Cannabisaktivist schockiert mit öffentlichem Suizidversuch

Vergangenen Donnerstag kam es in der zweiten Kammer während einer Debatte zu dramatischen Ereignissen. Der niederländische Cannabisaktivist Hans Kamperman sprang von Besuchertribüne in den Plenarsaal, mutmaßlich um sein Leben zu beenden. Kamperman wurde ins Krankenhaus eingeliefert, er hat den Sprung überlebt. Die Sitzung wurde unterbrochen und der Saal evakuiert. Die Mitglieder der Kammer waren sichtlich schockiert.

Kamperman vor dem Parlamentsgebäude

Der 65 jährige Kamperman hat seit längerem sein Leben dem Cannabisaktivismus verschrieben. Nachdem er im vergangenem Jahr wegen Anbaus von fünf (Sic!) Pflanzen verurteilt wurde, die er zu Öl verarbeiten wollte, um sie an befreundete Patienten zu verschenken, ist das Feuer in ihm erst richtig entbrannt. Er startete eine Petition, um medizinisches Cannabisöl aus dem Opiumwet zu streichen. Seit Wochen kampierte er vor dem niederländischen Parlament um darauf aufmerksam zu machen. Doch die Petition hatte nicht den nötigen Erfolg, weshalb er jetzt, angekündigt auf Facebook, diesen Schritt unternommen hat.

Die Aktion fand in den niederlänsichen Medien ein breites Echo mit zweigeteilter Meinung: Viele Cannabisaktivisten feiern Kamperman als “Märtyrer”, der auf die schlechte Situation von Cannabispatienten hinweisen möchte, andere sehen darin “nur” einen Hilferuf eines gebrochenen Mannes. Freunde berichten, dass er in den letzten Wochen immer verwirrter wurde und des öfteren vom Tod gesprochen hat.

Ein Dolchstoß in Kampermans Herz dürfte die Tatsache sein, dass ihm durch seine Vorstrafe (Verurteilung ohne Strafe!) die Möglichkeit genommen wurde nach Kanada zu reisen, wo sich sein Lebenswerk befindet: Ein Naturschutzgebiet, verwaltet von Ureinwohnern, das er gekauft hat. Derzeitig befindet sich Kampermans Frau in Kanada, wo sie auch von dem Suizidversuch ihres Mannes erfahren musste.

Ob man Kampermans Aktion jetzt als selbstlose Heldentat sehen sollte oder als törichte Aktion eines verwirrten Mannes sollte jeder für sich entscheiden. Ob das Thema Cannabis als Medizin dadurch auch langfristig wieder mehr in der Berichterstattung auftauchen wird, wird sich zeigen.

Kamperman, der nach eigenen Aussagen übrigens nie Cannabis konsumiert hat, wünschen wir jedenfalls alles Gute.

Kreisen sich Deine Gedanken darum, Dir das Leben zu nehmen? Kontaktiere bitte umgehend die Telefonseelsorge (http://www.telefonseelsorge.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110-111 oder 0800-1110-222 erhältst Du Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen Auswege aus scheinbar aussichtslosen Situationen aufzeigen konnten. 

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de

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