Belgier kaufen weiterhin in Maastricht ein

Vrijthof in Maastricht Creative Commons
Vrijthof in Maastricht; Creative Commons Lizens

Der Morgen neigt sich dem Ende entgegen und die Sonne lockt die Menschen hinaus, um in den Straßen und Plätzen von Maastricht herumzuschlendern. Seit letztem Jahr hat die Stadt einen anderen Look: Es gibt keine Touristen mehr, die in den Coffeeshops  einen Joint rauchen. Stattdessen kommen die Touristen jetzt wegen der malerischen Innenstadt oder wegen der Einkaufsmöglichkeiten nach Maastricht. Doch während die Gemeinde deutlich gemacht hat dem Drogentourismus ein Ende zu bereiten, hat es Le Soir geschafft, in unter zwei Stunden einen Straßenhändler zu finden und etwas Cannabis zu kaufen.

Um mal zu sehen, wie das abläuft, machen wir uns auf den Weg. Wir schlendern durch die Stadt und werden zunächst nicht angesprochen. Schließlich entscheiden wir uns, offen einen Straßenhändler anzusprechen. “Sie suchen einen Dealer?” Mit ruhiger Miene begleitet uns der junge Mann um die Ecke, beobachtet die Straße, zeigt nach rechts und sagt: “Da…dieser Mann dort 50 Meter entfernt. Kein Zweifel!”

Der junge Mann, kaum älter als 20 Jahre, ist sehr daran interessiert zu erfahren, warum wir mit ihm sprechen wollen. Schnell kommt er auf den Punkt: “Ich hab was, aber nur 5 Gramm.” Wir einigen uns auf drei Gramm für 25 Euro plus 5 Euro Provision. “Aber nicht hier. Wir sind zu nah an den Schiffen. Lass uns ein bischen laufen.” Während der wenigen hundert Meter, erzählt uns der Dealer, dass hier die Ausländer weiterhin einkaufen und dass sein kleines Geschäft dabei boomt.

“Ich mache ein gutes Geschäft mit Belgiern. Natürlich kommen weniger als früher, aber nicht so viele. Ich weiß, dass das was ich tue die Coffeeshops ärgert, weil sie Verluste machen. Aber für sie gibt es kein Risiko.” Er dagegen riskiert es von Polizisten in Zivil verfolgt zu werden. “Einige von denen haben sogar so getan, als seien sie Straßenhändler”, verrät uns der junge Lieferant. “Sie müssen hier warten“, sagt er und stoppt an der Ecke von zwei friedlich aussehenden Straßen. Balancierend auf der Bordsteinkante leht er sich vor und guckt sich verstohlen um. “Ich checke nur die Kameras. Wenn ich ständig in Begleitung von zwei fremden Leuten gesehen werde, könnte das mißtrauisch machen”.

Er geht weg und betritt ein Gebäude. Drei Minuten später erscheint er mit einem kleinen transparenten Tütchen in der Hand. Deal abgeschlossen. Er überquert eilig die Straße, auf der Suche nach neuen potentiellen Belgischen Kunden.

Eli

Eli

Die Einführung des Wietpas hat mich dazu gebracht, mich für die niederländische Cannabispolitik zu interessieren. Ich komme aus dem mittleren Ruhrgebiet und bin wie so viele am Wochenende immer mal gern in die niederländischen Grenzstädte zu den Coffeeshops gefahren. Die negative Meinung gegenüber Cannabis ist ein Vorurteil, für dessen Abbau ich mich einsetzen möchte!
Eli