Eklat in Haarlem (Update!)

Artikelautor mobo in Haarlem: Gelebte Toleranz?
Artikelautor mobo in Haarlem: Gelebte Toleranz?

Haarlem (Nordholland) hat in vielerlei Hinsicht eine Sonderrolle , was den Umgang mit den dortigen Coffeeshops angeht. Möglich ist dies unter anderem durch den starken lokalen Coffeeshopverband, dem THC (Team Haarlemse Coffeeshopondernemers) und natürlich auch durch unseren Freund Nol van Schaik, der wie kaum ein anderer die Position einer Galionsfigur in der Coffeeshopindustrie einnimmt.

Bürgermeister Schneiders präsentiert die Keurmerk, die auch ihn in Pflicht nimmt.
Bürgermeister Schneiders präsentiert die Keurmerk, die auch ihn in Pflicht nimmt.

Die “Keurmerk”, also das Gütesigel für Coffeeshops, ist das sichtbarste Anzeichen für den Sonderstatus in Haarlem. Sie gibt den Coffeeshops zusätzliche Privilegien, aber auch Verpflichtungen.

Werden die Regeln eingehalten, dann sollte der Shop eigentlich in Ruhe gelassen werden. Eigentlich.

Gestern jedoch kam es zum Eklat, bei dem noch nicht endgültig geklärt ist, was da genau schief gelaufen ist.

Im Rahmen der Anlieferung von neuer Ware für Nol van Schaiks Coffeeshop “Willie Wortels Indica” wurde der offizielle, Keurmerk-zertifizierte Lieferant Justin vor dem Indica von der Polizei im Rahmen einer Fahrzeugkontrolle gestoppt. Die Beamten haben dann ohne Erlaubnis die Tüten mit der Anlieferung aus dem Auto geholt und Kontrolliert. Daraufhin wurde die Ware beschlagnahmt und Justin verhaftet.

Willi Wortels Indica
Willi Wortels Indica

Nach Angaben, die sich nicht mit denen der Polizei decken, soll es sich bei der beschlagnahmten Ware um 120g Gras, 100 vorgedrehte Joints und ein paar Flaschen CBD-Öl gehandelt haben. Auch Nol, der das Geschehen aus dem Coffeeshop heraus beobachten konnte, schaffte es nicht, die Polizei davon zu überzeugen, dass es sich um eine geduldete Belieferung im Rahmen der Haarlemer-Keurmerk-Regelung handelt und so musste er dabei zusehen, wie die Polizei mit seiner Ware und seinem Mitarbeiter verschwand. Es gibt auch ein Video von den Ereignissen.

Justin konnte den Shop wieder mit neuer Ware versorgen.
Justin konnte den Shop wieder mit neuer Ware versorgen.

Justin wurde später von der Polizei verhört, Anwalt Maurice Veldmann kam zur Hilfe. Nach stundenlangem Verhör wurde Justin urplötzlich von der Polizei  wieder auf freien Fuss gelassen. Ihm wurde gesagt, dass er zu Unrecht als Beschuldigter festgehalten wurde. Die Ware allerdings durfte er nicht mitnehmen…

Angesichts der Keurmerk-Regelung in Haarlem ist die Situation als kleiner Skandal einzustufen. Die Belieferung der Coffeeshops ist in Haarlem eindeutig Reglementiert und jeder hält sich an die Regeln. Daher sollte Bürgermeister Bernt Schneiders (PvdA) in seiner Funktion als Polizeichef der Gemeinde eigentlich solche Vorfälle unterbinden.

Die Gemeinde streitet jedoch ab, etwas mit dem Vorfall zu tun zu haben, die Polizei handelte eigenständig. Stolz präsentieren sie auch auf Facebook ihren Fund.

Wie ich Nol kenne, wird er das nicht auf sich sitzen lassen und für seine Ware und ein Einhalten der Pflichten der Gemeinde kämpfen. Bereits jetzt hat er angekündigt, auch juristische Schritte einzuleiten, um seine Ware zurück zu bekommen. Natürlich werden wir am Thema bleiben und Euch über die neusten Entwicklungen berichten.

Update: John Dope TV hat alles mit der Kamera begleitet. Das Video ist jetzt online!

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de