es ermöglicht hat, lange vor Colorado, Washington und allen anderen Staaten, sich mit einem Joint in der Hand in den Vondelpark zu setzen, ohne direkt in Kontakt mit der Staatsmacht zu kommen. Und darauf sind die Niederländer mit Recht auch ein wenig stolz. Denn trotz aller Probleme mit Achterdeur und Anbau, hat es ja einen Grund, dass unzählige Menschen nach Holland fahren.

Aber wie ist es denn mit dem Coffeeshopsterben in Amsterdam, von dem man immer hört. Das müsste doch die Niederländer doch langsam mal wachrütteln?

Am 20.04. gab es in Amsterdam genau 185 Coffeeshops. Ehrlicherweise muss man zugeben, dass das keine Zahl ist, bei der man von einem Verschwinden der Amsterdamer Coffeeshopkultur sprechen kann. Würde man eine Regelung wie die, auf welche man sich in Haarlem geeinigt hat, nämlich ein Shop auf 10000 Einwohner, auf die Stadt Amsterdam anwenden, so hätte man bei 780 000 Einwohnern gerade einmal 78 Coffeeshops. Da sich diese wie bisher auch, wohl auf einen kleinen Teil von Amsterdam beschränken, hätte der durchschnittliche Amsterdambesucher immer noch den Eindruck, Amsterdam wäre die Stadt der Coffeeshops.

Das Verschwinden der Coffeeshops ist auch nicht das Problem von Amsterdam. Vielmehr trifft es die kleinen Städte in der Provinz, in denen es oft nur einen Shop gibt. Wenn dieser geschlossen wird, ist der nächste unter Umständen nicht mehr erreichbar.

Da das in vielen Teilen des Landes bereits der Fall ist, hat der durchschnittliche niederländische Kiffer sowieso nur die Wahl, entweder weit zu fahren, sich bei einer Quelle in der Umgebung einzudecken oder seinen Bedarf selber zu ziehen. Da er das ohne Probleme kann, warum soll er sich für eine weitere Legalisierung einsetzen?

Viele Coffeeshops haben den ursprünglichen Charme dieser Kultur sowieso verloren. In der Nähe der Grenze ähneln sie oft einer Dispensary und stellen oft reine Abgabestellen dar, die ihre Horeca Lizenz alleine durch den Getränkeautomaten rechtfertigen. Das hat mit dem, was man sich eigentlich mal unter einem Coffeeshop vorgestellt hat, nicht mehr viel zu tun. Aber wollen die Niederländer eigentlich noch ihre Coffeeshops?

Realistisch betrachtet, handelt es sich bei den niederländischen Coffeeshopkunden um einen zahlenmäßig überschaubaren Kundenkreis. Deswegen kann man ja auch überhaupt solche Ideen wagen, wie den regulierten Gemeindeanbau. Der wird sich nämlich an die niederländischen Bewohner ebendieser Gemeinde richten. Für den Export ins Ausland ist hier kein Platz. Da eine solche Regelung wahrscheinlich dann auch wieder auf holländische Art umgesetzt wird, ist es nicht unrealistisch, wenn man sich ein unauffälliges, sauberes Geschäft, mit Glastrennwänden zum Budtender und Zahlung per Chipkarte vorstellt. Ist hier überhaupt noch Platz für einen traditionellen Coffeeshop, so wie man ihn kennt?

Vermutlich werden sie zumindest in Amsterdam als Touristenattraktion erhalten bleiben. Für die Niederländer selbst sind sie nicht zwingend nötig. Solange man im Vondelpark mit einem Joint sitzen kann, ist ja noch alles in Ordnung. Und damit haben sie gar nicht so unrecht. Denn diese Art erlaubt es, dass ein AMS-420 ein sehr entspanntes Treffen in einem Park ist. Es ist halt anders in Amsterdam.

Steve Thunderhead

Steve Thunderhead

Ich lebe seit mehr als vierzig Jahren an der niederländischen Grenze. Die Entwicklung der niederländischen Cannabispolitik verfolge ich seit den achtziger Jahren, als ich zum ersten Mal einen Coffeeshop besucht habe. Die langsame Veränderung von einer pragmatischen und toleranten Politik zu immer repressiveren Regelungen kenne ich deswegen aus eigener Erfahrung. Ich freue mich als Autor auf Kein Wietpas! mitarbeiten zu dürfen, weil ich nach all den Jahren meinen Anteil zu einem erneuten Wandel dieser Politik beitragen will.
Steve Thunderhead

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  • Chiliheadz

    Sollte man einmal lesen, bedenken…. und sich fragen, WARUM die Niederländer sich so schwach beteiligen…….. Zu faul? Zu träge?…. Zu “verwöhnt” um die Gefahr, die von ihren “rechten Lügnern” ausgeht zu erkennen????? NUR GEMEINSAM SIND WIR STARK!! GEMEINSAM, STATT EINSAM!

