Gastbeitrag: Insiderinformationen

Endlich mal wieder ein Gastbeitrag! Dieses mal plaudert ein Insider ein wenig aus dem Nähkästchen und erzählt, wo in den Niederlanden der Hase lang läuft… Der Autor möchte gerne anonym bleiben, was wir natürlich respektieren. Alle Aussagen und Meinungen spiegeln die des Autoren wieder, ich kann für die Authentizität nicht garantieren, aber zumindest ich glaube ihm…

 

Ein völlig anderer Grund?!

Ich bin schon sehr lange “dabei” darum werde ich teils weit ausholen (müssen)…

Die Aussagen der Wietpasbefürworter sind so vollkommen Sinnfrei, das ich Zweifel hege, ob die eigentliche Motivation überhaupt in der öffentlichen Betrachtung steht?!

1983 war ich 17 Jahre alt… und das erste Mal in Amsterdam.
1985 – das erste Mal Maastricht = NIE WIEDER Amsterdam! (Zumindest für 20 Jahre)

Ich weis ja nicht wo die Wietpas-Befürworter zu dieser Zeit gewesen sind… an diesen beiden Orten kann es nicht gewesen sein! Die Straßendealersituation in Amsterdam war absolut unerträglich – in Maastrichtt dagegen war es deutlich ruhiger – zumindest auf der Straße… .
Venlo und Heerlen waren eher die Orte für HardDrugs im Süden.
Maastricht’s Highlight dagegen waren insbesondere die Privatadressen… 100g – 1kg, 1kg – 10kg und größer 10kg. Mindestens eine sehr dominante Organisation hielt dieses “Kilohäuser” – Geschäft sehr sauber von harten Drogen. Nahezu perfekt organisierte Kurierdienste brachten die Ware (>1kg) über die Grenzen nach Belgien und Deutschland. Das ganze konnte sogar versichert werden.
Wer glaubt das wäre die böse parallele Marokko-Mafia-Welt zu den Coffeeshops gewesen – der irrt. Die bekanntesten und erfolgreichsten Coffeshops sind in dieses “Spiel” involviert gewesen. Wie tief ist mir unbekannt… ich denke aber SEHR TIEF.

Diese Organisation hatte damals schon so viel Macht in Maastricht, das sie eine Straßensituation wie in Amsterdam erfolgreich verhindern konnten – Harte Drogen waren wirklich DAS NO-GO SCHLECHTHIN und wurden mit ALLEN Mitteln fern vom Dunstkreis der Organisation gehalten! Selbst gute Kunden bekamen beim geringsten Verdacht auf harte Drogen Hausverbot. Ganz offensichtlich wirkte sich das bis auf die Straße aus denn nirgends kam man auf der Straße in Holland schlechter an harte Drogen als in Maastricht.
Wenn ich bedenke, wie die Entwicklung (und der Preis) des Grases seit dem vorangeschritten ist und ich vorraussetze die Organisation hat sich ebenso entwickelt… dann gibt es in Maastricht eine ganz besondere Situation… die aber nicht öffentlich diskutiert wird.

Woher ich diese Informationen nehme? 5 Jahre bin ich “Gast” dieser Organisation gewesen…

Das KiloGeschäft überstieg das Coffeeshopgeschäft garantiert um ein vielstfaches – ich gehe davon aus, es hat sich bis heute an dem Ganzen nichts geändert – zumindest ist mir nie zu Ohren gekommen, das in Maastricht mal so richtig dick aufgeräumt worden wäre. Nicht unerhebliche Mengen der Coffeeshopeinnahmen dürften aus dem illegalen Geschäft stammen und im Coffeeshop blos gewaschen werden. In keiner Stadt der Niederlande, so ist zumindest mein Eindruck, ist SO KLAR (durch eine illegale Organisation) geregelt wie “BackDoor” und Coffeeshop zusammen zu arbeiten haben wie in Maastricht. Nur mit einer Flut an Coffeeshoptouristen lassen sich
A) die wahren Einnahmen eines Shops (der Organisation) verschleiern
und
B) lässt sich nur mit Ausländeroffenen Shops die Brücke Großkunden <-> Organisation unauffällig herstellen.

