Tilburg stoppt I-Kriterium

Seit 2012 heisst es in den Coffeeshops in Nordbrabant “Ausländer müssen draußen bleiben”. Zuerst zusammen mit Limburg und Zeeland als Testballon für den (gescheiterten) Wietpas, später dann mit dem I-Kriterium, das eigentlich landesweit gelten sollte, bis auf wenige Ausnahmen aber auf die Ursprungsprovinzen beschränkt blieb. In Limburg sieht man es in manchen Gemeinden nicht ganz so eng und lässt Ausländer wieder kaufen, teilweise aber ohne erlaubten Aufenthalt im Shop, während Nordbrabant und Zeeland mit eiserner Hand an der diskriminierenden Regelung festhalten. Eindhoven bildet da eine rühmliche Ausnahme und lässt als einzige Gemeinde in Nordbrabant seit 2015 wieder ausländische Besucher in den Coffeeshops zu.

Bürgermeister Weterings

Bis jetzt! Überraschend wurde jetzt verkündet, dass ab 01. März in Tilburg das I-Kriterium für die 9 Coffeeshops der Gemeinde testweise bis zum 01. Oktober ausgesetzt werden soll. Danach will Bürgermeister Theo Weterings (VVD) in Zusammenarbeit mit der Polizei entscheiden, ob das I-Kriterium vollständig beerdigt wird. Damit würde man noch einen Schritt weiter gehen als Eindhoven, welches das Aussetzen jedes Jahr neu verlängert, auch wenn es mittlerweile eher eine Proforma-Sache geworden ist.

Auch in den vergangenen Jahren hat man schon des Öfteren ein Auge zugedrückt: Im Rahmen der Musikfestivals Roadburn und Woo Hah! wurden die Musikfans ausnahmsweise in die Shops gelassen um einen drohenden Anstieg des Strassenhandels bereits im Keim zu ersticken.

Nun also wieder für alle und jederzeit. Man darf gespannt sein, ob das Beispiel in der Umgebung Schule machen wird und auch andere Gemeinden der Stadt mit knapp 214.000 Einwohner folgen werden.

Politisch dürfte dieser Paukenschlag den beiden stärksten Parteien im Gemeinderat (D66 und SP) zuzuordnen sein. Im bunt gemischten Rat, bestehend aus 12 politischen Parteien, belegen sie zusammen 15 von 45 Sitzen. Beide Parteien kämpfen seit Jahren gegen das I-Kriterium. Dass sie dann ausgerechnet den erst seit November amtierenden Bürgermeister der konservativen VVD zu diesem Schritt bewegen konnten, ist eine kleine politische Sensation. Glückwunsch!

In knapp einer Woche seid ihr alle also wieder in Tilburg willkommen! Die Coffeeshopbetreiber dürfte es freuen. Neben dem zusätzlichen Umsatz sind sie nun endlich nicht mehr dazu gezwungen, Besucher aus dem Ausland zu diskriminieren.

Coffeeshop The Grass Company (Filiale an der Spoorlaan) in Tilburg

Nun liegt es an uns, was wir daraus machen. Fühlen sich die Anwohner durch die zusätzliche Besucher nicht belästigt ist davon auszugehen, dass es sich mit dem I-Kriterium auch in Zukunft erledigt hat.

Dürfte nicht so schwer sein, oder?

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de