Coffeeshopbesitzer in Thailand zu 103 Jahren Haft verurteilt

justiceZu einer Gefängnisstrafe von 103 Jahren wurde der Gründer der Grass Company, Johan van Laarhoven, wegen Geldwäsche in Thailand verurteilt. Nach der Aussage seines Anwalts Sidney Smeets muss er von dieser Strafe zwanzig Jahre absitzen. Seine Frau muss wegen Mittäterschaft für zwölf Jahre ins Gefängnis.
Ausgelöst wurde das ganze Verfahren bereits am 14. Juli 2014 durch einen Brief der niederländischen Staatsanwaltschaft an die thailändischen Behörden, indem sie um Amthilfe bei der Ermittlung gegen Van Laarhoven und seinen thailändischen Geschäftspartner. In diesem Brief spricht die Staatsanwaltschaft von einem Verdacht einer ‘transnationalen kriminellen Organisation’ die Gewinne aus dem Drogenhandel nach Thailand schleust.

Grass Company Tilburg (Quelle: Google Streetview)
Grass Company Tilburg (Quelle: Google Streetview)

Offenbar fiel diese Äußerung in Thailand auf fruchtbaren Boden. Bereits am 23. Juli fällt die Polizei in Van Laarhovens Villa in Pataya ein und verhaftet den ‘niederländischen Drogenbaron’.
Nun hat Thailand genug eigene Probleme, also kommt die Verhaftung eines internationalen Kriminellen natürlich gut an, um davon ein wenig abzulenken. Also erklärte der thailändische Generalstaatsanwalt Surasak, dass man in Zusammenarbeit mit der niederländischen Botschaft zusammen gearbeitet habe, und Van Laarhoven wegen seiner niederländischen Verbrechen festgenommen habe. Er habe in den Niederlanden seit dem 1. März 2007 ohne eine Genehmigung Cannabis verkauft. Zu diesem Zweck habe er Coffeeshops im ganzen Land eröffnet um seine wahre Tätigkeit zu verschleiern. Außerdem habe er in seinem Keller Cannabis angebaut. Dann sei er nach Thailand gekommen und habe ein Geschäft aufgebaut um Geldwäsche zu betreiben. Dazu habe er Land, Autos und Häuser gekauft und verdiene im Jahr 500-600 Millionen Baht (ca. 13-14 Mio Euro). Deswegen habe man gegen ihn ermittelt und dann seine Frau und ihn verhaftet.
Spätestens hier hätte den niederländischen Behörden auffallen müssen, dass die thailändischen Behörden entweder eine schlechte Übersetzung hatten oder die niederländische Toleranzpolitik nicht ganz verstanden haben.
Seitdem teilt sich Van Laarhoven eine Zelle mit fünfzig anderen Mitgefangenen, die, so wie er berichtet, manchmal auch schon mal verstorben sind. In dieser Zelle saß er nun über ein Jahr und wartete auf seinen Prozess.

Johan van Laarhoven in seiner Zelle (Quelle: Justice for Johan)
Johan van Laarhoven in seiner Zelle (Quelle: Justice for Johan)

Jetzt ist es jedoch nicht so, als wäe Van Laarhoven irgend ein unbekannter kleiner Coffeeshopbesitzer. Neben der von ihm gefründeten Grass Company war er auch an Mitbesitzer an TGC-Trading, einem Großhandel für Raucherbedarf, Trend- und Lifestyleprodukten (man könnte auch Headshop sagen). In dieser Eigenschaft war er in den Niederlanden gut bekannt und die Shops der Grass Company wurden oft von Politikern oder Abgeordneten besucht, um sich über die aktuelle Lage zu informieren.
Nach Thailand zog es Van Laarhoven bereits im Jahr 2008. Im Jahr 2011 verkaufte er dann seine Anteile an ‘The Grass Company’, zu diesem Zeitpunkt hatte er dreissig Jahre unbehelligt seine Geschäfte in den Niederlanden betrieben. Als er sich zurückzog, erklärte er, dass es immer schwieriger sei, in diesem Geschäft zu arbeiten. Die Steuerbehörden wären immer unberechenbarer und Absprachen mit der Justiz seinen immer schwieriger.
Nach seinem Rückzug aus der Coffeeshopkette und seinem Umzug nach Thailand folgten Durchsuchungen verschiedener Betriebe der Grass Company und TGC-Trading. Im Juli desselben Jahres folgte eine weitere Durchsuchung. Man stellte den gesamten Vorrat sicher und eröffnete ein Verfahren wegen Verstoßes gegen die Höchstlagermenge. Das Ergebnis führte zu genau… nichts. Das Verfahren wurde später eingestellt. Aber anscheined geriet Van Laarhoven zu dieser Zeit ins Visier irgendeines Beamten, der an dieser Stelle weiterbohren wollte. Das führte zu dem Rechtshilfeersuchen an die thailändischen Behörden, mit den oben beschriebenen Folgen.
Obwohl auch während der ganzen Zeit Kontakt bestand, haben die niederländischen Behörden offenbar keine Veranlassung gesehen, sich in dieser Sache weiter zu engagieren. Also wurde das Verfahren gegen Van Laarhoven eröffnet. Obwohl die niederländischen Anwälte sogar den Besuch der Anwälte aus Thailand organisierten um Ihnen die Handhabung in den Niederlanden zu zeigen, scheint die Thailändische Justiz nach wie vor Probleme zu haben, diese Politik zu verstehen.
Es ist zu erwarten dass das Verfahren in die nächste Instanz geht. Solange sitzt Van Laarhoven weiter in seiner überfüllten Zelle. Währenddessen regt sich in der Heimat etwas. Die Tilburger D66 Abgeordneten Vera Bergkamp und Sjoerd Sjoerdsma haben Minister Van der Steur schriftlich einige Fragen bezüglich des Falles gestellt. Sie möchten wissen, wie weit die Niederlande in das Verfahren involviert waren, welche Umstände zu der Verfolgung geführt haben und auch, ob die niederländische Toleranzpolitik den thailändischen Behörden ausreichend erklärt wurde.

Mittlerweile gibt es auch eine Kampagne, welche die Überstellung von Johan van Laarhoven in die Niederlande und einen ehrlichen und gerechten Prozess fordert. Dieser dürfte dann wahrscheinlich mit einem Freispruch enden, denn die Verfahren in den Niederlanden sind mittlerweile eingestellt.

Steve Thunderhead

Steve Thunderhead

Ich lebe seit mehr als vierzig Jahren an der niederländischen Grenze. Die Entwicklung der niederländischen Cannabispolitik verfolge ich seit den achtziger Jahren, als ich zum ersten Mal einen Coffeeshop besucht habe. Die langsame Veränderung von einer pragmatischen und toleranten Politik zu immer repressiveren Regelungen kenne ich deswegen aus eigener Erfahrung. Ich freue mich als Autor auf Kein Wietpas! mitarbeiten zu dürfen, weil ich nach all den Jahren meinen Anteil zu einem erneuten Wandel dieser Politik beitragen will.
Steve Thunderhead