Onno Hoes will Bürgermeister von Amsterdam werden

Neue Leser unseres Blogs werden sicherlich mit den Schultern zucken, wenn sie diese Überschrift lesen, den alten Hasen unter der Leserschaft wird jedoch sicherlich ein eiskalter Schauer über den Rücken laufen. Nein, wir haben nicht den 1. April und wir sind auch nicht bei der niederländischen Version des Postillon.

Damit jeder die Tragweite dieser Schlagzeile versteht, wollen wir uns mal ins Jahr 2012 zurück bewegen, dem Jahr, in dem der Wietpas mit großen Brimborium in den niederländischen Provinzen Zeeland, Noord-Brabant und Limburg eingeführt wurde. Es war auch die Geburtsstunde von “Kein Wietpas!”, für mich persönlich ein Wendepunkt in meinem Leben, der trotz der schlechten Nachricht enorm viele Weichen neu gestellt hat.

Das Thema des Blogs war Wietpas, die allgemeine niederländische Drogenpolitik kam erst später mit dazu. Und schnell wurden die Feindbilder gesetzt. Die Antagonisten der Coffeeshopfreunde waren hauptsächlich der damalige Minster für Sicherheit und Justiz, Ivo Opstelten (VVD) und sein wichtigster lokaler Gegenpart Onno Hoes (ebenfalls VVD), Bürgermeister von Maastricht, dem Hauptschlachtort der neuen Coffeeshoppolitik und daher auch hier im Blog die meist erwähnte Stadt.

So sehr man Onno Hoes zu hassen lernte, so unverständlich war seine Position als stockkonservativer, Coffeeshophassender Politiker. Sollte man doch von einem homosexuellen (verheiratet mit einem bekannten niederländischen TV-Star), jüdischen Politiker  der es selbst nicht so streng mit gesellschaftlichen Normen wie z.B. der Monogamie sah, erwarten, dass er wie kaum ein anderer für Toleranz und gegen Diskriminierung steht.

Tat er aber nicht, und so wurde er hier im Blog zum absoluten Bösen hochstilisiert. Und doch war es natürlich eine Hassliebe, denn er sorgte immer wieder für interessante Nachrichten, die wir stets gerne verbloggt haben.

Nachdem er wegen einer Sexaffaire zurücktreten musste wurde es still um ihm. Alles was man dann von Hoes hörte, sah nun gar nicht mehr so nach dem Monster aus, zu dem wir ihn hochstilisiert hatten: Er kümmerte sich um die Integration behinderter Menschen und war Berater der Zentralstelle für die Aufnahme von Asylsuchenden in den Niederlanden. Jobs, die zweifelsfrei Achtung verdienen.

Und nachdem er er dann Bürgermeister von Haarlemmermeer (Noord-Holland) wurde, hatte er diese Stadt auch nicht zu einem zweiten Maastricht gemacht .

Doch jetzt will Het Parool erfahren haben, dass sich Hoes als Bürgermeister von Amsterdam beworben hat, was dann doch irgendwie einen kleinen Klos im Hals erzeugt.

Seit dem Tod von Eberhard van der Laan wird die Hauptstadt immer noch nur provisorisch von Kajsa Ollongren (D66) regiert. Die Neubesetzung gestaltet sich schwieriger als gedacht. Eine erste Bewerbungsrunde brachte keinen geeigneten Kandidaten hervor, jetzt wurde eine Zweite einberufen, in der sich dann auch Hoes beworben haben soll. Zeit wird er demnächst haben: Seit bisheriges Amt endet im Januar nächstes Jahr.

Trotz aller Sorgen: Journalistisch gesehen sicherlich sehr spannend….

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de