Nijmegen: Vlaamsegas bald frei von Coffeeshops?

Die Vlaamsegas in Nijmegen (Gelderland) dürfte wohl zu den bekanntesten Coffeeshopadressen der Niederlande gehören, sozusagen die Herbertstraße der Kifferwelt. Doch damit könnte es bald vorbei sein, geht es nach dem Willen einiger Mitglieder des Gemeinderates. Die neue Koalition aus GroenLinks, D66 und SP (drei Parteien die als alles andere als Coffeeshopfeindlich gelten) lassen derzeit prüfen, ob man nicht besser die Coffeeshops aus der Innenstadt in die Wohngebiete verlagern solle.

“Es gibt eine Ballung von Coffeeshops in und um die Vlaamsegas und damit auch eine Ballung von Overlast. Das ist schon sehr lange der Fall, und es basierte auf der damaligen Idee, dass wir nicht überall in der Stadt Unannehmlichkeiten haben wollten. Aber die Frage ist, ob das Beste ist”, sagt April Ranshuijsen, Vorsitzender der GroenLinks, mit 11 der 39 Sitze die größte Partei im Gemeinderat von Nijmegen.

Die Overlast in der Vlaamsegas besteht nicht nur aus wild parkenden Autos und Ruhestörungen, sondern es werden auch Dealer härterer Drogen angelockt, die mit den Kunden der Coffeeshops auch den einen oder anderen Euro verdienen wollen. “Wir sind einfach der Meinung, dass es eine gründliche Untersuchung geben sollte und dass dann im Rat eine gute Debatte darüber geführt werden sollte”, so Ranshuijsen.

Die Vlaamsegas 1974

Die Idee wäre dann, die Shops direkt in die Wohngegenden zu verlagern und eben nicht mehr geballt in einer Ecke zu konzentrieren.

Es bleibt zu hoffen, dass der Rat sich sehr schnell gegen diese Variante entscheidet. Coffeeshops in Wohngegenden sind oft ein Ärgernis für die Anwohner. Vor allem ausländische Gäste, die ja, seit langem wieder in Nijmegen willkommen sind, würden für ein erhöhtes Verkehrsauskommen sorgen und dass die Strassendealer, die sicherlich vielen zu Recht ein Dorn im Auge sind, einfach mit umziehen werden, sollte jedem klar sein.

Meiner Meinung nach ist das Problem ein ganz anderes: Die unter niederländischen Konservativen zunehmende Ablehnung gegenüber Coffeeshops und deren Besucher und das stetig härtere Vorgehen der Polizei sorgt für immer stärkeres Misstrauen gegenüber den Ordnungskräften und immer mehr findet im Verborgenen statt. Solche Entwicklungen ziehen dann auch Strassendealer an wie ein Scheißhaufen Fliegen. Würde man auf der einen Seite wieder mehr sprichwörtliche niederländische Toleranz walten lassen, aber gleichzeitig hart gegen die wirklichen Regelverletzungen vorgehen, würde sicherlich wesentlich mehr erreicht werden. Und man würde den Geschäftsführern, die ihre Shops teilweise schon seit Jahrzehnten  an dieser Stelle haben, nicht die Lebensgrundlage unter den Füssen wegziehen.

Und abgesehen davon ist die Vlaamsegas einfach ein Stück Kultur in Nijmegen. Die Coffeeshops gehören dort einfach hin. Auch schon vor den Coffeeshops war die berühmte Strasse ein Vergnügungsort.

Und das muss auch so bleiben.

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de

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