  • XXX

    Schoen geschrieben aber selbst beim befreiungstag sieht man mehr ausländer als holländer. Die schlausten Sind die holländer wirklich nicht und selbst wenn man im park nicht mehr kiffen darf geht keiner Von dennen auf die strasse.

    • Robbi

      Solche Pauschalisierungen wie “die Schlausten sind die Holländer wirklich nicht, sind wirklich nicht sonderlich schlau. Vor allem bei so einer Rechtschreibung. ;-)

    • 0gf

      naja und wir hier?? was lassen wir uns alles so gefallen????oder willste jetzt sagen das wir deutschen so ultra revolutionaer waeren???Nur mal ein Beispiel als der Euro kam haben wir alle ueber Nacht mal ebeb nur noch die Haelfte abn Gehalt verdient-koenntst du morgen Nacht wieder so machen, wuerd nichts gross passieren…

  • passopp

    Und bei Kommentaren wie ‘Die schlausten sind sie wirklich nicht’ wundert ihr euch, wenn uns eure Demos einen feuchten Bud interessieren? Warum sollte ich irgendein Nachbarvolk unterstützen, dass nicht mal für Veränderungen im eigenen Land zu gebrauchen ist? Wer nicht in eurer prohibistischen Paranoia aufwächst, hegt auch kein permanentes Misstrauen – für Duitsers vermutlich unvorstellbar. Groeten.

    • Du pauschalisierst gerade genauso ;-)

      • passopp

        Immerhin fällt es ja DIR auf, das ist schonmal ein wichtiger Schritt in die gemeinsame Richtung. Humor verbindet. ;)

        Aber echt, teilweilse Kommentare hier…
        Wie geht das Sprichwort mit dem Wald schallen? :D

  • Sbb

    Liegt doch eher daran das am 20/4 jemand ganz anders Geburtstag hat , und da machen die Deutschen Massenhaft mit!

  • grow

    Wer als deutscher diesen Tag feiert, außer er hat nicht selber geb oder feiert den Tag worum es im Artikel geht, hat im leben nix verstanden und wird es auch nicht mehr! Denjenigen ist nicht mehr zu helfen (aber es sind ja auch nur Hohlköpfe die von nix ne Ahnung haben aber Parolen schwingen können). Wir deutschen sollten eher und das lautstark mit allem was geht den 30.4 feiern!!! Morgen ist es wieder soweit und ich werde definitiv mich freuen (auch wenn ich im Krankenhaus liege) das das böse an diesem Tag besiegt wurde!! Peace

    • Ich finde das Datum für Deutsche auch denkbar ungünstig. Das ausgerechnet an diesem Tag der “Christopher Street Day” der Cannabis-Szene ist, kann man schon als schlechten Witz empfinden. Hab ich mir immer schon gedacht. Das ist natürlich multikausal begründet. Zum einen ist es einfach Zufall, dass sich ausgerechnet an diesem Tag Studenten einer amerikanischen Uni zum Smoke-In trafen. Andererseits ist es Ergebnis des fehlenden Geschichtsverständnisses unter amerikanischen Studenten – trotz “Hitlery-Channel” ist dort wohl dieses Datum nicht so besetzt wie bei uns. Und die Nationen, die den Tag dann übernahmen, haben auch nicht nachgedacht. Vergessliche Kiffer halt…

      Es ist eben vor allem ein weltweiter Feiertag und für andere Nationen ist das Datum eben einfach ein ganz normaler Tag.

      Ich hätte den Cannabis-Protest-und-Feiertag ganz sicher auch lieber an einem anderen Tag.

      Andererseits kann man auch die Meinung vertreten, dass gerade dieser Tag die Chance bekommt, gerade durch die 420-Events auch bei uns anders besetzt zu werden und “dem Führer” das Alleinstellungsmerkmal abspenstig zu machen.

      Ein wenig erinnert Dein (berechtigter) Einwurf an die Debatte um den eigentlichen Nationalfeiertag der Deutschen, den 09.11. – auch das ist ein Tag der Freude und ein Tag der Scham. Die Politik hat sich daher für das “Kunstdatum” 03.10. entschieden – liegt also voll auf Deiner Linie.

