50 Jahre Coffeeshops

Na, was denkt Ihr war der allererste Coffeeshop der Niederlande? Viele denken, es war das Mellow Yellow in Amsterdam. Das stimmt aber nicht, es war “nur” der erste Shop in Amsterdam. Somit fällt auch die zweithäufigste Antwort flach, es war auch nicht der Bulldog, der nur die erste Coffeeshopkette war und ein paar Ideen verwendet hat, die bis heute gültig sind.

Gründer Hasenbos

Nein, der allererste Coffeeshop des Landes war das Sarasani in Utrecht. Heute, vor genau 50 Jahren, am 23.11.1968, hat Holly Hasenbos (†1984), in einem Werftkeller den ersten Coffeeshop eröffnet, trotz bestehenden Cannabisverbots. Hasenbos war ein verrückter aber liebenswerter Hippie und Reptilienliebhaber. Der Name des Coffeeshops wurde inspiriert von einem DDR-Zirkus namens “Sarrasani”, der in der Nähe gastierte. Der Haschvorrat des Shops wurde in einem Koffer aufbewahrt, der im Krokodil-Terrarium stand, bewacht von den beiden Krokodilen Sara und Sani…

Im Sarasani war jeder willkommen, der wusste, wo sich der Laden befand, denn er war schon recht gut versteckt. Man musste anklopfen und wurde danach in ein mysteriöses Paradies mit vielen Reptilien und spartanischen Sitzgelegenheiten gelassen. Hasenbos wurde mehrfach verhaftet, der Laden wurde mehrfach geschlossen, aber das alles entmutigte den Pionier nicht damit aufzuhören. Seit seinen Reisen nach Marokko empfand er das Cannabisverbot als puren Unsinn. Seine Hartnäckigkeit führte dazu, dass sein Beispiel immer mehr Schule macht und schließlich auch die niederländische Politik zum Einknicken brachte. Sie schufen ein einmaliges Modell zum Semi-legalen Verkauf von Cannabis. Der Rest ist Geschichte. Später wurde das Sarasani dann mit einer richtigen Lizenz ausgestattet. 1984 wurde Hasenbos dann unter ungeklärten Umständen von der Polizei erschossen. Sein Cousin Ton Hol übernahm den Laden. Aus Respekt gegenüber Holly beließ er viele der originalen Einrichtungsgegenstände im Urzustand, nur die Tiere wurden immer mehr durch Stofftiere und harmlosere Varianten ausgetauscht.

2007 wurde das Sarasani dann von der Gemeinde geschlossen, nachdem Mitarbeiter des Shops von der Polizei dabei erwischt wurden, wie sie 9,7kg an einen deutschen Besucher verkauften. Dass Utrecht damit einen Mythos zerstört hat, begreift die Gemeinde erst jetzt langsam.

Trotzdem wird das Sarasani für immer ein wichtiger Grundstein des Coffeeshopmodells bleiben, das trotz aller Probleme auch heute noch zu den liberalsten Gesetzen der Welt gehört.

Das Bildarchiv von Utrecht hat ein paar Fotos zusammengetragen, außerdem gibt es ein Video des Utrechts Alternatieve POP Archief.

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de

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