Coffeeshop ohne Gras

Die Fassade nach dem Anschlag, Foto: Bart Masters
Die Fassade nach dem Anschlag, Foto: Bart Masters

Der Coffeeshop “Chip´n´Dale” in Den Bosch (Nordbrabant) wurde im letzten Jahr Opfer eines Drive-by-Shootings. Dabei durchschlugen in der Nacht außerhalb der Öffnungszeiten dutzende Schüsse die Glasfront des Shops. Wer hier regelmäßig mitliest weiß, dass sowas in der Regel ein sicheres Zeichen dafür ist, dass der Coffeeshop geschlossen wird. Je nach Laune des Bürgermeisters temporär oder permanent.

Im Falle des “Chip´n´Dale” wurde zuerst eine unbefristete Schließung angeordnet, im Januar wurde dann beschlossen, dass dies bis zum 01. Mai der Fall sein solle.

Bürgermeister Rombouts
Bürgermeister Rombouts

Doch die Besitzerin hat sich zu früh gefreut: Zwar darf der Shop, wie beschlossen, am Sonntag wieder seine Türen öffnen, Bürgermeister Ton Romboots (CDA) hat aber die Coffeeshoplizenz vorerst entzogen. In einem Brief an die Nachbarschaft hat er darüber informiert:

Ich kann mir vorstellen, dass Sie sich Sorgen machen, wenn der Coffee-Shop wieder öffnet. Diese Sorgen teile ich durchaus.

Gegen den Beschluss wurde zwar Beschwerde eingelegt, aber noch ist das Verfahren im Gange.

Dies führt zu der absurden Situation, dass jetzt neben den gewöhnlichen Coffeeshop-Nebenprodukten wie Kaffee und Süsswaren auch Alkohol verkauft werden darf. Cannabis selbst darf nur im Shop konsumiert, nicht aber gehandelt werden. Ich denke, dass der Shop sogar entgegen der sonstigen Regelung in Den Bosch auch Ausländer bedienen darf. Die können sich dann zum mitgebrachten Joint ein Bier trinken und auf die großartige Drogenpolitik der Niederlande anstoßen. Natürlich können sie sich dabei absolut sicher fühlen, denn ohne Lizenz ist der Shop auf jeden Fall vor dem Beschuss geschützt.

Weil das ja klar ist.

Ich wünsche der Betreiberin viel Erfolg bei der Klage gegen diese absurden Entscheidungen und hoffe, dass sich der Auslöser der Situation nicht wiederholt.

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de

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