Gastbeitrag: Wer ist nun wirklich schuld!? EU vs. Coffeeshopbetreiber

Wenn Dein Laden erstmal läuft, kannst Du Dich zurücklehnen und andere die Arbeit machen lassen… Nein, nicht wirklich, aber ich freue mich, dass mittlerweile so viele Beiträge von dritten reintrudeln. Hier mal wieder was von Marcel!

Hanfgleichstellen hat in diesem Bericht darüber geschrieben, dass er die Unterstützung der Coffeeshops bzw. der Eigentümer vermisst. Mir ist dieser Artikel ein wenig übel aufgestoßen da ich zwar teilweise Hanfs Meinung bin – jedoch teilweise auch eine vollkommen andere Sicht der Dinge habe, die ich Euch nicht vorenthalten möchte. Um die ganze Situation zu verstehen muss man einige Jahre zurück in der Geschichte der Niederlande und der „Duldungspolitik“ gehen. Das Coffeeshopsystem wurde seinerzeit eingeführt um den „Overlast“ auf den Strassen zu verringern. Wer auf etwas Lebenserfahrung zurück greifen kann, kann sich an die Zustände in NL sehr gut erinnern. Leute die in letzter Zeit in Nijmegen oder Venlo waren haben diesen Zustand auch wieder am eigenen Leib erfahren. Nur waren damals die illegalen Shops verbreiteter als der Straßenhandel. Man wurde von der Straße in solch einen Shop gelotst. Auch das Nobodys Place in Venlo war solch ein Shop. Um der Illegalität ein wenig Grenzen zu setzten und der Lage irgendwie Herr zu werden hat die damalige liberale Regierung (vergleichbar mit unserer FDP!!!) dann den „Gedoogbeleid“ beschlossen.

Seit 1992 werden die öffentlichen Coffeeshops mit Lizenz geduldet. Vorher handelte es sich bei jedem Shop um einen illegalen Shop. Zu diesem Zeitpunkt auch das “AHOJG-Kriterium” eingeführt. Die Shops die keine Lizenz erhalten haben wurden daraufhin riguros geschlossen – ich kann mich noch zu gut an die ein oder andere Razzia in Venlo erinnern. Manche Häuser die einen ehemaligen Shop beherbergten stehen heute noch leer und dürfen nicht genutzt werden – diese werden abgerissen, die Kosten trägt der Eigentümer. Nun, die NL Regierung hat es damals geschafft die meisten illegalen Shops zu schliessen und schreckt durch immense Strafen und Kontrollen auch neue illegale Shops ab. Zumindest ist mir kein wirklich illegaler Shop bekannt geworden in den letzten Jahren. Das “Schwarzmarktgeschäft” hat sich auf die Strasse verlagert – was für uns alle ja derzeit sichtbar geworden ist. Nun vermisst Hanfgleichgestellten die Unterstützung der Eigentümer von Coffeeshops bei der Zulassung von Aussländern. Nur frage ich, wer (ausser den Grenznahen Shops) hätte da Interesse und Vorteile dran. Niemand – zumindest nicht von den Shops die weiter hinter der Grenze liegen. Die Amsterdamer Shops machen sich keine Sorgen, da ganz Amsterdam von diesen Shops lebt und der Bürgermeister schon dafür sorgen wird das die Touristen weiter kommen werden. Ebenso in den Städten Rotterdam & Den Haag…. Das Unding Wietpas haben die Niederländer gekippt. Somit ist das Ziel für sie erreicht. Jeder Niederländer darf in den Shop seiner Wahl ohne sich registrieren zu lassen. Warum also sollten sie noch kämpfen??? Wie man hier sehr schön nach lesen kann, hat sich die EU in 2005 auf einen Drogenaktionsplan geeinigt worin u.a. beschlossen wurde die Drogennachfrage sowie den Schmuggel von Drogen innerhalb der EU zu minimieren. Was machen die NL also gerade? Sie halten sich an beschlossene Pläne – und zwar an EU Pläne. Aus Brüssel wird sicher die Anfrage gekommen sein, und die eigentliche Aufgabenstellung war: Ausschluss der EU-Mitbürger aus den anderen Staaten com Coffeeshopsystem, Minimierung der Kundschaft – Best Case: Schliessung der Coffeeshops.

Nun fragt Hanfgleichgestellten, wo die ultrareichen Shopeigentümer ihr Geld lassen und warum sie sich nicht an einer Legalisierung beteiligen!? Wir reden hier über Menschen die kriminell sind. Die wenigsten Eigentümer haben einen Coffeeshop, weil sie gerne mit Hanf umgehen, oder aus irgendeiner Überzeugung heraus. Sie wollen Geld verdienen – das genügt als Überzeugung. Das dies nicht mehr so einfach ist – sollte der Markt komplett reguliert und legalisiert sein (die Gewinnmargen würden einbrechen!) – brauche ich nicht zu erklären. Es läßt sich mehr Geld verdienen mit einer Ware die nur halb legal oder gar illegal ist. Abgesehen davon, dass kaum ein Shopeigentümer reich geworden ist. Bei den meisten, bei denen es so ist, stecken auch wirkliche kriminelle Strukturen dahinter (diverse Rockerclubs –Immobilienmogule (Mafia) etc.). Die, die also vielleicht das Geld und die Macht hätten dort etwas zu ändern wollen es gar nicht. Wäre zu schlecht für das Geschäft. Eine Prohibition wie in Deutschland wäre sogar ein “Best-Case” Modell aus deren Sicht.

Hier wird gegen die Windmühlen der EU gekämpft – was absolut nicht zu gewinnen ist. Wie hier nachzulesen ist, haben Frankreich und Deutschland schon seit Jahren (so ziemlich seit 1976) etwas gegen die NL Drogenpolitik einzuwenden und waren damit auch niemals einverstanden. Nun sollen wir ja nach amerikanischen Vorbild ein Staat werden – die vereinigten Staaten von Europa quasi. Eine Währung haben wir ja schon – nun müssen aber die Gesetze auf ein Level gebracht werden. Ihr denkt doch nicht, das in ganz Europa das Coffeeshopmodell eingeführt würde. Hier wird es auf den medizinischen Gebrauch reduziert werden – und das in GANZ Europa (incl. Niederlande). Den Niederländern steht meiner Meinung nach noch der härteste Schritt bevor (wird so in 2015 – 2016 geschehen). Verbot der Coffeeshops und Umwandlung in Dispensarys (nach US Vorbild – nur ohne den “lockeren” Arzt). Wer ist also Schuld an der ganzen Entwicklung? Die EU! Wer ist die EU? Zum größten Teil Frankreich und Deutschland! Wer regiert diese Länder? Volksvertreter, die DU und ICH gewählt haben! Wer ist also Schuld? DU (und ich)! Die Coffeeshopbetreiber sind nur Händler die eine Gewinnerzielungsabsicht haben…. das wäre genauso als ob Du den Wirt hinter der Bar fragst ob er nichts dagegen hast, wenn Du Dir Dein eigenes Bier braust.

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de