Knigge für Drogentouristen

Dürften in jedem Shop zu finden sein: die Hausregeln!
Dürften in jedem Shop zu finden sein: die Hausregeln!

Update: Der VOC hat mit freundlicherweise darauf hingewiesen, dass “Drogentouristen” nicht unbedingt ein positiv gesetztes Wort ist. Die Überschrift sollte bewusst etwas provokant sein. Trotzdem ist der bessere Ausdruck natürlich “Coffeeshopkunden” und sollte stattdessen verwendet werden. Vielen Dank für den Hinweis!

Die Freude ist groß. Einer der Hauptschauplätze der Diskrimierung hat die Richtung gewechselt: Nijmegen ist wieder offen für Jedermann! Natürlich freuen wir uns alle darüber, aber es sollte wohl jedem klar sein, dass wir uns auf sehr dünnem Eis bewegen! Perfekte Zeit, um sich mal darüber Gedanken zu machen, wie man sich im Ausland und in wunderschönen Nederland im speziellen verhalten sollte.

Niemals sollte man vergessen, dass man dort ein Gast ist. Ihr seid dort “Ausländer”. Und somit seid ihr auch Aushängeschild für Deutschland! Vergesst nie, dass der Mensch zum Pauschalisieren neigt. Man muss sich nur mal die Situation der türkischen Mitbewohner hier in Deutschland anschauen: Der Großteil ist gut integriert und eine echte Bereicherung für unsere Gesellschaft. Leider gibt es auch welche, die sich nicht benehmen können. Und darunter haben dann all jene zu leiden, die die Regeln des guten Benehmens befolgen. Genau dasselbe passiert uns auch, wenn wir uns im Ausland nicht zu benehmen wissen.

Nicht jeder Niederländer ist ein Kiffer. Schlimmer noch: Vielen Niederländern sind die Coffeeshops und deren Begleiterscheinungen ein Dorn im Auge. Dies sollte immer bedacht werden, wenn man sich ins Land der Coffeeshops begibt! Man muss nicht ständig und überall zeigen, dass man ein gut gelaunter Kiffer ist. Gröhlen könnt ihr gerne auf den hiesigen Schützenfesten oder im Fussballstadion – nicht aber in der Innenstadt eines verschlafenen holländischen Städtchens! Auch wird es nicht gerne gesehen, wenn ihr mit einem Joint durch die Gassen rennt. Kiffen könnt ihr zuhause, in Wohnungen von niederländischen Freunden oder im Coffeeshop. Meinetwegen auch an irgendeinem See. Aber dann bitte dezent! Alleine schon aus Jugendschutzgründen!

Im Coffeeshop selbst ist es bekanntlich sehr locker. Hier ist man unter seines Gleichen. Aber auch hier gibt es Regeln, die man beachten sollte: Andere Gäste zu fotografieren ist Tabu! Niemand will sich beim Konsum einer illegalen (!!!) Droge gerne ablichten lassen, auch kein Niederländer.

Versucht es mal, ein wenig Niederländisch zu reden! Ihr müsst kein politische Diskussion führen, aber eine Begrüßung und Verabschiedung und vielleicht sogar den Bestellvorgang kann man ruhig mal in der Landessprache machen! Das muss nicht perfekt sein, aber ihr glaubt gar nicht, wie sympathisch Euch das macht! Natürlich merkt der Gesprächspartner schnell, dass ihr aus Deutschland kommt. Oft switcht er/sie dann selbst zum Deutsch! Mit der Zeit wird man auch immer sicherer! Und wenn ihr Euch nicht traut, dann versucht es wenigstens mit englisch! Dann habt ihr eine “neutrale” Sprache!

Übrigens: Ein Getränk hat noch niemanden finanziell ruiniert!

Beim Verlassen des Shops verhaltet Euch dezent! Eventuelle Mitbringsel bitte noch im Shop in den Taschen verstauen, nicht erst, wenn ihr schon draußen seid. Haltet nach Möglichkeit auch die 5g/Person-Regel ein! Herumlungern im Eingangsbereich ist auch tabu, erst recht, wenn man ein lautes Organ hat!

Solltet ihr mit dem Auto anreisen (denkt daran: Fahrer bleiben nüchtern!), dann sucht Euch einen freien Parkplatz in der Nähe. Ein kleiner Fussmarsch wird Euch nicht umbringen. Vermeidet das Parken direkt gegenüber des Shops, vor allem, wenn es dort keine richtigen Parkplätze gibt! Und warum nicht mal einen Stadtbummel machen? Auch andere Einzelhändler freuen sich über Euer Geld!

Solltet Ihr Konsumenten von “richtigen” Drogen sein, dann nehmt die bitte nicht mit in den Coffeeshop. Auch nicht, wenn ihr sie in der Tasche lassen wollt. Ihr gefährdet damit die Lizenz des Shopbetreibers! Ein Coffeeshop sollte auch kein Ort für eine “Afterhour” sein. Die Niederländische Drogenpolitik beruht auf Trennung der Märkte. Auch ihr solltet Euch daran halten.

Das Waffen tabu sind, sollte jedem klar sein. Natürlich nicht nur im Coffeeshop, sondern eigentlich auf dem ganzen verdammten Planeten! Der Einsatz einer Schreckschusspistole in Nijmegen letzte Woche hat ein gewaltiges Medienecho erzeugt! Ihr riskiert die Lizenz des Shopbetreibers und den Ruf der gesamten Branche!

Im Prinzip ist das alles nicht schwer: Ihr müsst nur die Regeln des guten Benehmens befolgen. Und die habt ihr hoffentlich alle gelernt…

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de