Growshopverbot: Offene Fragen, Verhaftungen, Gelassenheit

Anbau bei Bedrocan: Wo kaufen die jetzt eigentlich ihr Equipment?
Anbau bei Bedrocan: Wo kaufen die jetzt eigentlich ihr Equipment?

Seit Sonntag ist in den Niederlanden der Paragraph 11a des Opiumwet (Betäubungsmittelgesetz) in Kraft getreten. Das im Volksmund genannte “Growshopgesetz” stellt “Vorbereitungshandlungen” für den Anbau von Cannabis unter Strafe. Konsequent durchgesetzt würde dies das Ende der Grosshops bedeuten bestraft aber auch z.B. Elektriker, die Growanlagen verkabeln, Vermieter die Räumlichkeiten zum Anbau vermieten. Selbst neutrale Geschäfte wie klassische Gartenbedarfsshops droht die Strafe von bis zu 3 Jahren Haft oder 81.000€ für Verstöße gegen das Growshopgesetz, wenn sie Kunden, die offensichtlich für den Cannabisanbau einkaufen, nicht der Polizei melden.

Coffeeshopbetreiber Nol van Schaik ist sich sogar sicher, dass selbst der Verkauf von Samen durch das neue Gesetz unmöglich sei, obwohl die Samen selbst nicht wie hierzulande verboten sind. Aber der Handel mit Samen könnte halt als “Vorbereitungshandlung” gesehen werden.

Meiner Meinung nach dürfte sogar der Verkauf von Büchern mit Growanleitungen problematisch werden.

Bald keine Growshops mehr?
Bald keine Growshops mehr?

Das neue Gesetz hat das Potential, das Gesicht der niederländischen Innenstädte maßgeblich zu verändern. Abgesehen von den unzähligen Grosshops und Headshops mit Growbereich muss man sich  doch nur einen beliebigen Souvenierhandel in Amsterdam anschauen. Ich bin gespannt, ob die in Zukunft weiterhin Samen und Co. verkaufen werden.

Bereits jetzt hat das Gesetz einiges bewirkt, wie diverse Medien in den Niederlanden berichten. Von den 56 niederländischen Growshops mit einer offiziellen Lizenz wurde die Lizenz direkt zum 01.03 entzogen. Daneben gibt es aber hunderte Grow- oder Headshops mit Growbereich, von denen die meisten jetzt ratlos sind und nicht wissen, was sie noch verkaufen dürfen und was nicht. Viele haben sich fürs erste damit beholfen, dass sie das “Growshop” aus dem Namen gestrichen haben und durch “Gartenbedarf” oder ähnliches ersetzt haben. Ob das alleine reicht wird sich zeigen. Growzelte dürften wohl aus den meisten Shops entfernt worden sein, was natürlich starke Umsatzeinbußen bedeuten wird.

So langsam gibt es auch die ersten Meldungen über Kontrollen. Während die Polizei in Den Haag in den kontrollierten Growshops keine Unregelmäßigkeiten feststellen musste und das verbliebene Sortiment abgenickt wurde, gab es in Maastricht bereits die ersten Verhaftungen. Dort wurden der Betreiber eines Growshops gleich zusammen mit seinen drei Angestellten verhaftet. Ob dies auf Geheiß von Noch-Bürgermeister Onno Hoes geschehen ist, ist nicht bekannt (dieser vergnügt sich übrigens seit der Trennung von seinem Ehemann wieder mit seinem Toyboy, dem er den Gang zur Presse offensichtlich verziehen hat…).

Sind Growanleitungen jetzt verbotene Literatur?
Sind Growanleitungen jetzt verbotene Literatur?

In Zeeland hat man stolz verkündet, dass man nun Growshopfrei ist, alle Shops seien heldenhaft geschlossen worden und der Abschaum, der dort gearbeitet hat darf nun wohl dabei zusehen, wie deren ehemaligen Kunden sich ihr Material im Baumarkt oder im Gartenfachhandel besorgen. Wenn sie denn nicht einfach im Internet bestellen werden.

In Tilburg (Nordbrabant) gab es mehrere Razzien der Polizei, bei denen dummerweise auch Plantagen oder größere Mengen an Cannabis gefunden worden. Beifang sozusagen. Das Dilemma des neuen Gesetzes zeigt sich besonders gut am Beispiel des Großhandels “De Groene Oogst”. Nachdem der Betreiber aufgrund des neuen Gesetzes seine Pforten schließen musste standen gleich 18 Mitarbeiter auf der Strasse. Dort können sie sich ja dann vielleicht mit den Strassendealers solidarisieren, die durch das I-Kriterium dort überall genug Kunden finden.

In Sin-City Amsterdam gab es bislang keine Schließungen. Alle Growshops sind derzeit noch geöffnet, teils mit neuen Namen. Einige Betreiber machen sich keine Sorgen, andere hingegen wissen einfach nicht, wie es weiter geht, da ihnen niemand sagen kann, wie es jetzt weiter geht, was sie noch machen dürfen und was nicht.

Gerade diese Unsicherheit ist ein großes Scheunentor für Willkür. Legt die Polizei es drauf an, können sie wohl problemlos einen Gartenbedarfshändler verhaften. Dafür brauchen sie dann nichtmal das bei Coffeeshops so beliebte Bibob-Verfahren.

Das Ganze lässt die niederländische Drogenpolitik noch absurder erscheinen. So denken noch immer viele Kiffer und auch Nichtkonsumenten, dass Holland das absolute Cannabisparadies sei. Dass dies schon lange nicht mehr so ist, dürfte zumindest den “Kein Wietpas!”-Lesern klar sein. Backdoor-Problematik, absurde Regeln für Coffeeshops und jetzt auch das Growshopgesetz hinterlassen eine unangenehme Unsicherheit für alle Beteiligten.

Das Absurde ist aber, dass die wirklich großen Fische über das Gesetz lachen dürften. Großplantagenbetreiber kaufen nicht beim Growshop um die Ecke ein. Und somit leiden wieder nur die kleinen Grower, die nun wirklich niemandem etwas tun.

Armes Holland.

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de

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