Toleranzcheck: Almelo

Na habt ihr mich vermisst? Bestimmt nicht, unser Hanfgleichstellen hat sich ja rührend um Euch gekümmert und Euch mit frischen News versorgt. Ich war gestern ganztägig in Almelo um mal zu schauen, wie es dort mit dem I-Kriterium so aussieht. Da man sich ja leider nicht so wirklich auf die Aussagen der niederländischen Medien verlassen kann ist es ja immer am besten, wenn man selbst testet!

Das Enschede und Hengelo weiterhin tolerant sind wissen wir ja bereits. Über Almelo konnte ich bislang aber nichts herausfinden. Und da ich dort auch noch nie war habe ich die Gelegenheit genutzt, dem sympathischen Städtchen mal einen Besuch abzustatten. Donnerstag ist dort Markt und so konnte ich mich zu Anfang gleich mit leckerem Kibbeling stärken, der dort wirklich ausgezeichnet war! Aber es soll hier nicht wirklich um niederländische Fischspezialitäten gehen, sondern um Coffeeshops. Davon gibt es in Almelo zwei an der Zahl.

Als erstes haben wir den Coffeeshop “De Tuin” (Willemsgang 17) aufgesucht. Dieser ist sehr zentral gelegen aber recht unauffällig. Wir kamen da exakt gegen 12 Uhr mittags an, als der Laden öffnete. Und so konnten wir noch die dort wartende Menschenmenge sehen, die sofort in den Laden stürmte, als aufgeschlossen wurde. Im Eingangsbereich war es sehr voll und eng, aber wir kamen schnell an die Reihe. Die Auswahl war recht klein (jeweils 3 Sorten). Wir entschieden uns für Jack Herer (9€/g) entschieden. Vor dem Kauf mussten wir unseren Fingerabdruck abgeben (der mit keinerlei persönlichen Daten verknüpft wurde). Bei nächsten Besuch müssen wir uns nur damit wieder anmelden. Ich denke mal, das dient dazu zu verhindern, dass man mehrmals am Tag einkauft. Der Shop selbst war nicht sonderlich gemütlich, aber Personal und die (ausschliesslich niederländischen) Kunden waren sehr freundlich. Das Jack Herer war wirklich gut und lecker. Ungewöhnlich war, dass es in 0,5g-Portionen fertig eingeschweisst war. Habe ich so noch nie gesehen. Der Shop selbst ist eine Stiftung. Leider konnte ich nicht herausfinden, wer der Träger ist.

Danach haben wir uns zum Coffeeshop “Jemig De Pemig” (Bornerbroeksestraat 28c) weitergezogen. Der war in einem großen Gebäude, in dem auch ein schmuddeliger Sexshop mit schmuddeligem Kino war. Der Shop selbst war als solcher kaum zu erkennen, da der Eingang nicht als Coffeeshop zu erkennen war (sah eher aus wie eine Spielhalle oder Sexclub). Wir sind auch zuerst dran vorbeigegangen. An der Strasse steht ein verblasstes Schild, das man schwer erkennen kann. Auf den Google StreetView-Aufnahmen war das Gebäude noch in Jamaika-Farben angestrichen, so hätte man es besser erkennen können. Vermutlich war das der Stadt zu auffällig, weswegen die Fassade jetzt wieder in langweiligem Grau angestrichen war.

Innen waren wir dann aber doch überrascht: Der Laden war riesig! Ein großzügiger Verkaufsbereich mit allerlei Vitrinen, in denen man Grinder, Bongs etc. erstehen könnte und einer Kasse, die leider mit einer Glasscheibe vom Kundenbereich abgetrennt war, was immer den Charme eines alten Postamts hat. Aber die Sortenauswahl war sehr groß und beeindruckend. Hier fanden sich Züchtungen, die man eigentlich eher in Amsterdam erwartet! Wir entschieden uns für “Power Kush” und “Pineapple Chunk”. In den Konsumraum gelang man durch ein Drehkreuz, abgesichert durch ein Fingerabdrucklesegerät. Die eingebildet aussehende, aber doch sehr freundliche Budtenderin liess uns aber so rein. In der großzügigen Halle befanden sich einige Tische, zwei Billardtische, zwei alte Flipper und die obligatorischen Fotoplay-Automaten. Ausserdem eine Bühne, die sich dazu eignet, Konzerte im Shop zu veranstalten! Gestern stand dort allerdings ein großer Fernseher, auf dem ein Musiksender spielte. Es war recht leer, aber der Laden hat Potential für viele Kunden! Leider gab es keinen Getränkeausschank, alles kam aus Automaten (Kaffee, Süßigkeiten, Papers etc.). Es war nicht der schönste Coffeeshop, den ich besucht habe, aber wie in fast jedem habe ich mich wohl gefühlt. Und die beiden Kostproben, die ich dort probierte waren grandios! Auch dieser Shop ist eine Stiftung!

Fazit: Almelo ist ein sympathisches, kleines Städtchen. Der kleine Markt ist toll und so ganz anders als der hektische Enscheder Markt. Die Coffeeshops sind nicht die schönsten, aber man fühlt sich wohl und auch als Ausländer sehr willkommen! Eine große “Overlast” ist wohl nicht zu erwarten, da die Stadt relativ weit von der Grenze entfernt ist und Enschede dürfte die meisten “Drogentouristen” abfangen. Aber die wirklich außergewöhnliche Qualität und Sortenvielfalt im “Jemig De Pemig” macht die Stadt für die alten Enschede-Besucher, die mal etwas Abwechslung haben wollen, zu einer guten Alternative.

Bedanken möchte ich mich bei der Bürgermeisterin Jon Hermans-Vloedbeld von der VVD (!!!) für die Toleranz gegenüber ausländischen Gästen!

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de

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