      Ich hätte Ehrlichkeit und Authentizität besser gefunden und den 09.11. gewählt – ein Tag an dem man Freude mit Erinnerung und der daraus resultierenden Vorsicht eines “nie wieder” verbinden könnte. Leider hatte man dafür nicht den Mut.

      Ich jedenfalls bewerte Hitler nicht als so groß, als dass ich mich am 20.04. auf ihn konzentrieren müssten – auch nicht um zu trauern. “Führers Geburtstag” wird weder gefeiert, noch muss ihm an diesem Tag gedacht werden – um sich an die Schrecken des dritten Reiches zu erinnern, gibt es genug andere Daten.

      Also wieso nicht zusammen mit der internationalen Cannabis-Gemeinschaft an genau an diesem Tag gegen eine repressive Gesetzgebung, ideologische Politik und die Verfolgung einer Minderheit demonstrieren?

      • streuner

        Ach Leute, nur weil Addy an dem Tag Geburtstag hat, geißelt sich doch nicht die ganze Welt. Das ist uns Deutschen vorbehalten, die Holländer lachen, wenn du diesen Vergleich bringst. Und die Amis haben den 42o geschaffen, die meisten von denen halten Hitler doch für eine Automarke oder eine Weinsorte :-) Mich stört viel viel mehr, dass wir diesen amerikanischen Kiffer Feiertag so willig übernehmen und diesem Kult hinterherhecheln. imho wäre ein echter eigener, ….bbrrr ich trau michs kaum zu schreiben, nationaler Kiffertag viel authentischer. Dampfparaden und Hanfwandertage anstelle des 420, dann müsste auch keiner mehr meckern wegen Addy :-)
        Und ja, ich war auf dem 420 in ADam und ja, es war Kaiserwetter, oder ist der Begriff anrüchig?
        greetz

        • Das ist halt eine Paralle zur Homosexuellen-Bewegung. CSD ist auch aus Amiland und bei den Schwulen hat´s funktioniert.

          Ich find den internationalen Ansatz dabei gut – bringt mehr Medieninteresse also mehr Wahrnehmbarkeit in der Öffentlichkeit. Leider ist 420 bisher vor allem ein Event in den angelsächsischen Ländern. Natürlich in den USA, aber auch im Londoner Hyde-Park ist da immer mehr los als z.B. in Amsterdam.

          Und ein größeres nationales Event haben wir doch – die Hanfparade in Berlin.

      • Steve Thunderhead

        Na gut, dann hat halt Adolf Hitler am 20.4. Geburtstag. Ebenso wie Napoleon III, Karl I und, mein Favorit, Harold Lloyd. Mir persönlich ist das völlig egal. Ich feier ihn nicht und ich gedenke ihm nicht. Nur weil ich rein zufällig Deutscher bin, muss ich mit dem doch nichts zu tun haben. Ich persönlich hätte da als Preuße auch eher was für den alten Fritz übrig. Meine Familie hat in diesem Krieg genug geopfert, da gedenke ich lieber meinen Großvätern, Onkeln und Tanten.

        Den 20.4. finde ich als Datum nicht schlecht. Meistens gutes Wetter, prima Eröffnung für die Demosaison :-) Sollten wir als Deutsche an diesem Tag etwa nichts feiern, nur weil ein Massenmörder geboren wurde? Dann müssten wir aber auch schauen, an welchen Tagen das auch nicht geht, weil Stalin, Pol Pot oder Idi Amin geboren wurden.

        • streuner

          Jau Steve, deinen letzten Satz hatte ich auch so etwa im Kopf als ich gepostet habe. Aber es gibt so viele unselige Gestalten in der Weltgeschichte, da fiel mir eine Beispielauswahl zu schwer :-)
          greetz

          • ogf

            In Tausenden Jahren Menschheit wird wohl an jedem Datum irgendwann irgendein Arsch geboren worden sein und ein schreckliches Massaker oder Krieg stattgefunden haben, aber an jedem Tag Geschichte hat auch irgendwer irgendwas gutes getan oder erlebt… ist doch ein wuerdiger Protest grade an so negativ belasteten Tagen was extrem positives zu starten, und am Feiertag der braunen sich mit Menschen aller Herkunft und Religion nett einen zu dampfen vielleicht nimmt Mr. Nazi auch mal einen Zug

            und bekommt dann ein Gefuehl was er vorher noch nie hatte und schon morgen kauft er sich seine erste Reggaeplatte (marsi..der nazi und das gras)

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