TV-Tipp: RTL bringt Cannabis-Thementag ohne es anzukündigen!

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Ich kann mich noch gut an den Tag im Dezember erinnern, als mein Telefon während der Arbeit mit einer Kölner Nummer klingelte, ich aber gerade nicht drangehen konnte. Auf der Mailbox stellte sich dann ein Redakteur von RTL vor, der meinen Kontakt durch Georg Wurth (DHV) bekommen hatte. Er würde mich am nächsten Tag noch mal anrufen. Ich bin dann davon ausgegangen, dass die mich für irgendeinen Bericht haben wollten. Daher habe ich mich den ganzen Tag darauf vorbereitet, beim Telefonat dem Redakteur möglichst kreativ mitzuteilen, dass er sich seinen Bericht sonst wohin stecken kann, solange RTL weiterhin so einseitig reißerische Berichterstattung über Cannabis bringt wie Beispielsweise die Görli-Problematik bei RTL Extra, die zu dem Zeitpunkt noch relativ frisch war und wirklich grottig war.

Allerdings hat der Redakteur mir beim Telefonat am nächsten Tag sofort den Wind aus den Segeln genommen und mir vermittelt, dass er mich im Rahmen der Recherche anruft und mein “Fachwissen” gefragt war, was mich natürlich sofort stolz machte ;-)

Jenke in Haarlem (Foto via Facebook)
Jenke in Haarlem (Foto via Facebook)

Er erzählte mir, dass die Redaktion im Rahmen der Sendung “Das Jenke-Experiment” einen Selbstversuch mit Cannabis plane, als quasi-Fortsetzung zur Alkohol-Experiment in der vorangegangenen Staffel. Wir haben dann ein fast einstündiges Telefonat über Cannabis im Allgemeinen, über die Legalisierungen in Uruguay und den USA (medizinisch und rekreativ) und natürlich über die niederländische Drogenpolitik mit all ihren Erfolgen aber auch Problemen, sowie deren aktuellen Entwicklungen. Sehr intensiv ging er auf die Rechtliche Situation für Deutsche ein. Der Plan, in einem Coffeeshop drehen zu wollen stand schon fest, allerdings war dem Redakteur nicht klar, dass man sich sehr wohl als Deutscher strafbar macht, wenn man in den Niederlanden Cannabis kauft. Ich habe ihm gesagt, dass die wohl nicht einen Kaufvorgang zeigen sollten. Gerade in den Medien gibt es nämlich eine Menge Anwälte, die sich das Programm der Konkurrenz zu gerne anschauen, um was zum Spielen zu haben…

Wir vereinbarten dann, dass die Redaktion mir einen Mitschnitt der Alkoholfolge auf DVD zukommen lassen werde, da ich als TV-Verweigerer (größtenteils) die Sendung gar nicht kannte. Ausserdem habe ich angeboten, einen Kontakt zu einem Coffeeshop zu vermitteln. Ich habe mich dann natürlich an Nol van Schaik gewendet. Wenn es einen Coffeeshop in den Niederlanden gibt, der für so etwas geeignet ist, dann ja wohl einer von seinen. Nol war auch sofort begeistert und so kam der Kontakt zustande und schon sehr bald wurde mit dem Dreh angefangen! Sowohl vom Redakteur als auch Nol selbst bekam ich dann ein paar Details genannt, die leider nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren, aber  das Ganze danach ausschauen ließen, dass das doch ein recht guter Bericht werden sollte. Der Redakteur sagte auch, dass man sich über den Skandal freuen werde, die so eine Sendung zweifelsfrei auslösen wird.

Morgen ist es dann soweit und das Jenke-Experiment zum Thema Cannabis wird ausgestrahlt. Im Programm kündigt RTL das Thema nur mit dem Titel “Drogen” an. Im Trailer zu dieser Folge wird bereits angekündigt, dass man auch die “Gegenseite” zu Wort kommen lassen werde und Jenke selbst wohl eher zu den Leuten gehört, bei denen Cannabis einfach nicht die Droge der Wahl ist, was ja nicht schlimm ist.