Soll mich jetzt zwischendurch keiner falsch verstehen! Ich bin auch gegen den Wietpas, und seit 20 Jahren nur noch ein ganz normaler Feierabendkiffer… aber wer glaubt der durchschnittliche belgische und deutsche Coffeeshopbesucher ist zwingend im Zentrum der Betrachtung… der irrt vielleicht. Die Wietpasproblematik hat eventuell weiterreichende Ursprünge und diese werfe ich in den Raum.

Ich bin sicher, bis zum 01. Mai hätte ich in Maastricht nach 15 Min. auf einer 100% seriösen Kiloadresse gesessen – obwohl ich über 20 Jahre keinen Kontakt mehr zu diesen Leuten hatte… (Eine Stunde im Oktober 2011 in einem Maastrichter Coffeshop waren ausreichend um die “ich will mind. ein Kilo”-Prozedur bei einem Franzosen beobachten zu können) – es hat(te) sich NICHTS geändert…
Jetzt aber, nach dem 01.05.2012 – obwohl ich nur noch 30 Autominuten von Maastricht entfernt wohne… wüsste ich spontan nicht wie ich gesichert an die richtige Organisation käme um große Geschäfte zu machen…
Das ist ein riesengroßer Schlag gegen die Organisation. Sie müssen ihre Kunden von der Straße holen und können nicht mehr nach einem Jahrzente bewährten, Coffeeshop gestützten, System verfahren. Das ermöglicht den Ermittlungsbehörden viel größere Möglichkeiten die Wege zur Organisation zu finden.
Die Organisation wie ich sie damals real kennen gelernt habe würde nie und um keinen Preis ihre guten Leute auf die Straße schicken um Kunden ab zu fangen. Die guten Leute saßen in Coffeeshops und auf den Adressen selbst – aber Straße gab es garnicht. Jetzt übernehmen “freie Dealer” und die marrokanischen Haschlieferanten die Straße und stellen im Zweifel den
Kontakt zur Organisation her… oder zu einer anderen… oder zu Heroin… oder… oder…

Wenn die Organisation heute das ist was ich glaube was sie ist… dann ist sie das mit Abstand mächtigste Unternehmen in Maastricht… in anderen Städten wird es vergleichbare Strukturen geben.

Alles was die Befürworter reden ist Unfug – wenn sie aber nicht öffentlich aussprechen wollen wo ihre eigentlichen Intentionen liegen, dann könnte ihr Wietpasding doch ein Scheinerfolg sein und die vergraulten normalen Coffeeshoptouristen wären blos ein Kolateralschaden… .

Sie pinkeln den großen Gras-Organisationen definitiv ans Bein. Das dumme ist, das sie nicht sehen, das sie keine Chance haben diese Organisationen zu knacken. Zu wenig Mittel – zu wenig Personal. Sie schaffen zwar Unruhe und verteilen die Drogengelder jetzt etwas gerechter an viel fragwürdigere Organisationen/Personen und öffnen so dem einfachen Konsumenten die Tür zu harten Drogen. Letztendlich werden sie aber im Kampf gegen die Organisationen vollends scheitern.

Die einzige Möglichkeiten diesen Organisationen das Handwerk zu legen ist… sie zu legalisieren… .
Kein Stromklau mehr – keine Steuerhinterziehung. Keine Mengenbeschränkungen (insbesondere nicht für Touristen). Das würde jeglichem illegalem Markt die Grundlage entziehen. Benachbarte Länder wären gezwungen sich “was zu überlegen” ;-)

Für mich ist es nach Maastricht, Aachen, Lüttich +/- 10km gleich weit. Der Weg zu “meinem” Shop geht durch alle drei Länder.
Ich bin regelmäßiger Shopkunde und kenne die Situation gut und lange. Die Unannehmlichkeiten die die Touristen bereiten machen sie durch das vor Ort gelassene Geld um ein vielfaches wett… So funktioniert Tourismus weltweit. Was bitte sollen die Leute in Mallorca sagen? Die haben mit ihren Touristen doppelt soviel Ärger beim halben Geld… .
Die niederländische Öffentlichkeit zweifelt massiv am Wietpas und dennoch ziehen die Befürworter das Ding mit fadenscheinigsten Erfolgsbegründungen durch.

Da muss eigentlich mehr hinter stecken! Es geht darum den Organisationen ans Bein zu pinkeln… Je nachdem wieviel Macht diese Organisationen in den Niederlanden wirklich haben… würde selbst ich es als legetim ansehen sie zerschlagen zu wollen – leider ist der eingeschlagene Weg langfristig zu tiefst kontraproduktiv.

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de