Jenke im Coffeeshop Indica
Jenke im Coffeeshop Indica

Im Rahmen der fünf Tage, an denen das Produktionsteam in Haarlem bei Gastgeber Nol van Schaik war (sowohl im Coffeeshop als auch in der Wohnung darüber), fanden auch Gespräche mit dem Erfinder vom “De Verdamper“, mit einer Spacecake-Bäckerin aus Amsterdam, mit Georg Wurth, mit Wernard Bruining und natürlich auch mit Nol und Personal statt. Wie viel davon jetzt wirklich in die finale Sendung kommt weiß ich natürlich nicht. Neben Haarlem hat Jenke von Wilmsdorff auch Colorado besucht, mit Ärzten, Juristen und der Drogenberatung gesprochen. Also ein ganz schön dickes Paket, dass wohl sehenswert sein dürfte. Ausgestrahlt wird das Ganze morgen um 21.15.

Wernard Bruining im Gespräch mit Georg Wurth
Wernard Bruining im Gespräch mit Georg Wurth

Allerdings bringt RTL an diesem Tag auch noch viel mehr zum Thema Cannabis, ohne dies großartig anzukündigen. So sieht man den geschätzten Cannabisaktivisten und -patienten Lars Scheimann sowohl bei Punkt 6 (6 Uhr) als auch bei Punkt 12 (12 Uhr), bei Explosiv (18 Uhr), ebenfalls im Jenke-Experiment und später dann noch in der Nachbereitung des Jenke-Experiments bei Extra (22.15 Uhr).

Lars Scheimann auf der Dampfparade 2013 - Foto: Stefan Müller
Lars Scheimann auf der Dampfparade 2013 – Foto: Stefan Müller

Da TV-Sender ja in unterschiedliche, unabhängig voneinander agierende Redaktionen aufgeteilt sind, gehe ich fest davon aus, dass es sowohl positive Berichterstattung (dazu ist in der Regel der medizinische Bereich prädestiniert) als auch negative geben wird (ich wette, dass wird bei Extra und Explosiv der Fall sein). Bei Jenke bin ich noch nicht sicher. Ich denke es wird dort relativ ehrlich sein, aber man wird nicht (und das sollte man auch nicht) die Schattenseiten verschweigen. Die Frage ist, wie die Gewichtung sein wird.

Neben den Beiträgen wird sich Jenke von Wilmsdorff auch noch morgen ab 14 Uhr in einem Live-Videochat  den Fragen des Publikums stellen. Für den Hanffreund dürfte der morgige Tag also durchaus spannend werden.

Jenke im Gespräch mit Georg
Jenke im Gespräch mit Georg

Interessant muss wohl auch die Pressekonferenz letzte Woche in Berlin gewesen sein. Dort wurde neben der Pressevorführung des Jenke-Experiments auch eine Podiumsdiskussion geführt, zu der leider keine Aktivisten geladen wurden, wenn man einmal von Hans-Christian “gebt das Hanf frei” Ströbele absieht. Schöne Berichterstattung dazu gab es übrigens bei der TAZ.

Bekommt man keine Bühne sollte man sie sich nehmen - Der Reverend der Zeugen Sativas
Bekommt man keine Bühne sollte man sie sich nehmen – Der Reverend der Zeugen Sativas

Die Tatsache, dass die Podiumsdiskussion doch recht einseitig war, hat den “Reverend der Zeugen Sativas” von der “Grünen Armee Fraktion” dazu veranlasst, die Runde zuerst zu stören und dann auch noch zu erstürmen, um ein Plakat zu überreichen und Ströbele die Hand zu geben.

Muss wohl großes Kino gewesen sein. Erstaunlicherweise gab ihm RTL dann sogar noch die Chance, seine Message Jenke und einem Kamerateam mitzuteilen. Ob und wann das ausgestrahlt wird, ist unklar.

Ich bin wirklich gespannt, was der morgige Tag geben wird. Fakt ist, dass das Thema endlich mal wahrgenommen wird und man endlich mal einigen Aktivisten eine Bühne gegeben hat. Das sind alles Zeichen einer Veränderung. Veränderung darf manchmal auch etwas weh tun. Aber die Lawine ist auch in Deutschland ins Rollen geraten!

Ich freu mich!

 

 

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de